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Will Stärke zeigen: Martina Voss-Tecklenburg (rechts).

Frauen-Nationalmannschaft

Weiter als Löw

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Bei ihrem Heimdebüt gegen den Vizeweltmeister Japan will die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Fortschritte des deutschen Frauenfußballs demonstrieren.

Eine gewisse Unbeschwertheit ist gerade Markenzeichen der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft. Demonstriert am Wochenende von den Spielerinnen in der Küche der Hotelresidenz Klosterpforte: Dzsenifer Marozsan schnitt in der noblen Herberge im ostwestfälischen Harsewinkel die Zwiebeln, Melanie Leupolz schälte die Kartoffeln – und hintendran wachte Hannes Flade, der Koch und Ernährungsberater, über die richtige Rezeptur. „Die Ernährung wird ja immer wichtiger“, erzählte Lina Magull am Tag darauf, die übrigens in ihrer Kochgruppe den Lachs zubereitete. Nun müssen nur noch die Zutaten auf dem Platz stimmen, wenn der zweifache Weltmeister im Freundschaftsspiel gegen Japan in Paderborn (Dienstag, 16 Uhr / ZDF) antritt.

Aus Sicht der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg („wir treffen auf eine spielstarke Mannschaft, die gerne den Gegner totlaufen lässt“) simuliert der Vizeweltmeister von 2015 und Weltmeister von 2011 bereits den Ernstfall für das zweite WM-Gruppenspiel am 12. Juni gegen Spanien. Der deutsche Frauenfußball hat mit der Endrunde in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) mal wieder Gelegenheit, für einen längeren Zeitraum ins öffentliche Bewusstsein einzudringen. Besondere Nervosität verspürt die Bundestrainerin vor ihrer Heimpremiere nicht. „Es kommen viele Freunde und Verwandte. Durch diesen tollen Support ist es natürlich eine besondere Situation.“ Überdies hat sich ihr Vorgänger Horst Hrubesch nach seinem Neuseeland-Urlaub angekündigt, auch der für alle Nationalmannschaften unter dem DFB-Dach zuständige Direktor Oliver Bierhoff reist an.

Die neue Systemvariabilität

Vielleicht erspäht die Männerriege weitere Indizien, dass Voss-Tecklenburg ihr Team ein bisschen flotter zurück in die Weltspitze führt als Joachim Löw seine Mannschaft. Ein gemeinsamer Auftritt beim Amateurkongress in Kassel vor einigen Wochen lieferte klare Hinweise, dass die beim Schweizer Verband extrem gereifte Überzeugungstäterin keinerlei Berührungsängste besitzt. Und ohne jegliche Ehrfurcht spielt das junge Team unter ihrer Leitung auch. Mit den Auswärtssiegen in Frankreich (1:0) und in Schweden (2:1) sind erste Ausrufezeichen gesetzt. Ein drittes würde die DFB-Frauen automatisch in den Kreis der engeren WM-Titelanwärter hieven.

„Es läuft toll mit dieser jungen Mannschaft. Es ist noch nicht alles perfekt, aber wir arbeiten in Überzeugungsprinzipien“, erklärte die gebürtige Duisburgerin, die zuletzt in Schweden mal eben ein 3-4-3-System verordnete, was bislang nicht zum schwarz-rot-goldenen Markenkern des Frauenfußballs gehörte. Sie begreift diese Vielseitigkeit indes als Selbstverständlichkeit: „Wir brauche eine gewisse Systemvariabilität, weil es bei einem Turnier Situationen geben kann, in dem wir reagieren müssen.“

Genau daran war ja beispielsweise die langjährige Bundestrainerin Silvia Neid im WM-Halbfinale 2015 gegen die USA (0:2) gescheitert, als von der Bank nach einem Rückstand im kanadischen Montreal keinerlei Impulse mehr kamen. Gegen Japan, so viel verriet die 125-fache Nationalspielerin bereits, werde ihr Team wieder mit einer Viererkette verteidigen. Ansonsten sollen die Kapazitäten ihres Kaders, dem auch die zuletzt erkrankten Svenja Huth und Lea Schüller wieder gehören, ausgeschöpft werden, schließlich steht bereits am 14. Mai die Nominierung des WM-Kaders an.

Dass erst 4000 Tickets für den namhaften Leistungsvergleich verkauft sind, verortete Voss-Tecklenburg zwar nicht bei ihrer „Kernkompetenz“, gleichwohl macht sie sich auch darüber Gedanken, wie das rückläufige Interesse an Frauen-Länderspielen aufgefangen werden kann. „Andere Länder inszenieren daraus richtig Events. Wir sind mit dem Verband dabei, das zu hinterfragen.“ Ihr Wunsch ist es, dass wenigstens bei der WM-Generalprobe gegen Chile am 30. Mai in Regensburg, mit dem das Trainingslager in Grassau am Chiemsee zu Ende geht, „die Hütte voll ist“.

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