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Marokko sei Dank

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Von: Günter Klein

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Glückliche und fröhliche Marokkaner.
Glückliche und fröhliche Marokkaner. Foto: dpa © dpa

Das erste afrikanische Land in einem Halbfinale hat dieses seltsame Turnier in Katar bereichert. Eine Garantie auf Wiederholung des Erfolgs gibt es aber nicht. Ein Kommentar.

Ein attraktiveres Finale als zwischen Argentinien und Frankreich kann man sich bei dieser WM nicht vorstellen: Große Historie, große Namen, unter ihnen die Protagonisten Messi und Mbappé, auf beide Seiten verteilt. Hier die Sehnsucht, 36 titellose Jahre zu beenden, dort der Hunger, nach vier Jahren nochmals zuzugreifen und den Goldpokal zu verteidigen. Überdies: Zwei Erdteile, zwei Fußballkulturen im Vergleich. Egal, wie das ausgeht: Die Weltmeisterschaft in Katar wird zumindest spektakulär enden.

Dass Frankreich im Endspiel steht, bedeutet freilich auch, dass Marokko gestoppt wurde. Trotzdem: Der Auftritt des nordafrikanischen Teams verdient eine besondere Würdigung. Mit den „Löwen vom Atlas“ wird das Turnier genauso verbunden sein wie mit Messis Soli. Neben der Leistung auf dem Platz ist herauszustellen, wie die Marokkaner es schafften, dass so viele Menschen sich von ihnen repräsentiert fühlten: Afrika, die arabische Welt trotz aller internen Rivalitäten, und überhaupt alle, die als Angehörige von Einwandererfamilien in der westlichen Welt sich oft aus prekären Verhältnissen herausarbeiten müssen.

Dass die erfolgreichen Spieler ihre Mütter nach Katar einluden und mit ihnen tanzten, das waren einfach wunderbare Szenen, und man muss ideologisch fehlgeleitet sein, wenn man nicht erkennen mag, dass hier an erster Stelle die Liebe und Dankbarkeit ihren Ausdruck finden.

Man sollte an Marokko aber nicht den Anspruch stellen, dass es nun regelmäßig mit sportlichen Großtaten aufwartet. Es mag das erste afrikanische Land in einem WM-Halbfinale gewesen sein, aber dem Endspiel nahe gekommen sind andere Nationen, denen man es nicht zugetraut hatte, auch schon. Denken wir an 2002, als Südkorea und die Türkei das kleine Finale bestritten. Nachhaltigkeit schaffte ihr Erfolg nicht. Die Türken tauchten bei keinem weiteren WM-Finalturnier auf, obwohl sie ein Land voller Fußball-Leidenschaft und mit guter Infrastruktur sind (Marokko also durchaus vergleichbar), und bei den Koreanern täuschten gefällige Schiedsrichterentscheidungen darüber hinweg, dass sie nicht mehr waren als ein Team, das von Athletik und Disziplin lebte. Sie spielen nun mit, ohne groß aufzufallen. Da ist Marokko sicher eine andere Hausnummer.

Künftig wird Afrika neun statt fünf Startplätze bei der WM haben, die allerdings auch auf 48 statt 32 Teilnehmer aufgebläht wird. Marokko hat beste Chancen, sich wieder zu qualifizieren. Doch die Geschichte von 2022 war so gut, dass man sie sich nicht einfach in Kopie wünscht, sondern sie als Monument der Einzigartigkeit bestehen bleibt.

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