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Keine Gnade: Mario Gomez muss vom Platz.

VfB Stuttgart

Drei Millionen Mal

Mario Gomez ärgert sich über den Platzverweis durch Deniz Aytekin.

Das Urteil fiel vernichtend aus. „Da passt hinten und vorne nichts. Die Spieler haben keine Qualität“, schimpfte Weltmeister Thomas Berthold bei Sky90 über die Zugänge der letzten eineinhalb Jahre bei seinem krisengeplagten Ex-Klub VfB Stuttgart – und Trainer Markus Weinzierl konnte der deutlichen Kritik nicht mal widersprechen: „Wir haben natürlich Probleme, sonst wären wir nicht in dieser Konstellation hinten drin.“

Was sollte der 44-Jährige nach dem mageren 2:2 (0:1) im Kellerduell gegen den SC Freiburg angesichts der immer prekäreren Lage auch anderes sagen. Nach fünf Spielen ohne Sieg mit vier Pleiten wird der Druck größer, der Abstand auf Platz 15 beträgt bereits drei Punkte – und jetzt geht es am Sonntag (18 Uhr) zu Fortuna Düsseldorf. Für den VfB hat die Partie gegen einen vermeintlichen Konkurrenten fast existenzielle Bedeutung.

So klammerte sich Weinzierl nach dem Last-Minute-Ausgleich der Freiburger durch Florian Niederlechner (90.+4) an jeden Strohhalm. Die Mannschaft habe sich zuletzt schon beim 1:4 gegen die Bayern und nun gegen den SC „gewehrt. Das muss der Weg für die nächsten Wochen sein. Wir müssen an den Kleinigkeiten arbeiten, an der Defensive vor allem, und dann kommt das Offensive von allein, weil die Mannschaft Fußball spielen kann“.

Was zu beweisen wäre. Nach dem frühen 0:1 durch Janik Haberer (4.) hatte der VfB lange Zeit nichts zu bieten, ehe Emiliano Insua (75.) und Daniel Didavi (83.) mit zwei Toren fast aus dem Nichts das Spiel gedreht hatten. Dass es nicht zum erhofften Befreiungsschlag genügte, schob Weinzierl Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) in die Schuhe. Der hatte zum einen fünf Minuten nachspielen lassen – zu lange aus Sicht des VfB. Vor allem aber hatte er dem erst zur Pause eingewechselten Mario Gomez kurz vor Schluss Gelb-Rot gezeigt. Der zeigte sich „schockiert. Ich habe jetzt 14 Jahre als Profi gespielt – und bin noch nie vom Platz geflogen. Solche Zweikämpfe habe ich schon drei Millionen Mal geführt und bin nie bestraft worden“, sagte der Stürmer.

Zweimal Ellbogen

Mit gewohnt ruhiger Stimme sprach der 33-Jährige über die aus seiner Sicht entscheidende Szene für das späte Gegentor zum Ausgleich, deutlich kritisierte er Aytekin. Binnen vier Minuten hatte der Schiedsrichter Ellbogeneinsätze des eingewechselten Stürmers als grob regelwidrig gewertet (85./89.). „Das muss man schon wollen“, behauptete Gomez. Tatsächlich konnte man es sogar wollen. Aytekins Entscheidungen waren hart, aber nachvollziehbar.

Im ersten Moment hatte der Platzverweis nach Meinung von Gomez sogar eine Vorgeschichte, weil er sich nach dem turbulenten 3:3 im Hinspiel bei den Freiburgern ebenfalls kritisch über den Unparteiischen geäußert hatte. „Es scheint, dass es keine Rache war, aber so habe ich es interpretiert, damit lag ich falsch“, sagte der verhinderte Torjäger. Aytekin, so berichtete es Gomez, habe geantwortet, es sei ihm „wurscht“, was gewesen war. Der Schiedsrichter wollte auf dpa-Anfrage keine Stellung nehmen. Auch Weinzierl war aufgebracht. „So ein Schiedsrichter muss sich auch bewusst sein, dass es um wichtige Punkte geht und dass solche Entscheidungen auch entscheidend sein können.“ Als ob der erfahrene Aytekin das nicht sehr genau wüsste. (FR/sid/dpa)

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