Kommentar

Mario Götzes Selbstsuche

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Der Rio-Weltmeister verlässt mit seinem Wechsel zum PSV Eindhoven das gleißende Rampenlicht des Profifußballs. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt. Und womöglich genau der richtige. Ein Kommentar.

Die ganze Fußballwelt kennt diesen einen Satz, den ihm Joachim Löw seinerzeit in Maracana ins Ohr flüsterte unmittelbar vor seiner Einwechselung: „Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi.“ Es ist ein Satz, der Mario Götze seitdem verfolgt wie ein Schatten. Weil er kurz darauf das WM-Finale gegen Messis Argentinien mit seinem Tor entschied. Aus Mario Götze, das Versprechen, war Mario Götze, die Verheißung, geworden. Es war ein Tor für die Ewigkeit, ein Tor, das ihn seitdem verfolgt, das ihn nie mehr zur Ruhe hat kommen lassen. Mario Götze war an jenem 13. Juli 2014 gerade 22 Jahre alt. Er war auf dem Gipfel seiner Karriere angekommen, ganz oben, mehr ging nicht. Danach ging es nur noch bergab. Aber das wusste der kleine Kerl mit dem vielen Gefühl im Fußballschuh damals natürlich nicht. Damals, als ihm die Welt zu Füßen lag.

Jetzt nimmt Mario Götze einen neuen Anlauf. Er will seine massiv ins Stocken geratene Karriere neu anschieben. Dazu geht er gleich ein paar Schritte zurück. Die Top-Adressen im Weltfußball haben sich nicht gemeldet beim mittlerweile 28-Jährigen, kein Real Madrid, kein FC Liverpool, kein Paris St. Germain, nicht einmal Borussia Dortmund wollte den Kontrakt mit ihm verlängern. In den vergangenen Jahren spielte der gerne als „Rumtreiber“ umschrieben Spielversteher und Edeltechniker beim BVB keine tragende Rolle mehr. Es hat längst nicht mehr recht gepasst mit Götze, an dem der Hochgeschwindigkeitsfußball vorbeigerauscht ist, der inzwischen in Topteams gespielt wird. Verletzungen und andere Blessuren wie etwa eine rätselhafte Stoffwechselerkrankung warfen den feingliedrigen, bisweilen unnahbar auftretenden Offensivmann immer wieder zurück. Da half es auch nicht viel, dass das „Wunderkind mit immensen Möglichkeiten“, wie ihn Löw einst adelte, immer noch über die allerbeste Orientierung in engen Räumen verfügte.

Mario Götze, oft glatt und scheinbar perfekt in der Außendarstellung, verlässt mit seinem Wechsel zum PSV Eindhoven das gleißende Rampenlicht. Eredivisie - das ist nicht die große glamouröse Welt des Fußballs, solide, bestenfalls gehobener Durchschnitt. Aber dort spielt Götze nicht mehr unter dem Brennglas der Öffentlichkeit. Es geht geruhsamer zu in den Niederlanden, das kommt ihm sicher entgegen.

Und beweisen muss Mario Götze niemanden mehr etwas. Er hat ja eh ganz früh schon alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Vielleicht zu früh.

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