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Bundesliga

Mario Götze und Mario Gomez: Stille Abschiede in der Bundesliga

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Für Mario Götze endet das Kapitel bei Borussia Dortmund, für Mario Gomez eine wechselhafte Karriere.

Für Mario Gomez geht sicher keine einfache Saison zu Ende. Beim Zweitligisten VfB Stuttgart hatte man das Saisonziel Aufstieg ausgegeben, aber helfen durfte der Stürmer im voraussichtlich letzten Jahr seiner Karriere zuletzt nur noch selten. Inzwischen waren andere jünger, schneller, torgefährlicher. Den 34-Jährigen mag das gewurmt haben, aber er ordnete sich unter und feuerte die Kollegen von der Seitenlinie an. Zu einer Mannschaft gehört nicht nur ein Stürmer, der Tore schießt - die Erkenntnis einer gereiften Persönlichkeit am Ende einer langen, erfolgreichen, aber auch wechselhaften Laufbahn.

Gomez, der Triple-Sieger; Gomez, der Fußballer des Jahres, Gomez, der Torschützenkönig in Deutschland, Italien und der Türkei. Hoch dekoriert war er vor zweieinhalb Jahren in seine Heimat Stuttgart zurückgekehrt. Hier war er einst zum Weltklasse-Stürmer herangereift, hier hatte er seinen ersten Meistertitel gewonnen, hier sollte er 2019 mit dem VfB gegen Union Berlin in der Relegation aus der Bundesliga absteigen. Nun ist der Wiederaufstieg den Schwaben nur noch theoretisch zu nehmen und Gomez wird am Samstag zum letzten Mal für den VfB auflaufen.

Durch Höhen und Tiefen ging Gomez auch in den Jahren zwischen seinen Stationen beim VfB: 2009 wechselte er zum FC Bayern München für die damalige Rekordablöse von 30 Millionen Euro. 2011 wurde er Torschützenkönig mit 28 Treffern, zwei Jahre später gewann er das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League - historisch. Insgesamt absolvierte Gomez 328 Bundesligaspiele und schoss 170 Tore.

Mario Götze.

Dass er trotz dieser Werte nie unumstritten war, lag vor allem an seinen Auftritten bei der Nationalelf. Unvergessen, als er während der EM 2008 den Ball frei vor dem Tor in den Himmel drosch. Dieser Fehlschuss hing dem Sohn einer Deutschen und eines aus Andalusien stammenden Spaniers lange nach, obwohl 31 Tore in 78 Länderspielen für ihn sprechen.

Gomez‘ Wirken fiel in die Zeit eines tiefgreifenden Wandels: Klassische Strafraumstürmer waren nicht mehr gefragt. Trainer wie Pep Guardiola und Jogi Löw hatten ein neues Ideal: den kleinen, wendigen Spieler, der auch außerhalb des Strafraums anspielbar ist - die falsche Neun.

Auf einen anderen Mario passte diese Beschreibung besser, viel besser: Auch die Laufbahn von Mario Götze war wechselhaft, auch er steht vor einem Abschied - ist anders als Gomez aber mit 28 Jahren noch im besten Fußballeralter und wird seine Karriere definitiv fortsetzen. Sein Ziel ist noch offen. Ein letztes Spiel für den BVB ist ihm aber nicht mehr vergönnt: Nach der Geburt seines Sohnes steht er am Samstag am finalen Bundesligaspieltag gegen Hoffenheim nicht im Kader.

Für Götze ist das Ende seiner Zeit beim BVB die Chance für einen Neustart. Einst galt er als begnadeter Kicker mit Technik und Übersicht, einer für die Weltspitze. Diese Erwartungen konnte Götze selten erfüllen. Nach seinem Bundesligadebüt bei Borussia Dortmund im Alter von nur 17 Jahren folgten zwei Meisterschaften und der Sieg des DFB-Pokals, aber auch viele Verletzungspausen, bevor Götze 2013 für 37 Millionen Euro zu den Bayern ging.

Heimisch wurde Götze in München nicht. Erneut plagten ihn Gewichtsprobleme, Verletzungen und eine Stoffwechselkrankheit. Dann, nach drei leidvollen Jahren, ebenso vielen Meisterschaften und zwei Pokalsiegen, flüchtete er zurück zur alten Liebe BVB. Doch auch dort blieb Götze meist ein Fremdkörper.

Gegen die Kritik legte der Edeltechniker einen Schutzpanzer an, der ihn manchmal arrogant wirken ließ. Auch während der WM 2014, als er in den ersten Spielen selten überzeugen konnte. Als es aber darauf ankam, war Götze zur Stelle: Finale gegen Argentinien, späte Einwechslung. André Schürrle flankt, Götze lässt den Ball an der Brust abtropfen und schiebt ihn mit links ins Tor. Weltmeister. Die falsche Neun im Stile eines echten Mittelstürmers.

Von Steffen Herrmann

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