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Enttäuscht über ihren Abschied beim DFB: Maren Meinert.

DFB-Trainerin

Abschied ohne Schleifchen: Maren Meinert muss gehen

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Maren Meinert, Trainerin der U19-Juniorinnen beim DFB, hat junge Spielerinnen in ihrer Amtszeit „nie in Watte gepackt“ – vielleicht muss sie gerade deshalb jetzt gehen.

Klar war ja, dass die Silbermedaille an der rosa Schleife niemanden trösten konnte. Nach dem verlorenen Finale der U19-EM dominierte bei den deutschen Fußballerinnen die Enttäuschung: Torschützin Nicole Anyomi (SGS Essen) blickte auf den Boden, Antreiberin Melissa Kössler (Turbine Potsdam) starrte Löcher in die Luft, während Kapitänin Sophia Kleinherne (1. FFC Frankfurt) auf dem Rasen hockte. Diesem Trio gehört vermutlich die Zukunft im deutschen Frauenfußball, und vielleicht werden sie bald erahnen, dass so etwas dazugehört: zusehen zu müssen, wie die anderen im Konfettiregen den Hauptpreis erhalten. 

In diesem Fall die französischen Nachwuchstalente, die im St. Mirren Park im schottischen Paisley nicht unverdient mit 2:1 (1:1) gewannen, weil sie mit ihrer Begabung und Spielfreude auch das Spielglück auf ihre Seite zogen. Nach der deutschen Führung durch die überragende Anyomi (6.) drehten Sandy Baltimore (13.) und Maelle Lakrar (73.) die gutklassige Partie. Deutschlands Nachwuchs fehlte nach einer überzeugenden Vorrunde gegen England (2:1), Belgien (5:0) und Spanien (0:0) und einem Kraftakt im Halbfinale gegen die Niederlande (3:1) ausgerechnet im Endspiel die Effizienz.

Die Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball waren dafür eigens am Sonntag nach Glasgow gereist, der für alle Nationalmannschaften zuständige Direktor Oliver Bierhoff hatte sich von seinem Sportlichen Leiter Joti Chatzialexiou vertreten lassen, um hernach zu übermitteln: „Unsere U 19-Frauen haben mit der Qualifikation für die U 20-WM eines der großen Ziele erreicht. Gemeinsam muss es uns gelingen, möglichst viele Spielerinnen an das höchste Level, die Frauen-Nationalmannschaft, heranzuführen.“ Das klang mal wieder, als sei alles im Lot.

Bereits nach dem WM-Viertelfinalaus der DFB-Frauen hatte der Männerbund vor einem Monat mit beschwichtigenden Statements eine dringend nötige Zukunftsdebatte über den deutschen Frauenfußball im Keim erstickt. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bleibt es beim Trainerkongress in Kassel überlassen, wie vertiefend die Analyse ausfällt. Interessant, dass die Elite der 2000er und 2001er-Jahrgänge bei der Nachwuchs-EM eine Wehrhaftigkeit zum Wesenskern machte, die dem Aushängeschild bei der Frauen-WM gut zu Gesicht gestanden hätte.

Von einem Mentalitätsproblem ist unter Maren Meinert nämlich nichts bekannt, seit die Welt- und Europameisterin als junge Trainerin 2005 anfing. Ihre Sammlung umfasst seitdem zwei WM-Titel mit der U20 (2010 und 2014) beziehungsweise drei EM-Titel mit der U19 (2006, 2007, 2011). Ihr 200. Spiel als Nachwuchstrainerin war trotzdem jetzt das letzte. Der Sportliche Leiter Chatzialexiou teilte der 45-Jährigen bereits vor fünf Monaten mit, den am 31. August auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. „Ich war sehr überrascht“, sagt Meinert, der die westfälische Verbandssportlehrerin Kathrin Peter folgt. „Ich bin über die Entscheidung natürlich nicht glücklich gewesen und finde sie persönlich auch falsch.“ Die Trennung von der bisweilen unbequemen, aber nicht unbeliebten Trainerin wirft Fragen auf.

Im Frühjahr 2018 sollte die gebürtige Duisburgerin noch zur Bundestrainerin befördert werden, was sie aus persönlichen Gründen ablehnte: zu viel öffentlicher Rummel. Unter ihrer Regie lieferte der Juniorinnenbereich stets genügend Nachschub, um zur Weltspitze zu zählen. „Wenn man sich die Leistungen im Nachwuchsbereich anschaut, dann kann man nicht von Krise sprechen – das ist fast schon frech“, stellt sie unverblümt fest. „Giulia Gwinn ist mit 19 Jahren gerade die beste Nachwuchsspielerin der Welt geworden. Zudem kamen Klara Bühl und Lena Oberdorf regelmäßig bei der WM zum Einsatz, zwei Spielerinnen, die in meiner U19 hätten spielen können.“

Sie hat es immer verkehrt gefunden, die Talente in Watte zu packen. „Ich sehe meinen Job auch darin, den Spielerinnen zu sagen, was nicht geht. Ich kann da nicht immer nur ein Schleifchen drum machen.“ Geprägt ist die 92-fache Nationalspielerin von ihrer aktiven Zeit in den USA. Im Land des Rekordweltmeisters und der Aktivistin Megan Rapinoe würden sich alle gegenseitig zu Höchstleistungen treiben. Wer sich nur einmal hängen lasse, bekomme das sehr, sehr deutlich zu spüren. „Das geht uns ein bisschen ab, weil wir immer sehr freundlich miteinander sind.“ Die jungen Spielerinnen würden heute noch mehr Rücksicht aufeinander nehmen: „Keiner will dem anderen heute wehtun.“ Und deshalb schmerzt es die prinzipientreue Trainerin besonders, dass zu ihrem Abschied nicht noch einmal Goldmedaillen um die Hälse der deutschen Spielerinnen hingen.

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