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Da hat er gut lachen: Marcus Thuram (2. v. links) ist bestens gelaunt.

Marcus Thuram

Marcus Thuram - Die Naturgewalt

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Borussia Mönchengladbachs Stürmer Marcus Thuram steht stellvertretend für die neue Wucht im Gladbacher Angriff.

Für den bislang letzten Schabernack im Borussia-Park sorgte Marcus Thuram mit Hilfe eines Weihnachtspullis. In Gladbach und in anderen Fußballstadien im Land zelebrierte der Franzose in diesem Herbst bereits seinen speziellen Torjubel, bei dem er irgendein Borussen-Trikot über die Eckfahne hängt und mit der so dekorierten Kunststoffstange ein kleines Freudentänzchen aufführt. Auch nach dem spektakulären 4:2 am letzten Sonntag gegen Freiburg wurde wieder gefeiert – wobei vor der Nordkurve diesmal ein eher ungewöhnliches Textil geschwenkt wurde: Der nicht ganz geschmackssichere Weihnachtspullover des Stadionsprechers, den Thuram zuvor stibitzt hatte.

Borussia Mönchengladbach verstärkte sich im Sommer

Die Fans jauchzten lauthals – wie schon während der Partie. Wenn der Eckfahnen-Filou mit der Rückennummer zehn zum Beispiel mit fulminanten Ballgewinnen oder kraftvollen Flankenläufen begeisterte. Wenn er mit hoch in der Luft mit der Brust angenommenen und direkt in die eigene Laufrichtung bugsierten Bällen oder mannschaftsdienlichem Spiel verzückte. Oder als er, gleich zu Beginn, seinen nächsten Treffer für die Borussia bejubelte.

Das 1:0 nach drei Minuten war das neunte Pflichtspieltor des Mannes mit dem berühmten Nachnamen. Thurams Vater Lilian wurde 1998 beim Heimturnier mit Frankreich Weltmeister – und 21 Jahre später ist der Filius drauf und dran, in Rekordzeit zur Kultfigur beim Rautenklub zu werden. Und die kraftvolle Lässigkeit, mit der er den gegnerischen Verteidigern das Leben zur Hölle macht, gefällt nicht nur der Gladbacher Gefolgschaft. Sondern auch seinem Trainer. „Er ist ein guter Typ, der uns mit seiner Präsenz gut tut. Und er ist trotz seiner Größe ein sehr guter Fußballer“, sagt Marco Rose. Wie der 22-jährige Angreifer kam auch der Chefübungsleiter vor dieser Saison frisch nach Mönchengladbach. Um dort den Wucht-und-Wille-Fußball einzuführen, den Thuram – mittlerweile fest im Blick von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps – in besonderem Maße verkörpert. Und den die Spitzenreiter jetzt auch beim Vorrunden-Highlight gegen die Bayern durchsetzen wollen.

Der Tabellenplatz sei dabei „gut für den Kopf, gut für das Umfeld, gut für die Fans“ – ergänzt Breel Embolo, ein ähnlich kraftvoller Stürmer wie Thuram. Der Schweizer Nationalspieler stieß im Sommer vom FC Schalke zu den Fohlen und findet: „Die Bayern zu ärgern, das ist eine gemeinsame Aufgabe der ganzen Bundesliga. Und das läuft momentan super.“

Am reizvollen Sturz des Riesen werkelten zuletzt auch die Leverkusener mit. Deren 2:1-Erfolg kam angesichts des Münchner Chancenwuchers einerseits glücklich zustande, andererseits zeigte er die Anfälligkeit der Bajuwaren. „Wenn man das erste Pressing überspielt hat“, gab Bayers listiger Keeper Lukas Hradecky noch vor Ort einen wichtigen Tipp, seien die Münchner beim Verteidigen „nicht sehr schnell“.

Bayern sollten gewarnt sein

Nun erproben also die Naturgewalten vom Niederrhein, in der ersten Reihe zuletzt verkörpert durch Thuram, Embolo und Patrick Herrmann, ihr Können an diesem besonders herausfordernden Gegner. „Wir freuen uns auf das Spiel. Fakt ist, dass wir gewinnen wollen“, ließ Chefcoach Rose den Besuch aus dem Freistaat, aktuell vier Punkte hinter Gladbach zurück, wissen. Und mit Blick auf seinen diesmal komplett verletzungsfreien Kader schnurrte der 43-Jährige: „Das ist eine sehr, sehr schöne Situation.“

Besonders reichhaltig ist Roses Auswahl in der Offensive. Gegen Freiburg zierte nicht nur Edelreservist Alassane Plea die Ersatzbank. Sondern auch Lars Stindl, der Kapitän, sowie der brasilianische Altmeister Raffael. Mittelstürmer Embolo spricht von einer „guten Konkurrenz“ – während sein Trainer die komfortable Lage möglichst geschickt moderieren muss. „Wir versuchen“, sagt Rose deshalb, „unserem Kader gerecht zu werden. Da gehen nicht alle jedes Mal zufrieden nach Hause. Aber ein Sieg hilft dabei immer ein Stück weit.“

Das weiß auch Monsieur Thuram, der seine persönliche Hausse im neuen Umfeld sehr zu schätzen weiß. „Ich liebe die Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen, und die Stadien sind an jedem Wochenende voll“, schwärmte er kürzlich in einem Interview mit dem „Express“ – und erläuterte auch sein Faible für verkleidete Eckfahnen: „Ich mag die Vorstellung, wie cool es wäre, wenn man mit dem Flugzeug über den Borussia-Park fliegt und sieht, wie eine Gladbach-Fahne geschwenkt wird.“

In der eigenen Arena mache das Spaß – „aber“, fügte Marcus Thuram hinzu, „noch mehr Spaß macht der Fahnenjubel im gegnerischen Stadion.“ Eine Vorliebe, auf die die Bayern am Samstag im Borussia-Park allerdings nicht bauen sollten.

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