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Marco Rose und der Segen der Tochter

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Von: Frank Hellmann

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Der Nächste bitte: Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, begrüßt Trainer Marco Rose.
Der Nächste bitte: Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, begrüßt Trainer Marco Rose. © dpa

Der gebürtige Leipziger Marco Rose soll den kriselnden Brauseklub schnell auf Kurs bringen

Marco Rose plagt das Problem vieler Väter, deren Töchter gerade in der Pubertät stecken. Der Gute-Nacht-Kuss ist längst Geschichte und das eigene Zimmer mitunter elterliche Sperrzone. Dass ein Fußballlehrer darüber bei einer Pressekonferenz offen spricht, ist allemal ungewöhnlich, aber die Konstellation eben auch besonders: Der in Leipzig geborene und lebende Trainer Rose hatte früher ja immer ein Engagement in seiner Heimatstadt mit Rücksicht auf die Familie ausgeschlossen, weil er nicht wolle, dass seine inzwischen 14-jährige Tochter dann womöglich negative Reaktionen in der Schule erfahre. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. „Meine Tochter ist megahappy. Sie freut sich sehr, dass der Papa das macht“, erzählte der 45-Jährige, den RB Leipzig am Donnerstagmorgen wie erwartet als dritten Trainer binnen eines Jahres präsentierte.

Erst der gewaltige Irrtum mit dem US-Amerikaner Jesse Marsch, dann das kurze Intermezzo mit Domenico Tedesco, dem trotz grandioser Rückrunde und glamourösem Pokalsieg der Fehlstart zum Verhängnis wurde. Vorstandschef Oliver Mintzlaff räumte ein, sich das insgesamt etwas anders vorgestellt zu haben. Tedescos Team habe schon auf der Zielgeraden der Vorsaison an „Attraktivität, Dynamik und Selbstbewusstsein“ eingebüßt, „der Trend hat sich leider fortgesetzt“, sagte der 47-Jährige. Bereits nach dem Offenbarungseid im Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt (0:4) erfolgte die erste Kontaktaufnahme zum verfügbaren Wunschtrainer. Es folgte ein nächtlichen Anruf, als die RB-Startruppe den Champions-League-Auftakt gegen Schachtjor Donezk (1:4) vergeigte.

Die Zusage habe dann „keine fünf Sekunden“ gedauert, konstatierte Mintzlaff – „zehn, 15 Sekunden“ seien es eher gewesen, korrigierte Rose, der sich zu diesem Zeitpunkt in Salzburg befand. Bei seinem Ex-Verein hatte er gerade viele alte Weggefährten getroffen - nach einer kurzen Nacht reiste er dann wieder zurück nach Sachsen. Aber den Stress tat er sich gerne an: „Ich hatte jetzt drei Monate frei.“

Mintzlaff dämmert allmählich, dass er die fehlende Kontinuität mit zu verantworten hat, zumal der frühere Leichtathletik-Manager den einstigen Sportjournalisten Florian Scholz als Kaufmännischen Leiter Sport mit reichlich Macht ausgestattet hat.

Max Eberl im Anflug

Nun soll mit Max Eberl endlich, endlich ein Sportchef kommen, der das Metier besser kennt. Die bevorstehende Verpflichtung von Eberl begrüßte der mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattete Rose nach seinen Erfahrungen bei Borussia Mönchengladbach ausdrücklich: „Ich würde mich freuen, wenn das klappt. Ich weiß, wie er arbeitet.“

Es passt in die zur Hyperventilation neigende Branche, dass der neue Coach am Samstag gleich gegen jenen Verein antritt, bei dem er eigentlich ein Langzeitprojekt hätte gestalten sollen, was aber auch nicht klappte: Borussia Dortmund. Danach geht es zu Real Madrid und schließlich nach Mönchengladbach, wo der frühere Linksverteidiger vom FSV Mainz 05 zuerst als Bundesliga-Trainer anfing. Dass schon viel kaputtgehen kann, ohne dass der Hoffnungsträger viel falsch macht, ahnt Mintzlaff, der vorsichtshalber bekräftigte, man habe angeblich „keine Erwartungshaltung“ für diese drei Spiele: „Wir haben keinen Feuerwehrmann gesucht, sondern einen Trainer, der die Qualität aus der Mannschaft herausholt.“

Es hat ja einiges gekostet, um zwei deutsche Nationalspieler (David Raum, Timo Werner) zu holen und drei umworbene Topspieler (Christopher Nkunku, Konrad Laimer, Josko Gvardiol) zu halten. Rose sprach von einem „spannenden Kader mit guter Altersstruktur“. Dass die Bullen zuletzt ohne jede Absicherung wild drauflos stürmten, ist ihm nicht entgangen. Er möchte „Stabilität über mehr Aktivität“ erreichen.

Vorne mehr Druck auf den Ball, dann passiert hinten weniger: Es sind Lehren, die schon Ralf Rangnick, Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel überbrachten, die Rose als seine wichtigsten Lehrmeister nannte. Wobei er dieser Aufzählung einen gewissen Joachim Steffens voranstellte – jener heute 72-Jährige, der ihn vor der Jahrtausendwende als jungen Profi beim VfB Leipzig trainierte. Der Kontakt sei bis heute nicht abgerissen. Klang fast so rührig wie die Kinderzimmer-Story mit seiner Tochter.

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