Der Kapitaen der deutschen Fussball-Nationalmannschaft Manuel Neuer
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Manuel Neuer unter Druck nach Video-Skandal

Debatte auf Social Media

„Neuer hätte besser seinen Mund gehalten“ - Kommentar zu Skandal-Video des Fußball-Stars

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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In den Sozialen Netzwerken wird heftig über ein Video debattiert, in dem Manuel Neuer noch recht fröhlich wirkt.

Im Hintergrund das blaue Meer der Adria, der Himmel fast wolkenlos, direkt neben ihm einer mit Sonnenhut auf dem Kopf, der den Ton mit dem Akkordeon vorgibt, dazu im Halbkreis eine Gruppe zumeist untersetzter Männer mit freien Oberkörpern, bierselig unter Vermeidung jedweder Abstandsgebote in einer Strandbar, die mit Inbrunst das Lied eines ultranationalistischen kroatischen Sängers trällern: „Du bist schön.“ Und mittendrin Manuel Neuer, manchmal erstaunlich textsicher, mitunter aber auch etwas verunsichert wirkend in einem Kreis, in den er schon wegen seiner Statur nicht recht zu passen scheint, in den er aber wegen seiner Freundschaft zum kroatischen Bayern-Torwarttrainer Toni Tapalovic geraten ist.

Video-Skandal um Manuel Neuer: Verfehlung des Kapitäns beim DFB

Das öffentlich gewordene Video sorgt in den Sozialen Netzwerken für heftige Diskussionen und dürfte die Urlaubsfreuden des deutschen Fußball-Nationaltorwarts, Kapitän beim DFB und beim FC Bayern, nachhaltig schmälern. Der 34-Jährige ist unverdächtig, nationalistisches Gedankengut in sich zu tragen. Tatsächlich hat er gerade in den Jahren 2015 und 2016, als die Flüchtlingsdebatte hierzulande gesellschaftliche Gräben aufreißen ließ, in Worten und Taten versucht, verbindend zu wirken. Nie gab es begründete Zweifel, das Manuel Neuer seiner Vorbildrolle nicht gerecht würde.

Manuel Neuer: Die moralische Messlatte für ein Vorbild hängt hoch

Das macht die Angelegenheit in Südkroatien nicht weniger Aufsehen erregend. Die moralische Messlatte für ein Vorbild hängt hoch, Arglosigkeit schützt in Zeiten des erhöhten Erregungspotenzials der Sozialen Netzwerke nicht davor, in eine Situation zu geraten, in die man als bestens beleumundeter Fußballstar, noch dazu in Zeiten von Corona, lieber nicht geraten sollte. Neuer hätte besser seinen Mund gehalten, er hätte besser nicht mitgegrölt mit einem Text, den er nicht versteht, er hätte besser nicht mit teilweise ausgebreiteten Armen mitgeschunkelt, er wäre besser gar nicht dabei gewesen bei dieser Liebeserklärung stolzer Kroaten an ihr schönes Land. Dummerweise handelt es sich dabei nämlich um eine Liebeserklärung, die auf Liedgut von Marko Perkovic gründet, der dem Vernehmen nach dem Faschismus zugetan ist, der Mitglied einer offenkundig rechtsradikalen Partei war, der sich selbst nicht als Nationalist, sondern als Patriot bezeichnet.

Manuel Neuer singt kroatische Nationalhymne mit

Neuers Management weist darauf hin, die Hintergründe des Leadsängers der rechtsextremen Band „Thompson“ seien dem 92-fachen Nationalspieler nicht geläufig gewesen, zumal der Torwart der kroatischen Sprache gar nicht mächtig sei. Ähnlich dürfte es auch der nachgewiesen vorbildlichen Demokratin Angela Merkel bei einem Besuch 2019 in Zagreb ergangen sein, wo sie brav mitklatschte, als die heimliche kroatische Nationalhymne „Du bist schön“ eingespielt wurde: „Wenn ich mich erinnere, kommen mir die Tränen, die Erinnerungen beginnen zu riechen, jedes Stück der Heimat und der völkischen Bräuche.“ Dass es hierbei offenbar nicht nur um die schöne Gegend um Dubrovnik geht, sondern um einige von Kroaten beanspruchte Gebiete in Bosnien-Herzegowina, hat Manuel Neuer nicht wissen können. Auf Twitter schreibt jemand: „Das Problem ist nicht Neuer. Das Problem ist, dass es überhaupt kein Problem ist, Thompsons Lieder in Kroatien zu singen.“

Der kroatische Fußballstar Ivan Rakitic, Spieler beim FC Barcelona, verteidigt Manuel Neuer. Nach ihm habe das Lied nichts mit einem rechtsextremen Hintergrund zu tun.

Kommentar zu Manuel Neuer: Vor einigen Wochen sorgten die Gehaltsverhandlungen Manuel Neuers für Aufruhr.

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