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Manuel Neuer ist nicht mehr unantastbar

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Von: Hanna Raif

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Ein Herz und eine Seele: Manuel Neuer (vorn); Toni Tapalovic. Foto: dpa
Ein Herz und eine Seele: Manuel Neuer (vorn); Toni Tapalovic. Foto: dpa © Matthias Balk/dpa

Die Freistellung von Torwarttrainer Toni Tapalovic verheißt nichts Gutes für Manuel Neuer. Sein Standing ist jetzt ein anderes. Ein Kommentar.

Überraschend, das war die ganze Nummer schon am Anfang, also vor knapp zwölf Jahren. Mit zarten 30 Jahre bewarb sich Toni Tapalovic unbemerkt von der Öffentlichkeit auf eine Stelle, die es so beim FC Bayern noch nie gegeben hatte. Ein langes Gespräch mit Jupp Heynckes ging dem Engagement – seinem ersten und bisher einzigen als Torwarttrainer – voraus, der Trainer war beeindruckt vom Konzept des damaligen No-Names. Tapalovic, als Aktiver zuletzt fünfmal unter der Latte im Einsatz für die Reserve von Mainz 05, wurde eingestellt, um das Torwarttraining zu übernehmen. Beide Seiten aber war bewusst, dass er, geboren in Gelsenkirchen, vor allem für Manuel Neuer da sein sollte. Das Duo machte sein Ding – und revolutionierte das Torwartspiel.

Es ist nicht überzogen, Tapalovic jetzt, da sein jähes Aus beim FC Bayern für die Öffentlichkeit genauso überraschend kam, für seinen Anteil an Neuers überdurchschnittlichem Können und somit am Erfolg des FC Bayern zu erwähnen. Das Training auf dem Platz war das eine, viel wichtiger aber waren das blinde Vertrauen und die festen Abläufe, die das so ungleich wirkende Spieler-Coach-Gespann in mehr als zehn Jahren entwickelt hat.

Tapalovic und die Folgen

Neuer brauchte Tapalovic, in den vielen Höhen und wenigen Tiefen seiner bisher beeindruckenden Karriere. Dass der Teamgedanke da womöglich manchmal hinten anstand, die beiden in ihrer eigenen Welt lebten, wurde aus gutem Grund hingenommen. Da verhält es sich bei Torhütern ähnlich wie bei Einzelsportlern, die „ihren“ Trainer haben. Siehe im Tennis etwa Rafaels Onkel Toni Nadal und Zverev-Papa Alexander.

Dass die nun mehr als ein Jahrzehnt gesehene Szenerie – Tapalovic eilt nach Schlusspfiff eines jeden Spiels zu Manuel Neuer und nimmt ihm die Handschuhe ab – ab sofort nicht mehr zu sehen sein wird, dürfte den wenigsten auffallen. Intern aber sorgt die brisante Personalie für mächtig Zündstoff. Aus Sicht der Bosse ist es nur logisch, sich von einem Mitarbeiter zu trennen, der mit dem Cheftrainer augenscheinlich nicht zurecht kommt. Dennoch muss man kein Prophet für sein, um zu dem Schluss zu gelangen, dass die Entlassung des Intimus a) von Neuers Verletztenstatus und b) von seinem Alter begünstigt wurde – sowie c) als eindeutiges Zeichen verstanden werden darf. Die Unantastbarkeit ist vorbei.

Wenn Neuer im Sommer zurück ist, wird es ohne den Ziehvater gehen müssen. An seinem Status als – bei vollen Kräften – Kapitän und Nummer eins, ändert das womöglich nichts; am Standing im Training schon. Privatstunden kann (und wird) es weiter mit Tapalovic geben, in den Einheiten an der Säbener Straße jedoch ist Neuer jetzt einer von vielen. Ob er weiter erste Wahl ist, muss sich zeigen.

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