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Manuel Neuer hält den Punkt fest

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Von: Frank Hellmann

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Eine Klasse für sich: Manuel Neuer.
Eine Klasse für sich: Manuel Neuer. © dpa

Der Münchner untermauert seine Ausnahmestellung im DFB-Team, aber für die Rückkehr in die Weltspitze reicht ein Weltklassetorwart nicht.

An vielen Stellen der weitläufigen Puskas-Arena war eine Broschüre in Querformat ausgelegt, die zum Länderspiel zwischen Ungarn und Deutschland informierte. Mit liebevollen Details, bunten Bildern – auch über Land und Leute. So waren auf einer Seite die wichtigsten Dinge beschrieben, die angeblich zu Deutschland gehören: der Kölner Dom, Steffi Graf, Ludwig van Beethoven und die Bratwurst.

Wer später in den Ausgehkneipen des jüdischen Viertels mit ungarischen Fans redete, bekam indes einen anderen Namen zu hören, der sie am meisten beeindruckt hatte: Manuel Neuer. Da habt ihr ja einen tollen Torwart! Für das Alter! Daumen hoch! Oder Prost! So ähnlich gingen die Konservationen auf der Kazinczy utca. Ohne ihn, sagten berauschte Einheimische, hätte Deutschland doch wohl verloren.

Bundestrainer Hansi Flick hatte hinterher gar nicht übermäßig Lust, einen Torwart herauszustellen, „der wieder Weltklasse gehalten hat“. Wenn er allein seine Nummer eins loben müsse, bemerkte Flick mit leicht süffisantem Tonfall, „stimmt ein bisschen was im Spiel nicht“. Tatsächlich ist ja so, dass der gebürtige Gelsenkirchener zwar seine Ausnahmestellung untermauert, aber ein Einzelner in Weltklasseform ist für die Rückkehr in die Weltspitze zu wenig. So hat der Bundestrainer die Neuer-Frage direkt in ein Grundsatzreferat über die Mängelliste überführt.

Auch der Kapitän sprach lieber übers große Ganze als über sich selbst: „Man hat gute und schlechte Seiten von uns gesehen. In dem Prozess sind wir immer noch auf dem richtigen Weg, aber irgendwie brauchen wir auch mal ein gemeinsames Erfolgserlebnis.“

Nach einem 1:1-Triple in Bologna, München und Budapest steht der deutsche Ballfänger so dar wie die Statuen auf dem Heldenplatz der ungarischen Hauptstadt wenige Kilometer Luftlinie vom deutschen Quartier. Seine heldenhaften Qualitäten stechen hervor, weil der kürzlich bis 2024 an den FC Bayern gebundene Modellathlet insbesondere im Bundesligaalltag selten richtig gefordert wird.

In der DFB-Auswahl ist das in diesen Junitagen anders: Immer wieder durfte die in grün gekleidete letzte Instanz mit der Ruhe eines Elefanten und der Geschmeidigkeit einer Raubkatze (fast) alle Fehler ausbügeln. Allzu scharfen Tadel erteilte der Tormann dem Team nicht. Kreativität, Zielstrebigkeit und die richtige Positionierung hätte nicht gestimmt, doch man müsste auch immer berücksichtigen, „dass die Ungarn eine unangenehme Mannschaft“ seien. Nicht abrücken wollte der 36-Jährige grundsätzlich vom Ziel, in Katar ein weiteres Mal Weltmeister zu werden. Er war damals einer der Ersten, der die Messlatte ganz nach oben legte – und viele haben das seinem Alter zugeschrieben.

Aber wer sagt denn, dass der 112-fache Nationaltorwart nicht über die Heim-EM 2024 weitermacht? DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der selbst mit Oliver Kahn und Jens Lehmann noch zusammengespielt hat, wollte zwar zuletzt nicht zugeben, dass Neuer im Quervergleich deutlich stärker rüberkommt, aber er hat gerne betont, welch toller Kerl da noch immer im Tor steht. „Ein Spitzenmann von unglaublicher Qualität. Manu vereint alles. Er radelt, er spielt Tennis – er kann alle Sportarten.“ So wie Bierhoff Neuer erlebt, hört der „beste Torwart der Welt“ noch lange nicht auf: „Das wird noch eine Zeit lang so weitergehen.“

Auch Trapp muss warten

Schlechte Zeiten für dessen Vertreter: Kronprinz Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona hatte in weiser Voraussicht für den Nations-League-Viererpack um eine Pause gebeten. Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt hat zwar durch den Europa-League-Triumph enorm an Reputation gewonnen, aber bislang vergeblich auf sein siebtes Länderspiel gehofft. Es sieht auch nicht danach aus, dass Manuel Neuer auf einen Einsatz gegen den Europameister Italien morgen in Mönchengladbach verzichtet. Dort möchte er nämlich, verriet er, „eine Rakete zünden“. Mit ihm zwischen den Pfosten versteht sich.

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