Schalke - Dortmund 0:0

Mannschaft ohne Mumm

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Borussia Dortmund präsentiert sich auch beim Derby weit weg von einer Meisterform, Schalke 04 macht nur fast alles richtig.

Sehr behäbig und so mutlos wie zuvor über weite Strecken des Derbys schlichen die Dortmunder Profis nach dem Schlusspfiff in der Gelsenkirchener Arena in Richtung Fans. Wohl mit dem Wissen, dass man für solch einen Auftritt nicht gerade gefeiert wird. Immerhin wurden die Schwarz-Gelben trotz einer enttäuschenden Vorstellung mit einem eher schmeichelhaften Punkt belohnt. Das 0:0 gestaltete zumindest die Tabellensituation aus BVB-Sicht noch recht angenehm.

Doch Zufriedenheit sieht anders aus. An den Gesichtern der Verantwortlichen war deutlich zu erkennen, dass auch in den nächsten Tagen in Dortmund intensive Ursachenforschung betrieben wird, warum die Räder derzeit nicht mehr ineinander greifen. Dabei wird auch die Arbeit des Fußballlehrers Lucien Favre weiter hinterfragt werden müssen, auch wenn Michael Zorc fast schon gebetsmühlenartig beteuert, dass eben diese Trainerdiskussion beim BVB nicht geführt wird.

Die mutlose, drucklose, ideenlose Vorstellung der Dortmunder bei der aus BVB-Sicht bescheidenen Nullnummer hätte eigentlich nicht einmal einen Punkt verdient gehabt. Dabei muss sich BVB-Trainer Lucien Favre die Frage stellen, warum seine so hochbegabte Offensivabteilung zuletzt so wenig Gefahr ausstrahlte wie ein Zwergkaninchen im Löwenkäfig. Vielleicht rächt es sich inzwischen aber auch, dass die Borussia keinen weiteren Strafraumstürmer neben Paco Alcacer unter Vertrag genommen hat, der derzeit verletzt ist. Für Julian Brandt und Thorgan Hazard, um deren Verpflichtungen vor der Saison viele Vereine den BVB beneideten, hat Favre offenbar immer noch nicht die richtigen Positionen gefunden.

Bitter für die Dortmunder, dass sich inzwischen sogar die Kontrahenten über die Harmlosigkeit der Mannschaft lustig machen. „Dortmund hatte einfach gar keine Chance, weil keiner in der Box war und keiner in die Box wollte“, wunderte sich Schalkes Torhüter Alexander Nübel darüber, dass er einen äußerst ruhigen Derby-Nachmittag erlebte.

Borussia-Sportdirektor Zorc lag mit seiner Einschätzung richtig: „Wir haben keine absolute Topform. Es wirkt alles ein bisschen zäh und verkrampft. Wir arbeiten den Fußball, sind spielerisch nicht da. Es war am Ende eher ein glücklicher Punkt für uns. Wir haben zu viele Fehler im Aufbau gemacht.“ Fehler, die sehr oft von Innenverteidiger Mats Hummels mit einem überragenden Stellungsspiel und konsequentem Zweikampfverhalten ausgebügelt werden mussten. Hummels war der einzige Akteur im gelb-schwarzen Trikot, der an diesem Tag Normalform erreichte.

Von der war auch Marco Reus, gerade von einer Grippe genesen, meilenweit entfernt. Der Kapitän ging zumindest nach der Partie voran, war der einzige Akteur, der sich den kritischen Fragen der Journalisten stellte. „Wir dürfen mit dieser Leistung nicht zufrieden sein. Das einzig Positive ist, dass wir kein Gegentor bekommen haben“, sagte Reus. Dabei forderte der 30-Jährige mehr Zielstrebigkeit ein und die Bereitschaft, Wege zu gehen, die wehtun.

Der BVB blieb auf Schalke zwar schon im sechsten Bundesligaspiel in Folge ungeschlagen, holte in diesen Begegnungen aber lediglich zehn von maximal 18 möglichen Punkten. Auch diese Tatsache nagt am Nervenkostüm der Dortmunder Profis. „Wir müssen mehr Vertrauen haben in unserer Spiel“, erklärte Reus. Der Kapitän gestand zudem ein, dass die aktuelle Unruhe im Umfeld mit der anhaltenden Trainerdiskussion nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigehen würde. „Leider ist die mediale Welt so groß“, sagte Reus.

Auf Schalker Seite war der Ex-Frankfurter Omar Mascarell stolz - und ärgerte sich doch. „Wir haben wie eine große Mannschaft gespielt“, sagte der beste Schalker. Und damit hatte der 26-Jährige keineswegs unrecht. Denn das Team von Cheftrainer David Wagner demonstrierte auch gegen den BVB seine positive Entwicklung. Doch so sehr die gesamte Entwicklung im Großen und Ganzen ist, sticht ein nicht unwesentliches Manko heraus: Königsblau schießt zu wenig Tore, ist seit mehr als 100 Bundesligaminuten ohne eigenen Treffer.

Dabei gab es beste Möglichkeiten für die Knappen. Dem 19 Jahre jungen Rabbi Matondo versagten zweimal im Eins-gegen-Eins-Duell gegen BVB-Keeper Marvin Hitz die Nerven. Dazu traf Salif Sané traf mit einem Kopfball die Unterkante der Latte, Suat Serdar mit einem Schuss den Innenpfosten. Wohl nur Schiedsrichter Felix Brych hätte den Schalkern noch weiterhelfen können, wenn er nach dem Handspiel von Thorgan Hazard Strafstoß gegeben hätte.

Laut DFB hatte der Referee richtig entschieden: Hazard habe „versucht, den Arm aus dem Gefahrenbereich herauszunehmen“. Es handele sich somit „eindeutig um keine bewusste Aktion mit den Händen zum Ball. Ebenso liegt keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche vor, um den Ball abzuwehren“. Der Video-assistent habe „zurecht nicht eingegriffen, da der Schiedsrichter den Vorgang selbst wahrgenommen und in der beschriebenen Weise bewertet hatte“.

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