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Im Zentrum der Kritik: Hasan Salihamidzic.

Hasan Salihamidzic

Mann ohne Profil

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Sportdirektor Hasan Salihamidzic tut sich schwer, die taumelnden Bayern zu stabilisieren.

Die letzte öffentliche Amtshandlung von Hasan Salihamidzic am Samstag war eine Nettigkeit. Bevor er das Dortmunder Stadion verließ, tätschelte er Jadon Sancho, den Flügelstürmer des BVB. Unter Fußballern sind solche Gesten nach dem Abpfiff nicht ungewöhnlich, aber bei den beiden schaute man schon etwas genauer hin. Wenn die Bayern für die Zukunft etwas dringend brauchen, dann einen wie Sancho: jung, unbeschwert, rasend schnell.

Die „Sportbild“ berichtete neulich, dass auch der FC Bayern den Engländer vergangenes Jahr im Fokus hatte, sich dann aber gegen ihn entschied. Es war eine jener Geschichten, die die Vereinsspitze auf ihrer legendären Pressekonferenz wütend dementierte. Aus gutem Grund: Wer lässt sich schon gerne nachsagen, ein Talent geringgeschätzt zu haben, dessen schillernde Qualitäten mittlerweile jedem flüchtigen Betrachter ins Auge stechen?

Darüber hinaus, aber das sagten sie so nicht, ist die Causa Sancho auch eine Attacke auf Salihamidzic. Dessen Fähigkeiten als Macher und Manager, Architekt und Talentspäher haben in der Öffentlichkeit bisher noch nicht recht überzeugt. Salihamidzic tritt oft vor die Kameras, er wirkt dabei nicht unsympathisch, aber ziemlich verkrampft. Dass da jemand agiert, der die heftig taumelnden Bayern stabilisieren und alle Erschütterungen abfedern kann wie sein Vorgänger Matthias Sammer, diesen Eindruck hat man bisher eher nicht.

Plumpe Kritik

So war es auch am Samstag. Salihamidzic verteilte großzügig Lob („Tolle Leistung der Jungs“, „sensationeller Charakter“) und kritisierte plump den Schiedsrichter („Ein Elfmeter, der keiner war“). Wie so oft war der Auftritt reich an Floskeln und arm an substanziellen Aussagen. Als es hätte interessant werden können, beim Thema James Rodriguez, verweigerte er schroff die Aussage: „Haben Sie keine Fragen zum Spiel?“ Das war ähnlich unsouverän wie neulich, als es um die Zukunft von Niko Kovac ging. „Fragen Sie bitte nicht solche blödsinnigen Fragen“, herrschte er den Reporter an. Dann ging er.

Zugute halten muss man dem Bosnier, dass er den momentan vielleicht undankbarsten Job bei den Bayern hat. Er ist der dritte Mann in der Führungsetage, auf der eigentlich nur Platz für zwei ist. Weil aber Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nicht ständig über alles reden können oder wollen, muss Brazzo, wie ihn immer noch alle nennen, regelmäßig ran. Und das, obwohl er nicht die Kompetenzen des Duos besitzt, das den Verein seit Jahrzehnten leitet. Für alle Welt sichtbar wurde das mangelnde Standing bei der legendären Rundumschlag-Pressekonferenz vor einigen Wochen, als Rummenigge „dem Bürschchen“ wenig respektvoll das Wort abschnitt. Zu sagen hat der Mann in Anwesenheit der Alphatiere nicht viel.

Das Jobprofil war einer der Gründe, warum Philipp Lahm nach seinem Karriereende eine Anstellung als Sportdirektor ablehnte. Salihamidzics Installation geschah unter massivem öffentlichen Druck, schnell etwas tun zu müssen. Seit er im Amt ist, betonen die Bayern immer wieder die Qualität seiner Arbeit, seine Konzepte, seinen Fleiß. Es klingt manchmal, als solle das viele Lob ihn weniger angreifbar machen.

Vieles von dem, was ein Sportdirektor in diesem Verein leistet, geschieht im Verborgenen und kann nur schwer beurteilt werden. Doch manches, was beim Rekordmeister in diesen schweren Wochen zu sehen ist und offenkundig im Argen liegt, fällt zwangsläufig auch auf Salihamidzic zurück. Dass Trainer Kovac etwa zuletzt, als Meldungen über Disziplinlosigkeiten in der Kabine die Runde machten, nicht öffentlich gestützt wurde, hat der Sportdirektor zutreffend als Vorwurf an seine Adresse empfunden.

Klage bei Hoeneß

Auch das Verhalten der alternden Stars Franck Ribery und Arjen Robben, die auf den Entzug ihrer Stammplätze immer wieder mit ungeschminktem Unmut reagieren, wäre eigentlich ein Fall für Brazzo. Bei der Vertragsverlängerung im Sommer war mit beiden klar abgestimmt worden, dass sie sich in der neuen Saison auf weniger Einsätze einzustellen hätten. Von dieser Abmachung ist bei dem Duo längst nichts mehr zu spüren, was den ohnehin schwierigen Job für Kovac noch undankbarer macht. Bei Ribery zum Beispiel weiß er: Im Zweifelsfall klagt der Franzose Präsident Hoeneß, seinem Vertrauensmann bei den Bayern, sein Leid. Ein Trainer stößt da an Grenzen. Ein Sportdirektor sowieso.

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