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Bereits der dritte VfL-Trainer in der laufenden Saison: Andries Jonker.

VfL Wolfsburg

Der Mann für ein kleines Problem

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Der Niederländer Andries Jonker soll den schlingernden VfL Wolfsburg wieder in die Spur bringen und vertraut dabei auch auf einen ehemaligen Popstar des Fußballs.

Der neue Mann kommt mit tadelloser Bilanz. Fünf Spiele trug Andries Jonker beim FC Bayern als Interimstrainer im Frühjahr 2011 die Verantwortung nach dem Aus von Louis van Gaal. In diesen fünf Spielen kamen die Münchner zu vier Siegen und einem Remis. Eine ähnliche Ausbeute erhofft sich jetzt der VfL Wolfsburg von Jonker, dem 54 Jahre alten Niederländer, der zuletzt die Jugendabteilung des FC Arsenal geleitet hatte. Am Montag nahm er seinen Dienst im frühlingshaften Ostniedersachsen auf als Nachfolger des am Vorabend freigestellten Trainer Valérien Ismaël. Jonker gab sich bei seiner Vorstellung im gut besuchten Mediensaal der Wolfsburger Arena kantig und selbstbewusst, taute im Verlauf der Veranstaltung auf und schuf gegen Ende seiner Amtseinführung sogar ein paar launige Momente.

Er ist schon der dritte Trainer beim VfL in dieser Saison nach Dieter Hecking und Ex-Profi Ismaël, der nur vier Monate amtierte. Seine Bilanz: 16 Punkte aus 15 Spielen. Die Wolfsburger rutschten tief in den Abstiegsschlamassel. Nach dem jüngsten 1:2 gegen den SV Werder steht der Klub auf dem 14. Tabellenplatz. Nur zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang. „Wir haben ein kleines Problem zu lösen“ – so fasste Jonker die Lage zusammen. Seine Aufgabe ist es, den eigentlich so ambitionierten VfL aus der Gefahrenzone zu führen.

Nach dem gescheiterten Experiment mit dem aus dem Nachwuchs aufgestiegenen Ismaël setzt die VfL-Führung um Sportchef Olaf Rebbe mit der Verpflichtung Jonkers wieder auf Erfahrung – und auf Weltgewandtheit. Der Niederländer diente verschiedenen Klubs in seiner Heimat und auch dem niederländischen Verband. Er war Co-Trainer unter van Gaal beim FC Barcelona und in München. „Ich hatte immer die Möglichkeit, schöne Jobs anzunehmen“, berichtete Jonker. Zuletzt den in London. Über viel Erfahrung als Cheftrainer verfügt er allerdings nicht. Meistens stand er in der zweiten Reihe. Hier liegt das Risiko seiner Verpflichtung. Sportchef Rebbe pries Jonker dennoch als Wunschlösung.

Das hat auch damit zu tun, dass der neue Mann den VfL kennt – und umgekehrt. Von 2012 bis 2014 arbeitete er beim Klub als Co-Trainer. Bei seiner Rückkehr nach Wolfsburg wird er mit einem Vertrag bis 2018 ausgestattet. Ob das Papier auch für die zweite Liga gilt, wollte Sportchef Rebbe nicht offenbaren. „Wir konzentrieren uns darauf, möglichst schnell die 40 Punkte zu erreichen“, sagte er. Die Konzentration gilt dem Kampf um den Klassenerhalt.

Jonkers dringendste Aufgabe ist es, der Mannschaft wieder Stabilität zu geben. Vorgänger Ismaël versuchte viel, wechselte oft Taktik und Personal. Bei der jüngsten Niederlage gegen Bremen setzte er fünf Stammspieler auf die Bank, unter anderem Mario Gomez. Von den fünf Winterzugängen, die den VfL mehr als 30 Millionen Euro gekostet haben, spielte nur Yunus Malli von Beginn an. Die vielen Umstellungen brachten nichts, trugen nur noch mehr zur Verunsicherung der Mannschaft bei. Jonker muss wieder Ordnung schaffen beim VfL. Die Voraussetzungen dafür hat er seiner Meinung nach. „Ich bin ein klarer Typ“, sagte er.

Der zweite Trainerwechsel binnen eines halben Jahres zeigt, wie weit die Wolfsburger von ihrem Weg abgekommen sind. Eigentlich wollten sie zur zweiten Kraft im deutschen Fußball aufsteigen, zum Bayern-Verfolger und zum Dauergast in der Champions League. Nach der Vizemeisterschaft und dem Pokalsieg 2015 sah es gut damit aus. Doch seitdem ging es abwärts. Teure Transfers wie André Schürrle, Max Kruse und Julian Draxler floppten. In der vergangenen Saison wurden die Wolfsburger Achter, stießen zudem ins Viertelfinale der Champions League vor. In dieser Runde gibt es nichts mehr, was das Elend kaschieren könnte. Zwei Trainer sind gescheitert, Sportchef Klaus Allofs wurde von Rebbe abgelöst. Dazu bildet die Krise bei Volkswagen eine finstere Kulisse. Der Autobauer muss sparen und kürzt der kickenden Tochter-Firma die Zuschüsse.

Jonker soll dem VfL wieder in die Spur helfen. Und vertraut dabei einem Mitarbeiter, der ein bisschen Popstar-Flair nach Wolfsburg bringt. Zu Jonkers Assistenten gehört der ehemalige Arsenal-Profi Fredrik Ljungberg, ein 75-facher schwedischer Ex-Nationalspieler.

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