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Läuft wie geschmiert: Gianni Infantino bleibt Fifa-Präsident, zur Wiederwahl reicht einfacher Beifall.

Fifa-Präsident

Der Mann, der alle liebt

Gianni Infantino wird per Applaus im Präsidentenamt bestätigt, auch die Deutschen klatschen brav mit.

Gianni Infantino klopfte sich mit der rechten Hand auf sein Herz, musste kurz schlucken und gerührt seine Dankesrede unterbrechen. Mit höflichem Applaus ist der Schweizer vom Fifa-Kongress am Mittwoch in Paris per Akklamation, also per Beifallsbekundung, für eine zweite Amtszeit bis 2023 wiedergewählt worden. Auch die Vertreter des Deutschen Fußball-Bunds klatschten brav mit, als Infantino zum stampfenden Beat des White-Stripes-Hit „Seven Nation Army“ zurück auf die Bühne im schmucklosen Messegelände Expo Porte de Versailles der französischen Hauptstadt stolzierte.

„Danke an alle, die mich lieben und alle, die mich hassen. Heute liebe ich jeden“, sagte Infantino in seiner Rede und ging schnell zu dem Thema über, das einen der wichtigsten Gründe für seine unumstrittene Kür ohne Gegenkandidaten darstellt: Geld. 1,75 Milliarden US-Dollar sollen bis 2022 über das Forward-Programm an Mitgliedsverbände fließen, die Fifa hat vor allem durch die WM 2018 2,75 Milliarden an Rücklagen aufgebaut. „Es sind beeindruckende Zahlen, die die Fifa präsentiert hat. Die Fifa steht wirtschaftlich auf sehr gesunden Füßen“, lobte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. „Es war ein eindeutiges Votum. Er geht gestärkt aus dem Kongress hervor.“

In seiner Bewerbungsrede präsentierte sich Infantino als erfolgreicher Reformer. „Die Organisation hat sich von einem toxischen, fast kriminellen Zustand gewandelt zu einem Zustand, wie er sein sollte“, sagte der 49-Jährige. „Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption.“ Bei seiner Wahl erhoben sich dann einige Delegierte vornehmlich aus Afrika, zu ganz großen Ovationen kam es jedoch nicht. Schon während seiner mehr als halbstündigen ersten Rede bekam Infantino nur zweimal merklichen Applaus. Insgesamt dauerte der Kongress nicht einmal drei Stunden.

Erstmals seit Vorgänger Joseph Blatter 2007 wurde ein Fifa-Chef wieder per Akklamation im Amt bestätigt. Die dafür nötige Statutenänderung hatten die Delegierten unmittelbar vor der Infantino-Kür bei nur drei Gegenstimmen gebilligt.

Offene Opposition will auch der Deutsche Fußball-Bund, der in Paris durch seine Interims-Spitze Reinhard Rauball und Rainer Koch sowie Curtius vertreten war, nicht üben. „Unser Weg ist, dass wir nicht zu allem ja sagen und alles abnicken. Wir wollen ein kritischer Begleiter sein“, kündigte Koch an. Im Grunde blieb dem derzeit ohne eigenen Präsidenten dastehenden Verband auch gar nichts anderes übrig. Der DFB hätte sich nur lächerlich gemacht angesichts der Probleme im eigenen Haus und der offenkundigen Machtlosigkeit seiner Interimschefs.

Vor seiner Wiederwahl hatte Infantino insgesamt aber ein positives Fazit seiner ersten Amtszeit gezogen. „Die letzten drei Jahre und vier Monate waren sicherlich nicht perfekt, ich habe sicher Fehler gemacht. Ich habe versucht, mich zu verbessern, aber heute am Wahltag spricht keiner mehr über Krisen.“

Infantino führt die Fifa seit 2016 als Nachfolger von Blatter an. Intern hat der ehemalige Uefa-Generalsekretär nach dem Rücktritt des deutschen Intimfeinds Reinhard Grindel keine Kontrahenten mehr. Externe Kritiker werfen ihm einen autokratischen Führungsstil und die Aufweichung der Demokratie-Reformen vor.

Infantino äußerte sich nach seiner Wahl kritisch zu den Plänen für eine Champions-League-Reform. Die Uefa und die European Club Association (ECA) propagieren ein neues Format der Fußball-Königsklasse, das die Qualifikationskriterien über das Abschneiden in den nationalen Ligen von 2024 an massiv einschränken würde. „Unsere Strategie ist nicht die, eine Elite zu kreieren“, sagte Infantino. Er will gegensteuern und betonte: „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Nur diese Klubs können die Klub-WM gewinnen. Und nur zehn Nationalmannschaften können Weltmeister werden. Fast alle kommen aus Europa – höchstens zwei, drei aus Südamerika. Meine Vision ist es, dass 50 Klubs und 50 Nationalmannschaften aus der ganzen Welt gewinnen können.“

Der Fifa-Wettbewerb Klub-WM wird von 2021 an alle zwei Jahre mit 24 statt sieben Mannschaften stattfinden. Ein neues Format der Champions League stünde sportlich wie ökonomisch in Konkurrenz zur reformierten Klub-WM. (dpa/sid/FR)

Fifa räumt Verstöße in Katar ein

Der Fußball-Weltverband Fifa hat erstmals eingeräumt, dass es beim Bau eines Stadions für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar zu „Verstößen gegen die Standards für die Arbeiter“ gekommen sei. Die Fifa-Pressestelle reagierte damit auf Recherchen des TV-Magazins Sport inside, die Sendung wird am Mittwoch (22.55 Uhr/WDR-Fernsehen) ausgestrahlt.

Konkret wurden auf der Baustelle des Stadions Al Bayt in Al Khor 23 Arbeitern des Subunternehmers Tawasol ausstehende Löhne erst mit mehrmonatiger Verspätung ausbezahlt. Darüber hinaus berichteten nepalesische Arbeiter über Todesfälle und Misshandlungen an gleicher Stelle. Die Fifa nannte diese Äußerungen „schwerwiegende Vorwürfe“ und versprach Aufklärung, aus Katar gab es dazu keine Stellungnahmen.

Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International prangern seit Jahren die katastrophalen Bedingungen der Gastarbeiter in Katar an. Nach offiziellen Zahlen der nepalesischen Regierung sind binnen der vergangenen zehn Jahre 1426 Arbeiter aus der asiatischen Republik in Katar ums Leben gekommen. (sid)

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