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Sergej Barbarez, Hamburger SV, im Disput mit Schiedsrichter Robert Hoyzer.

Manipulationsskandal im Fußball

Der Betrug des Robert Hoyzer

Vor fast 15 Jahren verschiebt Schiedsrichter Robert Hoyzer das Duell zwischen Paderborn und dem HSV.

Am 21. August 2004, an einem sonnigen Samstagnachmittag um halb vier, dachte noch niemand an etwas Böses. Da dümpelte die Erstrundenpartie des DFB-Pokals zwischen dem Drittligisten SC Paderborn und dem Bundesligavertreter Hamburger SV so vor sich hin, als Gästestürmer Emile Mpenza zum 2:0 für den HSV einköpfte. Alles normal also, der Favorit wurschtelte sich gegen den Außenseiter irgendwie durch. Sechs Minuten später verstanden Mpenza und Kollegen die Welt nicht mehr. Sie schrien, schimpften und stürmten auf den Schiedsrichter zu. Dessen Name: Robert Hoyzer.

Der damals 25 Jahre alte Hoyzer hatte erst einen nicht berechtigten Elfmeter für Paderborn gepfiffen, den die Gastgeber zum Anschlusstor verwandelten und nur Sekunden darauf dem aufgebrachten Mpenza wegen einer Beleidigung („Arschloch“) die Rote Karte gezeigt. Später legte Hoyzer noch einen weiteren zweifelhaften Strafstoß für Paderborn nach. Der deutsche Fußball hatte seinen größten Manipulationsskandal.

Fast 15 Jahre später blickt Klaus Toppmöller immer noch fassungslos auf diesen Tag zurück. Für ihn sei „eine Welt zusammengebrochen“, erinnert sich der langjährige Bundesliga-Trainer, der damals den HSV coachte. „Und deshalb wollte ich mit Fußball in Deutschland zu der Zeit nichts mehr zu tun haben.“ Er habe Angebote aus Deutschland gehabt, „aber stattdessen bin ich 2006 als Nationaltrainer nach Georgien gegangen.“ Danach fand er keinen Trainerjob mehr.

Als Toppmöller am Abend des 10. Februar dieses Jahres mit Freunden vor dem Fernseher saß und die Pokalauslosung verfolgte, beschlich ihn eine Vorahnung. „Als Paderborn gezogen wurde, habe ich spontan gesagt: Jetzt kommt Hamburg“, erzählt er. Er behielt Recht: Heute (18.30 Uhr) treffen die beiden Zweitligisten im Viertelfinale des DFB-Pokals aufeinander. „Nun steigt das Duell also wieder“, sagt Toppmöller: „Aber diesmal ohne Robert Hoyzer. Und das ist gut so.“

Schon vor den Schlüsselszenen der Partie, den beiden unberechtigten Elfmetern und dem Platzverweis, habe er eine Vorahnung gehabt. „Ich habe schon nach wenigen Minuten gesagt: Das ist doch gesteuert“, versichert Toppmöller: „So etwas spürt man. Ich habe das nie wieder vorher und nie wieder nachher bei einem Spiel gedacht. Aber damals wurde jede Aktion bewusst gegen uns gepfiffen. Das war unglaublich, ein Weltuntergang.“ Auch das HSV-Team zweifelte. „Es gab Gemunkel in der Pause“, sagte Verteidiger Bastian Reinhardt später. „Irgendetwas läuft hier, irgendetwas ist hier komisch.“

Toppmöller sprach seinen Verdacht unmittelbar nach dem Spiel aus, „und dafür habe ich voll auf die Fresse gekriegt. Auch beim DFB wollte niemand hören, dass das manipuliert war. Mir wurde regelrecht gedroht, mich zurückzuhalten.“ Toppmöllers Verdacht bestätigte sich. „Und noch heute denke ich sehr oft daran“, sagt er: „Eine solche Enttäuschung geht nie wieder aus dem Kopf. Vor allem, weil ich das im deutschen Fußball nicht für möglich gehalten hatte.“

Entschuldigt habe sich Hoyzer bis heute nicht. „Mit jemandem, der mich einmal betrogen hat, möchte ich nichts mehr zu tun haben“, sagt er. Zumal diese Niederlage Toppmöllers Ende als Bundesliga-Trainer einleitete. Sieben Wochen später wurde er in Hamburg entlassen. Bernd Hoffmann, damals und heute wieder Klubchef, sagte später: „Es ist nicht auszuschließen, dass Klaus Toppmöller bei einem anderen Ausgang heute noch Trainer wäre.“

Hoyzer hält sich derweil mit öffentlichen Aussagen zurück. Das Berliner Landgericht hatte ihn zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt, nach 14 Monaten wurde er vorzeitig entlassen. Mit dem DFB einigte er sich auf eine Strafzahlung von 126 000 Euro. Zuletzt hatte er Posten als Technischer Direktor erst beim Berliner AK und dann bei Viktoria Berlin inne. Anschließend ist er öffentlich nicht mehr mit einem Amt im Berliner Fußball in Erscheinung getreten. (dpa/sid/fr)

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