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Die Befreiung: Vincent Kompany (rechts) bejubelt sein Tor mit Bernardo Silva und den Fans.

ManCity

Donnerschlag ins Glück

Kapitän Vincent Kompany sichert Manchester City per Traumtor einen wegweisenden Sieg gegen Leicester – obwohl ihn alle abhalten wollten.

Nicht schießen, Vinnie! Nicht schießen!“, brüllte Pep Guardiola verzweifelt an der Seitenlinie. Und auch Leroy Sané und Ilkay Gündogan wollten wohl lieber, dass ihr Kapitän endlich abspielt. Doch Vincent Kompany, Urgestein von Manchester City, hörte nicht. Er marschierte mit dem Ball am Fuß entschlossen nach vorne, niemand griff ihn an, noch ein, zwei Schritte – und dann zog Kompany mit all seiner Wucht einfach ab. Was folgte, war ein Donnerschlag. Nichts weniger.

„Ich konnte hören wie alle riefen: ‚Schieß nicht!‘", sagte Kompany über den Moment, der womöglich die Meisterschaft in England entschieden hat: „Und dann habe ich gedacht: Ich bin in meiner Karriere nicht so weit gekommen, um mir von jungen Spielern sagen zu lassen, wann ich schießen soll.“

Und was war das dann für ein Schuss. In seiner brachialen Gewalt wunderschön, der Ball flog etwa 23 Meter wie ein Strich durch die Luft und schlug rechts oben im Toreck ein, Kasper Schmeichel blieb im Kasten von Leicester City keine Chance. 1:0 für City, 13. Sieg in Serie in der Premier League, wieder ein Punkt Vorsprung auf den FC Liverpool mit Jürgen Klopp – und nur noch eine Partie zu spielen.

„Manchmal braucht man ein Tor wie das von Vinnie heute“, sagte Teammanager Guardiola, der letztlich happy war, dass der 33-Jährige nicht auf ihn und die Mitspieler gehört hatte. Schließlich erlöste Kompany die Citizens, 70 Minuten durften Klopp und Co. auf einen Ausrutscher des Rivalen hoffen. Manchester war bis dahin überlegen, klar. Aber alle Versuche scheiterten, Tiki-Taka wirkte nicht.

Also musste es der gute alte Kompany richten, zuletzt immer wieder verletzt und längst kein Stammspieler mehr. Seit 2007, damals noch für den Hamburger SV, hatte er kein Tor mehr erzielt, wenn er außerhalb des Strafraums stand. Selbst der Belgier dachte danach, es sei noch länger her gewesen. „15 Jahre lang haben immer alle gesagt: ‚Schieß nicht, spiel den Ball lieber nach außen‘", erzählte er: „Und nach jedem Fehlschuss habe ich gesagt: ‚Wartet es nur ab, eines Tages werde ich per Fernschuss treffen und ihr werdet sehr froh drüber sein.‘“

Und wie froh sie waren. Kompany, der seit elf Jahren für Manchester spielt und dessen Vertrag im Sommer ausläuft, wurde nach seinem „Wundertor“ (BBC) unter einem hellblauen Jubelknäuel begraben, Guardiola blickte erleichtert gen Himmel und ballte beide Hände zur Faust.

„Wenn er fit ist, ist er ein unglaublicher Innenverteidiger. Er ist beliebt, er ist ein Anführer“, sagte Guardiola über Kompany, dessen Zukunft er offen ließ: „Wir werden zusammen ein Bier trinken und entscheiden, was am besten ist.“ Für Kompany zählt erst einmal nur die Titelverteidigung: „Wir haben ein Finale in Brighton, es ist noch nichts gewonnen.“ (sid)

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