Auf Höhenflug: Für Manchester UNited und Paul Pogba (rechts) könnte es kaum besser laufen. 
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Auf Höhenflug: Für Manchester UNited und Paul Pogba (rechts) könnte es kaum besser laufen. 

Sehnsucht nach Ferguson-Ära

Manchester United: Die Traumfabrik läuft wieder

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Manchester United schickt sich an, bald wieder in die Phalanx von Stadtrivale City und Meister Liverpool einzubrechen - auch dank Bruno Fernandes und Mason Greenwood.

Wenn sie dieser Tage im Theater der Träume tatsächlich mal die Äuglein schließen und die Gedanken für einige Momente schweifen lassen, dann werden sich in den Köpfen gewiss viele berauschende Bilder miteinander vermischen. Von früher, von heute, von bald. Beim Manchester United Football Club sehnen sie genau das herbei, was sie einst hatten – nur anders: Denn natürlich wissen sie rund ums Old Trafford, dieser herausragenden Spielstätte des Fußballs mit dem Beinamen „Theatre of Dreams“, dass die Zeiten von einst, jene aus den 90er-Jahren mit den grandiosen Ballartisten, den Beckhams, Giggs’ oder Cantonas dieser Welt, und vor allem jene der Trainerlegende Alex Ferguson, in dieser Art und Weise so schnell nicht wiederkommen werden.

Und dennoch gibt es nicht wenige Menschen innerhalb und im Umfeld des Klubs, die glauben, dass es bald zumindest wieder annähernd so toll werden könnte wie damals. „Das alte United ist wieder da“, titelte unlängst die „Manchester Evening News“. Gary Neville, auch so einer der ehemaligen United-Helden, frohlockte gar in seiner jetzigen Rolle als TV-Experte, dass die Red Devils die Liga bald wieder anführen könnten. Zwar steht das Team von heute in der Tabelle der Premier League aktuell nur auf Position fünf, die Entwicklung aber macht Mut, dass es in nicht allzu ferner Zukunft wieder höher hinaus gehen könnte. Dass die Mannschaft von Trainer Ole Gunnar Solskjaer in die Phalanx der beiden vermeintlichen Übermannschaften – FC Liverpool und Manchester City – eindringen könnte und tatsächlich in nicht allzu weiter Ferne wieder einen Meistertitel ihr Eigen nennen darf.

Noch im vergangenen Herbst war das unvorstellbar, da eilte United von Enttäuschung zu Enttäuschung, Platz 14 stand zwischenzeitlich auf dem Tableau und Coach Solskjaer damit kurz vor dem Amtsenthebung. Seit dem Jahreswechsel aber geht es nur noch bergauf, Manchester United ist seit 19 Spielen ohne Niederlage (14 Siege, fünf Remis). Die Aussichten, sich für die Champions League zu qualifizieren, sind zwei Spieltage vor Saisonende gut, lediglich die schlechtere Tordifferenz trennt United vom Viertplatzierten Leicester City. Ebenso bestehen noch realistische Chancen, die Trophäen in der Europa League und dem FA Cup zu holen. Im nationalen Pokalwettbewerb trifft Manchester am Sonntag im Halbfinale auf den ebenfalls wiedererstarkten FC Chelsea.

Doch warum läuft es plötzlich so gut? Die knappe Antwort lautet, zumindest überspitzt formuliert: Es läuft dank Bruno Fernandes und Mason Greenwood. Dank zweier außerordentlich begabter Fußballspieler, die in der Rückrunde ein ganzes Team auf eine höheres Niveau gehievt haben.

Bruno Fernandes, 25 Jahre, Portugiese, kickte im ersten Halbjahr dieser so langen Saison noch für Sporting Lissabon, ehe sich United die Dienste des Nationalspielers die winterliche Rekordablöse von 55 Millionen Euro kosten ließ. Seitdem hat sich das Auftreten der Solskjaer-Truppe grundlegend verändert, zum Besseren.

Ein glänzendes Duo

Mutig statt ängstlich, aufregend statt trist – Fernandes scheint das verbindenden Teil im instabilen Konstrukt gewesen zu sein. Das fehlende Puzzlestück. Er treibt an, legt auf, schießt Tore und ist sich als Spielgestalter im offensiven Mittelfeld auch für Grätschen nicht zu schade. 14 Torbeteiligungen (Sieben Treffer, sieben Vorlagen) in den ersten zwölf Einsätzen sind Rekord. Das hatte auf der Insel noch niemand geschafft. Selbst der oft so lethargisch wirkende 2018er-Weltmeister, der Franzose Paul Pogba, blüht an der Seite von Fernandes gerade ordentlich auf. „Bruno hat eine Gewinner-Mentalität mitgebracht. Er kam und war von Anfang an fantastisch“, sagt Trainer Solskjaer.

Ein Lob, das ebenso für Mason Greenwood, 18 Jahre, Engländer, gelten kann. Der Angreifer, der bereits seit seinem fünften Lebensjahr bei United auf ein Profidasein vorbereitet wurde, debütierte im März 2019 im Alter von nur 17 Jahren und 156 Tagen bei den Profis. Spätestens als Folge des desaströsen Herbsts zählt er nun zum Stamm der Mannschaft. Das Eigengewächs nimmt im 4-2-3-1-System von Solskjaer die Rolle auf dem rechten Flügel ein und besticht durch Beidfüßigkeit und Abschlussstärke.

Auch bringt er trotz seines Alters eine erstaunliche körperliche Robustheit mit, er packte in der Corona-Pause gar drei Kilo an Muskelmasse auf den ohnehin durchtrainierten Körper drauf. „Mason ist einer der besten Finisher, die ich je gesehen habe“, sagt Solskjaer, früher selbst ein begnadeter Torjäger der Alex-Ferguson-Ära: „Mason ist so gelassen. Egal, ob auf dem Bolzplatz, auf dem Trainingsplatz oder daheim im Garten – er weiß, wie man ein Tor schießt.“ Viel mehr Lobhudelei geht nicht.

Interesse an BVB-Star Sancho

Die Bilanz des jungen Mannes aber stützt die Einschätzung des norwegischen Fußballlehrers: 15 Tore erzielte Greenwood in 40 Saisoneinsätzen (Premier League, Europa League, FA Cup) – anfangs häufig als Einwechselspieler, mittlerweile als Stammkraft. Vergangene Woche beim 3:0-Erfolg gegen Aston Villa traf er gar im dritten Ligaspiel hintereinander – zuvor war dieses Kunststück nur Wayne Rooney gelungen. Ein ähnlicher Karriereverlauf wie der des einstigen England-Kapitäns würde Greenwood sicher gefallen.

Überhaupt ist die Offensive das Prunkstück der Mannschaft. 54 Tore erzielte allein das junge Offensivtrio bestehend aus Greenwood, Marcus Rashford (22 Jahre/18 Tore) sowie Anthony Martial (24/21) in den drei Wettbewerben. Und als würde das nicht schon genügen, streben sie in Manchester – falls finanziell machbar – zudem den Kauf des Dortmunder Angriffwirblers Jadon Sancho an. Eines weiteren mutigen, aufregenden Spielers, der für die Erfüllung von Sehnsüchten und Träumen geradezu prädestiniert erscheint.

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