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Mit 66 Jahren hört das Managerleben auf: Karl-Heinz Rummenigge, nur noch bis Ende des Jahres Bayern-Chef.
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Mit 66 Jahren hört das Managerleben auf: Karl-Heinz Rummenigge, nur noch bis Ende des Jahres Bayern-Chef.

Karl-Heinz Rummenigge

„Man muss bereit sein, Fehler zuzugeben“

  • VonManuel Bonke
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  • Hanna Raif
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Bayern-Boss Rummenigge über seinen Abschied am Jahresende, die EM in nur einem Land, und den größten Fehler seiner Managerkarriere – die Verpflichtung von Trainer Jürgen Klinsmann.

Herr Rummenigge, der Triple-Traum ist früh geplatzt. Was ist die Herausforderung in Ihrem letzten Amtsjahr?

Ich finde ehrlich, dass man mit einem Triple nie wirklich rechnen darf. Das Aus im DFB-Pokal ist trotz unserer Enttäuschung verschmerzbar – wenn man jetzt die richtigen Lehren zieht.

Sie standen beim FC Bayern 30 Jahre lang eher für Nüchternheit. Zuletzt aber haben Sie regelrecht aufs Feld gebrüllt. Werden Sie im Schlussspurt Ihrer Karriere noch zum Vulkan?

In Kiel war ich ruhig, Uli Hoeneß und ich sind fast eingefroren auf der Tribüne. Aber es stimmt schon, dass ich während eines Spiels ziemlich emotional bin, wenn mir etwas nicht gefällt. Wenn ich früher vor 75 000 Zuschauern etwas geschrien habe, hat es niemand mitbekommen.

Als Sie Ihre aktive Karriere beendet haben, sagten Sie, Sie wollen der neuen Spielergeneration Platz machen. Ist das als Funktionär ein ähnliches Gefühl?

Ich werde in diesem Jahr 66 Jahre alt – und irgendwann muss man dazu bereit sein, Platz zu machen. Das ist im Fußball so wie im Management. Wichtig ist mir aber, dass der Klub gut aufgestellt ist. Und ich glaube, das ist durch die Personalien Herbert Hainer, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic der Fall.

Was hat besonders viel Spaß gemacht?

Die schönste Zeit hatten wir hier alle, als Franz (Beckenbauer/Anm. d. Red.) Präsident war. Karl Hopfner, Uli und ich haben die Strippen in der Geschäftsführung gezogen und mussten den Laden neu anschieben. Damals war das Geld nicht so vorhanden, wie es heute der Fall ist – mal losgelöst von unserer aktuellen Corona-Problematik. Franz hat das Kommando gegeben: Wir brauchen jetzt Kohle, damit wir international wieder eine große Rolle spielen! Dann sind Uli, Karl und ich losmarschiert und haben rangeholt, was ranzuholen war.

In den 30 Jahren hat sich viel verändert – wo soll denn der FC Bayern in 30 Jahren stehen?

So weit kann ich nicht nach vorne schauen. Ich hätte vor 30 Jahren nicht gewusst, was heute alles auf uns zugekommen ist. Es gab kein Handy, im Grunde keinen Computer, keine digitale Welt. Für mich gilt daher: Man muss im Fußball ein Zwei-Säulen-System haben, fünf Jahre blicke ich voraus. Aber die Fans wollen Spielzeit für Spielzeit einen erfolgreichen, schön spielenden FC Bayern erleben. Deshalb musst du kurzfristig und langfristig zugleich denken.

Oliver Kahn hält sich öffentlich bisher zurück. Wird er sich da nach Ihrem Ausscheiden präsenter zeigen müssen?

Oliver war nie einer, der viele Interviews gegeben hat. Und rumgepoltert hat er eigentlich nur auf dem Platz (lacht). Aber die Erfahrung lehrt: Für diesen Verein war es immer wichtig, dass er Köpfe hat, die sich nach außen zeigen. Ich bin sicher, Oliver wird das auch erfüllen. Meinungsstark ist er.

Uli Hoeneß hat bei seinem Abgang gesagt: „Mein größter Fehler war die Entlassung von Jupp Heynckes.“ Was war Ihrer?

Die Einstellung von Jürgen Klinsmann.

Das kam schnell.

Man muss bereit sein, Fehler zuzugeben. Klinsmann und der FC Bayern passten in unserer Klubkultur und unserer Philosophie leider nicht wirklich zusammen. Er war kein Trainer im Sinne eines Trainers, er war eher ein Projektleiter. Ich bin aber der Meinung: Man muss auch Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen.

Sie standen auch immer für Loyalität. Allerdings gab es in diversen Vertragsverhandlungen zuletzt Kritik von Spielerseiten.

In Vertragsverhandlungen geht es seit 50 Jahren um das Finanzielle. Heute um mehr Geld als früher, aber ich bin der Meinung, dass die Spieler sich in Zeiten von Corona auch solidarisch mit den Klubs zeigen sollten.

Konkret wurde unter anderem von Manuel Neuer Indiskretion kritisiert.

Dafür nehme ich mal ein Beispiel aus der Politik: Bei der letzten Telefonschalte der Ministerpräsidenten war in der Zeitung minutiös zu lesen, was welcher Teilnehmer um welche Uhrzeit zu welchem Thema gesagt hat. Da habe ich mal wieder gesehen: Totale Diskretion gibt es nicht mehr.

Keine schöne Entwicklung ...

In der Tat. Es werden Dinge geleaked – und damit wird Politik gemacht. Da geht es Spielerberatern und Vereinen genau gleich. Was habe ich mich früher aufgeregt, wenn irgendetwas Internes nach außen gedrungen ist! Aber dann habe ich meist gedacht: Bevor ich jetzt einen James-Bond-Spion losschicke, lasse ich es.

Was wird Ihr letzter Coup?

Grundsätzlich glaube ich, dass wir eine Top-Mannschaft haben. Mit dieser Mannschaft kann man auch zum neunten Mal in Folge Deutscher Meister werden und – wenn es ganz gut läuft – vielleicht die Champions League verteidigen.

Themawechsel: Rechnen Sie denn mit einer EM in zwölf Ländern mit Fans?

Man darf nicht vergessen, dass die Idee dieser speziellen Austragung des Turniers entstanden ist, als es Corona noch nicht gab. Das war damals eine Initiative der EU-Kommission, die den Fußball mal in ganz Europa dargestellt haben wollte. Ich weiß aber, dass der Uefa-Präsident Aleksander Ceferin – der unglaublich sorgfältig mit Corona umgeht – darüber nachdenkt, ob es in Zeiten von Corona nicht doch sinnvoller wäre, das Turnier in einem Land zu spielen.

Dann wäre München als EM-Spielort raus.

Die Uefa wird und muss in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen, wie und wo das Turnier stattfinden soll. Das wird nicht leicht.

Beim Champions-League-Finalturnier hat man aus der Corona-Not eine Tugend gemacht. Jetzt soll in Anlehnung daran die „Week of Football“ kommen.

Das war die beste K.o.-Runde, die ich je in der Champions League erlebt habe – weil es eben diesen Thrill des K.o.-Systems gab. Dadurch ist eine unglaubliche Dramaturgie in diesen Wettbewerb gebracht worden.

Lehnt der FC Bayern die Einführung einer Super League nach wie vor ab?

Ich warne davor, weil sie den nationalen Ligen großen Schaden zufügen würde. Deshalb tue ich mich mit dem Gedanken schwer. Wenn ich das jetzt für den FC Bayern entscheiden müsste, würde ich mich, Stand heute, dagegen entscheiden. Die Statik ist bis in die unteren Profiligen bei den Fans in Deutschland beliebt. Würde sie geändert werden, hätten viele von ihnen Probleme, sich mit dem Fußball zu identifizieren.

Das ist der negative Aspekt. Und der positive?

Ich weiß, dass gerade die großen Vereine im Süden Europas größtes Interesse daran haben. Speziell die großen Klubs in Italien und Spanien haben teils Verluste im größeren dreistelligen Millionenbereich. Die machen sich natürlich Gedanken, wo in der Zukunft Wachstum ist.

Was wäre der perfekte Abgang für Sie?

Ich wünsche mir, dass die Leute Ende Dezember sagen: Der Rummenigge hat mehr richtig als falsch gemacht. Ich bin kein großer Nostalgiker. Mit 18 Jahren habe ich mich als Spieler an der Säbener Straße fast reingestohlen. Tausende Fans hatten Beckenbauer, Müller und den ganzen Weltmeistern zugejubelt und ich dachte mir: Da gehe ich lieber hinten rein. Wenn ich im Dezember jetzt vielleicht durchs große Tor rausgehen darf, wäre das schön.

Das sagen Sie möglichen Managerkandidaten wie Manuel Neuer oder Thomas Müller lieber nicht.

Ich würde empfehlen, Thomas Müller in diesem Zusammenhang im Blickfeld zu behalten. Auch Manuel Neuer bringt alles mit. Beide würden dem FC Bayern nach ihrer aktiven Karriere in anderer Position gut zu Gesicht stehen.

Sie sind dann Fan – und Tango-Tänzer. Den Gutschein für einen entsprechenden Kurs hat Ihre Frau aufgehoben.

Ich befürchte, ich werde ihn einlösen müssen. Ich bin so ein schlechter Tänzer, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Auf dem Platz habe ich immer gut getanzt, aber außerhalb: Mamma mia!

Interview: Hanna Raif und Manuel Bonke

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