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„Besser geht’s nicht! Das gilt für Hansi Flick“, sagt Uli Hoeneß.

Interview mit Uli Hoeneß

„Man kann ja nicht nur ein netter Kerl sein“

  • vonManuel Bonke
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Der Ehrenpräsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, über Erfolgscoach Hansi Flick, die Zukunft von David Alaba und die neue Saison

Herr Hoeneß, der FC Bayern hat zum zweiten Mal in seiner Geschichte das Triple gewonnen. Wie geht es Ihnen?

Ich bin natürlich sehr glücklich, weil dieses unglaubliche Jahr ist gekrönt worden von einer fantastischen Leistung. Wir haben nicht nur den Champions-League-Titel geholt, sondern ihn sehr verdient gewonnen. Das ist ganz wichtig. Man kriegt ja immer so einen Makel, wenn man glücklich nach einem Elfmeter- oder Abseitstor oder nach einer Schiedsrichter-Entscheidung gewinnt. Und das war am Sonntag überhaupt nicht der Fall. Entsprechend war die Stimmung später am Abend. Es war unglaublich. Deswegen war es ein schöner Abschluss der Saison.

Was haben Sie David Alaba nach Abpfiff ins Ohr geflüstert? Dass mit Barcelona und Real in den nächsten Jahren auf europäischer Ebene nicht viel zu holen sein wird?

Der David kennt meine Meinung zu dem Thema, das musste ich nicht noch mal wiederholen. Ich habe ihm gesagt: Du wolltest immer einen Verein haben, um die Champions League zu gewinnen – jetzt hast du ihn! Also überleg’ dir das gut.

Was sagt ihr Bauchgefühl?

Ich glaube, er bleibt. Ich glaube und hoffe, dass er bleibt.

Jeder hebt stets den Teamgeist der Mannschaft hervor. Haben Sie beim FC Bayern schon mal so einen eingeschworenen Haufen erlebt?

Grundsätzlich muss man so etwas haben, wenn man die Champions League gewinnen will. Das war in all den Jahren, in denen wir das geschafft haben, ähnlich. Aber so intensiv wie ich es jetzt bei dieser Mannschaft erlebt habe, habe ich es selten erlebt.

Zur Person

Beim ersten Triple der Vereinsgeschichte, im Jahr 2013, war Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern noch fester Bestandteil der ausgelassenen Feierlichkeiten auf dem Platz. Damals bekam er von den Spielern den Henkelpott in die Hand gedrückt und reckte ihn in den Londoner Nachthimmel. Beim diesjährigen Champions-League-Sieg der Mannschaft von Trainer Hansi Flick hielt sich der 68-Jährige, der sich im vergangenen Jahr aus dem operativen Geschäft verabschiedet hatte, ehrenpräsidial bei der Siegesfeier im Estadio da Luz zurück und genoss den Triumph eher still. FR

Die ist einmalig. Wenn man überlegt, dass er als Assistenztrainer angefangen hat, jetzt die Champions League gewonnen, kein Spiel in diesem Wettbewerb verloren hat, in der Meisterschaft vorne steht und den Pokalsieg holt. Da gibt es einen Film von Jack Nickolson: Besser geht’s nicht! Das gilt für Hansi Flick.

Was zeichnet ihn, abgesehen von seiner zwischenmenschlichen Komponente, als Trainer aus?

Man kann ja nicht nur ein netter Kerl, sondern auch fachlich hervorragend ausgebildet sein. Er war ja bei der Nationalmannschaft schon mehr als der Assistent von Jogi Löw. Er hat da ja auch schon viel aktiv mitgestaltet. Ich bin überzeugt, dass er seine Erfahrung aus der Nationalmannschaft hier einbringen konnte. Er hat nicht nur menschlich, familiär überzeugt, sondern auch fachlich. Er hat der Mannschaft einen Spielstil beigebracht: Jeder für jeden! Die Spieler arbeiten alle füreinander. Es gibt keine Egoismen mehr. Jeder hilft dem anderen. Das war und ist einmalig.

War der Champions-League-Sieg der Anfang einer neuen Bayern-Ära im Europa?

Das kann ich jetzt nicht sagen. Wir haben hier aber viele Gespräche mit großen Managern geführt und da kriegt man einen Einblick in den großen Fußball. Und da stellen wir als FC Bayern fest: Wir sind für die schwierige Zeit, die es ja im Moment gibt, hervorragend aufgestellt. Wir haben nicht nur eine funktionierende Mannschaft, wir haben eine funktionierende Führung. Wir haben zwar auch nicht mehr die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die wir noch vor ein, zwei Jahren hatten, aber wir haben wirtschaftlich keine Sorgen. Und wir haben eine Mannschaft mit großem Potenzial! Während viele große Vereine eine Mannschaft haben, die am Ende eines Zyklus sind, haben wir ja eigentlich diesen Übergang nach Franck Ribéry und Arjen Robben fast abgeschlossen. Deswegen würde ich sagen, man kann sich wenigstens 14 Tage zurücklehnen, bis es wieder losgeht.

Die Bundesliga-Konkurrenz bereitet sich bereits teilweise seit 14 Tagen schon auf die neue Saison vor. Ist das ein Nachteil?

Ob das ein Nachteil für unsere Mannschaft ist, weiß ich nicht. Aber die Jungs brauchen jetzt Urlaub! Wenn man morgen zu trainieren anfangen würde, wäre das der allergrößte Fehler. Da wäre die nächste Verletzung hundertprozentig sicher. Insofern gibt es keine Alternative zu Urlaub.

Interview: Manuel Bonke

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