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Malle-Hits und Meilensteine

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Von: Daniel Schmitt

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Am Jahresende lässt sich festhalten: Die Lilien sind auf einem guten Weg, sportlich, strukturell. Führt er in die Fußball-Bundesliga? Es wäre keine Überraschung.

Was waren das für Zeiten: 2014, September, Böllenfalltor, Heimspiel des SV Darmstadt 98 gegen den damals noch zweitklassig kickenden FSV Frankfurt. Der FR-Reporter - nicht der Autor dieser Zeilen, ein wesentlich erfahrener - auf dem Weg in den Presseraum. Also runter von der Tribüne, rein in die Katakomben, aufwärmen, Käffchen trinken - und Halbzeitansprache lauschen. Ja, sapperlot, was hat es damals in der FSV-Kabine, im selben Flur gelegen wie der Medienbereich, verbal gekracht, Benno Möhlmann, der Trainer, stutzte seine Truppe, 0:3 zurück, nach allen Regeln der Kunst zusammen. Worte fielen, die nicht unüblich sind im rauen Fußballmetier, den Weg aber nicht in eine Zeitung finden sollten. Damals nicht, heute nicht.

Diese und ähnliche Szenen, etwa bis Anschlag aufgedrehte Malle-Hits aus den Siegerkabinen, gehörten in Darmstadt jahrzehntelang dazu, in einem Stadion, das für Einmalgäste zwar Charme versprühen mochte, manch Dauerbesucher:innen aber schlicht mit Ekel zurückließ. Erinnert sei an Toiletten, die diese Bezeichnung kaum verdienten.

Stark genug für den Aufstieg

Zweifelsohne, das am selben Standort neu erbaute Stadion ist ein Meilenstein für den vergleichsweise kleinen Klub, und es hält die Darmstädter schlicht drin im Wettbewerb. Die Südhessen befinden sich auf einem guten Weg, machen aus geringen Mitteln viel, haben den Überraschungs-Doppelaufstieg 2014 und 2015 klug genutzt, um sich breiter aufzustellen, eine Basis für nachhaltigeren Erfolg zu schaffen. Die Mitgliederzahl wächst (rund 11 000), das Team ums Teams ebenso, die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle werden mehr, die Sponsoreneinnahmen fallen höher aus. Und die Mannschaft trägt ihren Teil – den wichtigsten – zur positiven Entwicklung bei.

Die Lilien führen die Zweitligatabelle an. Bald also wieder Bundesliga? Möglich, ja gar wahrscheinlich, wirkt die Mannschaft doch stabil genug, den Punktevorsprung zu verteidigen. Sie vereint Klasse. Nicht umsonst sortiert der „Kicker“ mit Torwart Schuhen, den Verteidigern Pfeiffer, Zimmermann, Müller, Holland und Bader, den Mittelfeldleuten Kempe, Schnellhardt und Mehlem sowie den Stürmern Manu und Tietz eine ganze Elf im Halbjahresranking von „herausragend“ bis „auffällig“ ein. Dazu kommt ein Trainer, Torsten Lieberknecht, der besser nicht passen könnte nach Darmstadt. Authentisch, bodenständig, motiviert. Der besser nicht passen könnte zu einem Verein, der weiß, wo er herkommt, weiß, wo er hinwill und was dafür nötig ist. Demut gepaart mit harter Arbeit.

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