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Schräglage für Mainz 05: Neuzugang Jerry St Juste (re.) in Aktion gegen den Lauterer Timmy Thiele.

Jeremiah St. Juste

Jeremiah St. Juste - ein „Kerl mit Ausstrahlung“

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Der neue, teure Mainzer Innenverteidiger Jeremiah St. Juste ist ein selbstbewusster Typ.

Die Frage, sagt Jeremiah St. Juste, den alle nur Jerry nennen, habe er noch nie gestellt bekommen. Aber der 22-Jährige sieht dabei so aus, als hätte er nur darauf gewartet. Sofort zieht er erst den Ärmel am rechten Arm hoch und zeigt nicht ohne Stolz die darauf in kleinen Lettern tätowierten Buchstaben HYNB. Es sind die Anfangsbuchstaben der drei Geschwister und der Mutter des just für neun Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam verpflichteten neuen Innenverteidigers von Mainz 05.

Und dann, breit lächelnd, auch noch den linken Ärmel: Hervor kommt das Tattoo der Unterschrift seines bereits verstorbenen Großvaters. Es korrespondiert mit dem Autogramm seiner Oma auf der linken Körperhälfte. Wenn Jerry St. Juste den Arm darauflegt, „küssen“ sich die Unterschriften. Die Familienbande ist eng im Hause St. Juste, den Vater ausdrücklich ausgenommen. Der kommt von den Kleinen Antillen, und spielt keine Rolle mehr im Leben des niederländischen U21-Nationalspielers.

Umso wichtiger sind die Brüder Yoshua und Benjamin und auch die Schwester Naomi. Sie managen den talentierten Bruder gemeinsam, eine Berateragentur kann dieser sich deshalb sparen. Naomi kümmert sich um die Social-Media-Aktivitäten, die sechs und anderthalb Jahre älteren Brüder um die Karriere an sich. „Sie haben mir auch zu Mainz 05 geraten“, berichtet der in Groningen geborene St. Juste in geschliffenem Englisch und fügt eine Zusammenfassung der ersten Eindrücke hinzu: „Nice club, nice people, nice coach.“ Alles schön also bisher, bis auf die 0:2-Niederlage im Pokal in Kaiserslautern, der am Samstag das erste Saisonspiel in der Bundesliga in Freiburg folgt.

Trainer Sandro Schwarz lässt wenig Zweifel daran, dass der Neuzugang dann zur Startelf gehören wird. St. Juste ist jedenfalls bereit. „Ich habe die gesamte sechswöchige Vorbereitung mit Feyenoord absolviert.“ Er hat dort öfter, als ihm lieb war, als rechter Verteidiger aushelfen müssen. Nach Mainz, das sagt er deutlich, ist er als Innenverteidiger gekommen. Die ersten Eindrücke sind gut, sagt sein Trainer: Jerry sei schnell und wendig und trotz nur 1,83 Metern Körpergröße gut im Kopfball. Und: „Der Kerl hat eine Ausstrahlung, der ist sofort drin in der Gruppe.“ Körperlich, so hat es den Anschein, könnte der junge Mann noch etwas zulegen. Das sollte klappen: Die Mainzer verfügen über einen geräumigen Kraftraum.

Arsenal-Verteidiger David Luiz ist sein Vorbild

Die Entwicklung der Transfersummen im internationalen Fußballbusiness bringt es mit sich, dass der Mittelklasse-Bundesligist mit möglichen erfolgsabhängigen Bonuszahlungen laut Branchenkennern bis zu zwölf Millionen Euro für den Neuen berappen müsste. So viel Geld haben die Rheinhessen vergangenes Jahr noch nicht einmal für den teuersten Stürmer, den derzeit verletzten Jean-Philippe Mateta, gezahlt. Aber weil sie den Ivoerer Jean-Philippe Gbamin für rund 25 Millionen zum FC Everton transferieren konnten, war der dringend notwendige Innenverteidiger-Einkauf möglich.

Das Vorbild von Jerry St. Juste ist der Brasilianer David Luiz. „Ich finde gut, wie er sich nach vorne mit einschaltet. Und seine Flatterbälle bei Freistößen sind klasse.“ Daran arbeitet St. Juste auch. David Luiz hat er sogar mal zufällig getroffen, im Urlaub in Dubai war das, sie haben sich sogar kurz unterhalten. „Ein toller Typ.“ Bleibt aus Sicht von Mainz 05 zu hoffen, dass sich St. Juste den Neuzugang des FC Arsenal nicht zum Vorbild nimmt, wenn es eines Tages um einen Vereinswechsel geht. Luiz hatte das Training beim Vorgängerklub FC Chelsea verweigert, um seinen Transfer zu forcieren.

Erst einmal ist der drahtige Defensivmann in Mainz auf Wohnungssuche, gemeinsam mit der Freundin. Noch wohnt er im Hotel - oder übernachtet dann und wann auch bei seinem Kumpel Jean-Paul Boetuis, dem Mainzer Mittelfeldspieler, der wie St. Juste eine Vergangenheit bei Feyenoord Rotterdam hat. Wegen Boetius war St. Juste vergangene Saison drei Tage zu Gast in Mainz, er kennt das Stadion und die Stadt. Er sollte keine großartigen Probleme bekommen, sich einzuleben.

Einige Erfolgserfahrung auf durchaus hohem Niveau bringt er übrigens mit: Er war dabei, als Feyenoord 6:2 gegen Ajax Amsterdam gewann, und er hielt in der Champions League den Kopf zum rechten Zeitpunkt hin, als im Dezember 2017 eine Flanke in den Strafraum des FC Neapel flog. Feyenoord gewann in letzter Minute 2:1.

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