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Treffsicher: Jean-Philippe Mateta erzielt sein erstes Saisontor.

FSV Mainz 05

Mainz 05 wird es warm ums Herz

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Mit dem zweiten Fünferpack in der Amtszeit von Achim Beierlorzer gelingt dem FSV Mainz in Bremen ein wichtiger Qualitätsnachweis.

Natürlich wissen auch die Anhänger des FSV Mainz 05, dass der Gästeblock in der Westkurve des Weserstadions optimale Möglichkeiten bietet. Hoch oben unter dem Bremer Dach können sich auch wenige hundert Fans lautstark bemerkbar machen. „Null fünf, null fünf“, skandierten nur rund 300 Unentwegte, die kurz vor Weihnachten den weiten Weg an die Weser angetreten hatte. Die Mainzer Profis mussten also nicht die Mannschaftskasse plündern, um ihnen das vorab versprochene Bier und die Bratwurst zu spendieren.

Aber das schönste Geschenk war ganz gewiss ein historischer 5:0-Auswärtssieg, weswegen vielen Mainzern ganz warm ums Herz wurde. Ein solches Ergebnis kannte der selbst ernannte Karnevalsverein nur aus dem Jahr 1991. Bei jenem 5:0 in Erfurt erzielte übrigens Jürgen Klopp vier Tore. Ein Sinnbild für die „verrückte Bundesliga“ wollte Sportchef Rouven Schröder erkannt haben, „ähnlich wie in Hoffenheim“ sei auch dieses wundersam effiziente Auswärtsspiel gelaufen. Imposant waren Spielfreude, Zweikampfgeschick und Lösungsmöglichkeiten der als Kollektiv funktionierenden Elf in den feuerroten Trikots.

Eine Mannschaft, wochenlang von Sandro Schwarz nicht richtig auf Kurs zu bringen, hat im fünften Spiel von Achim Beierlorzer den dritten Sieg gelandet – und gleich den zweiten Fünferpack geschnürt. Was am bodenständigen Gymnasiallehrer beeindruckt, ist die Klarheit seiner taktischen Maßgaben. Diesmal schickte er eine 4-2-3-1-Formation, die exakt den Gegner entschlüsselt hatte: Fast instinktiv suchten und fanden die schlauen Rheinhessen die richtigen Räume.

„Wir haben einfach auf die Bremer Fehler gewartet“, sagte Verteidiger Alexander Hack, der ohne Fehl und Tadel den gesperrten Kollegen Jeremiah St. Juste vertrat. Nur Edimilson Fernandes stellte sich an jedem tadellosen Abend ein bisschen ungelenk an, aber Beierlorzer war so klug, den vom Platzverweis bedrohten Schweizer schnell auszuwechseln.

Ansonsten strahlten nur Siegertypen: Der offensive Außenverteidiger Levin Öztunali, der flinke Vorlagengeber Jean-Paul Boetius, der präsente Stoßstürmer Adam Szalai und natürlich der überragende Dreifachtorschütze Robin Quaison verdienten sich Bestnoten. Die Marschroute des Trainers sei, lobte Schröder, „hervorragend umgesetzt“ worden. Dabei sei doch, das wusste der einstige Bremer Kaderplaner, bei den Hanseaten ordentlich „Druck auf dem Kessel“ gewesen: „Wir haben natürlich gelesen, was dieses Spiel für Werder bedeutet.“ Nun muss der Sauerländer seinem Ex-Verein keine Ratschläge mehr erteilen, aber sein aktueller Arbeitgeber gibt ein gutes Beispiel ab, welche Blockaden ein Fußballlehrer mit gar nicht so unähnlichen Ansichten, aber anderen Ansprachen bei Berufsfußballern lösen kann. Beierlorzer blieb auch diesmal betont sachlich. „Fußball ist manchmal gnadenlos“, sagte der 52-Jährige. „Wir haben eine ganz gutes Konzept gehabt gegen den Ball, wollen den einen oder anderen Ball erobern und im Umschaltspiel erfolgreich sein. Es ist genauso gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Auf der Pressekonferenz war – ungeachtet vom Ausgangs des letzten Heimspiels am Samstag gegen Bayer Leverkusen – schon mal Zeit für ein erstes Zwischenzeugnis. Die Arbeit mit einer „offenen, willigen Mannschaft“, versicherte Beierlorzer, mache ihm viel Spaß. Und eines könne er versprechen: „Wir haben viel Potenzial. Wenn wir das auf den Platz bringen und die Momente auf unsere Seite ziehen, dann werden wir die Klasse definitiv halten.“ So etwas hört jeder in Mainz immer noch gern.

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