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„Wir müssen keinen Spieler verkaufen, um Löcher zu stopfen“, sagt Jan Lehmann (re.), Kaufmännischer Vorstand von Mainz 05.

„Überleben gesichert“

Mainz 05 droht auch bei Abstieg keine Insolvenz

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Dem Erstligisten Mainz 05 droht auch bei einem Abstieg keine Insolvenz, die Nullfünfer kritisieren derweil aber einige Topteams.

Der FSV Mainz 05 ist selbst für den Fall eines möglichen Abstiegs solide durchfinanziert und somit nicht insolvenzgefährdet. Das bestätigte der Kaufmännische Vorstand Jan Lehmann der Frankfurter Rundschau. Der derzeitige 15. der Fußball-Bundesliga ist danach gar in der Lage, eine Zweitligasaison mit einer kompletten Geisterspiel-Hinrunde ohne Transfererlöse und somit mit dem aktuellen Kader durchzustehen.

„Wir haben mit allen unseren Spielern Verträge, die mit den üblichen Abschlägen auch für die zweite Liga gelten“, so Lehmann. Ausgenommen sind diejenigen Profis - wie etwa Stefan Bell oder Daniel Brosinski – deren Kontrakte zum 30, Juni auslaufen. Sportchef Rouven Schröder ergänzte bei einer Fanfragerunde: „Wir sind so aufgestellt, dass wir keinen Spieler verkaufen müssen, um Löcher zu stopfen.“ Er schloss nicht aus, alle Leistungsträger auch über den Sommer hinaus am Rhein zu halten: „Das ist eine große Chance.“

Lehmann wies im Gespräch mit der FR darauf hin, dass die Nullfünfer nahezu schuldenfrei in die derzeit unterbrochene Saison gestartet sind und für den Fall des Abbruchs der Spielzeit einen Verlust von rund 13 Millionen Euro erwarten. Der Umsatz würde von ursprünglich erwarteten 120 Millionen um 23 Millionen auf 97 Millionen Euro einbrechen und durch ein Einsparpaket von zehn Millionen Euro abgefedert werden.

Dank ihrer Kreditlinien bei Banken könnte Mainz 05 nicht nur diese Unterdeckung des Geschäftsjahres 2020/21 finanzieren, sondern auch weite Teile der Zukunft. „Wir haben diese Kreditlinien ursprünglich dafür eingerichtet, um auf dem Transfermarkt flexibler agieren zu können“, so der Finanzchef, „das hilft uns jetzt.“ Anleihen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – wie sie etwa Werder Bremen angekündigt hat – seien nach derzeitigen Planungen auch künftig nicht notwendig. „Das Überleben von Mainz 05 ist über den Sommer hinaus gesichert.“ Ohne die verabschiedete Sofortmaßnahmen mit zehn Millionen Euro Einsparungen wäre es dagegen „im Spätsommer auf die Insolvenz hinausgelaufen“.

Gehaltsverzicht light

Was den derzeit bis Ende Juni laufenden Gehaltsverzicht vornehmlich von Spielern, Trainern und Vorstand angeht, erläuterte Lehmann, es handele sich dabei zwar um einen echten freiwilligen Verzicht. „Aber wir haben auch versprochen, dass wir - sollte es dem Verein besser gehen - ebenso freiwillig Geld zurückgeben.“ Nach einer kompletten Rückzahlung sähe es aber derzeit aufgrund der langen Spielpause nicht aus. Lehmann wie auch Schröder wollen öffentlich nicht konkret über den Umfang des Gehaltsverzichts sprechen.

Letztendlich existiert gewissermaßen ein „Mindestsatz“ des Verzichts, unter dem niemand liegt. Es gibt aber Mitarbeiter und Spieler, die freiwillig auf mehr Geld verzichten. Schröder gab sich bei einer digitalen Fanfragerunde schmallippig: „Ich finde es nicht gut, dass man das immer wieder misst.“ Der Sportvorstand äußerte sein Unbehagen über den öffentlichen Druck in dieser Frage: „Das erste, was man lesen durfte: Die Millionaros müssen auf Geld verzichten. Dabei stellt sich die Frage, ob überhaupt alle Spieler Millionäre sind? Sie sind die Lokomotive des Vereins. Ohne die Fußballer würde es Mainz 05 nicht geben.“

Nach Berechnungen der Frankfurter Rundschau würden bei einem Saisonabbruch Gehaltsverzicht und nicht auszuzahlende Punkt- und Jahresleistungsprämien ein Einsparpotential von nahezu fünf Millionen Euro ausmachen.

Aufsichtsratschef Detlev Höhne erläuterte: „Diese Situation wird uns noch über Jahre verfolgen. Sie hat vieles zerstört, was wir geplant haben.“ Etwa den zeitnahen Ausbau eines modernen Trainings- und Geschäftsstellenzentrums am Bruchwegstadion. Was die geplante Wiederaufnahme der Saison bereits im Mai betrifft, ergänzte Höhne: „Einen Rest von Unwohlsein haben wir alle, wenn wir diskutieren, dass wir wieder spielen wollen“.

Der Aufsichtsrat kritisierte zudem, dass die großen Vereine Dortmund und Bayern gemeinsam mit den Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder die Öffentlichkeit „in die Irre geführt“ hätten, indem der Eindruck entstanden sei, es könne schon am 9. Mai wieder mit Bundesligafußball losgehen. Manche spürbare öffentliche Abneigung gegen den Profifußball nehme Mainz 05 sehr wohl wahr und könne sie vielfach auch nachvollziehen, gleichwohl: „Wir sind Teil des Systems Bundesliga. Wir sind keine Systemsprenger, haben aber dennoch großen Respekt vor denjenigen, die draußen Kritik üben.“

Klubchef Stefan Hofmann ergänzte: „Das System Profifußball müssen wir hinterfragen. Da müssen wir ran. Aber erst müssen wir diese Krise überstehen.“ Er plädierte für „mehr Bodenhaftung, mehr Solidarität und Stabilität“. Dafür werde sich der Verein starkmachen. Denn Hofmann hat festgestellt: „Wir haben mit dem Profifußball nicht mehr den Rückhalt in der Bevölkerung.“ Rouven Schröder pflichtete bei: „Die Sensibilität ist hochgestellt. Wir fragen uns: Wie können wir auch als Deutsche Fußball-Liga in den Top-5-Ligen dafür eintreten: ,Wacht mal auf! Stopp, bis hier und nicht weiter!´ Dafür wollen wir uns als Mainz 05 einsetzen.“

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