Düsseldorf

Mainz 05: Beierlorzer ruft Konkurrenzkampf neu aus

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Bei Mainz 05 ist nicht erkennbar, dass die Mannschaft sich auf eingeübte Abläufe verlassen kann.

Nach dem miserablen Spiel gegen Fortuna Düsseldorf hat Achim Beierlorzer seine Profis zusammengetrommelt, wie es der Trainer von Mainz 05 immer tut. Diesmal hat er der in der Nähe des Mittelkreises versammelten Runde mitgeteilt: „Ich erwarte nach dem schlechten Spiel eine gute Trainingswoche. Die Karten liegen frisch gemischt auf dem Tisch. Jeder hat eine neue Chance, sich zu bewähren.“

Das ist eine logische Reaktion auf das 1:1-Unentschieden gegen den am Sonntagabend hochüberlegenen Tabellennachbarn auf der Kellertreppe zum Klassenerhalt. Mainz 05 wirkte da bis auf eine einzige durchdachte Angriffsaktion, die prompt zum einzigen Tor durch Levin Öztunali führte, wie ein Haufen junger Männer, die sich eben erst zum Kicken im Park getroffen haben. Zuhauf wurden Pässe irgendwohin gespielt, aber nicht dorthin, wo der eigene Mann unterwegs war, garniert mit sinnlosen Chipbällen aus der Abwehr in den de facto nicht vorhandenen Angriff sowie „Pässe auf Kniehöhe“ (Beierlorzer), die kein Mensch (außer eventuell Lionel Messi) hätte verarbeiten können. Er könne „nichts loben“, sagte Beierlorzer klipp und klar, und ehrlicherweise hätte er sich selbst dabei getrost mit einbeziehen können. Denn die taktische Ausrichtung mit einer defensiven Dreierkette passte überhaupt nicht, die Umstellung auf ein 4-4-2 gelang dann ebenfalls nicht, irgendwie herrschte überall ein furchtbares Durcheinander. „Das war das schlechteste Spiel der Saison. Wir sind“, monierte Kapitän Danny Latza, „überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen.“

Spielerisch schloss sich ein veritables Armutszeugnis an. Beierlorzer hat sich im Abstiegskampf für die hart arbeitenden, aber am Ball dafür beschränkteren Männer seines Kaders entschieden. Der beste Fußballer in den Mainzer Reihen, der Niederländer Jean-Paul Boetius, hat deshalb seit Anfang Februar in fünf Spielen nur einen 45-Minuten-Einsatz in Wolfsburg erlebt und war von Beierlorzer auch gegen Düsseldorf zum Zuschauen verdammt worden. Seine fußballerische Klasse fehlt den Nullfünfern erkennbar, wenngleich die Strafversetzung auf die Ersatzbank natürlich Gründe hatte: Der 25-Jährige hatte zuvor zu nachlässig verteidigt und im Vorwärtsspiel zu viele Bälle unachtsam verloren.

Auch mit der Verbannung des Spaniers Aaron Martin aus der Startelf verfolgte Beierlorzer ja keine böse Absicht, sondern reagierte schlicht auf das hartnäckige Alibigekicke des linken Verteidigers. Nur: Der stattdessen auf dieser Position nominierte Österreicher Philipp Mwene genügt, genau wie der rechte Counterpart Ronael Pierre-Gabriel, insgesamt nicht den Ansprüchen, die eine geruhsamen weiteren Saisonverlauf sicherstellen würden. Auch ein Grund, weshalb Beierlorzer den Konkurrenzkampf neu ausgerufen hat.

Wichtig wäre freilich auch, dass der geneigte Beobachter wieder regelmäßiger das Gefühl bekommt, dass die Spieler von Mainz 05 sich in eingeübten Abläufen auf dem Feld bewegen und sich nicht zu allem Überfluss noch - wie beim Gegentor – gegenseitig behindern.

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