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Mainz 05 als Warnung

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Von: Thomas Kilchenstein

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Auch von Corona gebeutelt: Der Mainzer Torwart Robin Zentner.
Auch von Corona gebeutelt: Der Mainzer Torwart Robin Zentner. © AFP

Das Coronavirus ist noch nicht weg, das Ansteckungspotenzial ist groß. Noch immer sterben Menschen an Covid-19. Wir sollten nicht vorschnell leichtfertig handeln.

Streng genommen ist es einigermaßen überraschend, dass in der Ersten Bundesliga in dieser Runde wegen der Pandemie bis gestern noch keine Spiele verschoben wurden - und die Absage der Partie am Sonntag gegen Dortmund wegen der Corona-Fälle in Mainz bisher einmalig geblieben ist. Das spricht vermutlich für schieres Glück, denn der Fußball, auch der professionell betriebene, ist ja auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und die Spieler leben längst nicht mehr in einer abgeschirmten Blase, sie haben Familie, Kinder, die in Kitas und Schulen gehen. Ansteckungspotenzial gibt es auch außerhalb der Kreidelinien jede Menge, insbesondere in Kabinen und Besprechungsräumen, überall da, wo Spieler, Trainer, Analyseteam zusammenkommen.

Das Beispiel Mainz 05 mit seinen 19 Coronafällen zeigt aber auch deutlich auf, dass die Virusgefahr eben noch nicht restlos gebannt ist. Die Profis der Rheinhessen waren, wie glaubhaft versichert wurde, dreifach geimpft und trotzdem hat es viele getroffen. Dieser Vorfall ist gerade vor dem Hintergrund von in diesen Tagen allenthalben in die Wege geleiteten Lockerungen im gesellschaftlichen Leben, der Öffnung der Stadien und Clubs sowie einer allgemein fühl- und spürbaren Relativierung der Gefahr von Bedeutung. So einfach mit einem Freedom Day lässt sich das Virus halt nicht aus der (Sport-)Welt verdrängen. Noch immer sollte Vorsicht ein guter Berater sein. Und die Warnungen namhafter Virologen vor einem zu frühen Ablegen der Maske nicht auf die leichte Schulter genommen werden - zumal die Inzidenzzahlen wieder steigen und noch immer Menschen an Covid 19 sterben.

Vorsicht im Leistungssport

Und im Grunde hätte die DFL nicht nur das Mainzer Spiel am morgigen Sonntag verlegen müssen, sondern auch gleich die nächste Partie gegen Augsburg die Woche drauf am Samstag. Frühestens am Freitag könnten sich die betroffenen Mainzer nach siebentägiger Isolation freitesten und wieder - ein einziges Mal - trainieren, nach einer Woche mit dem Virus im Körper. Es gibt eine Reihe von Fachärzten, die warnend den Finger hebt und eine allzu schnelle Rückkehr in den Hochleistungssport für „brandgefährlich“ hält. Profifußballer sitzen nach überstandener Infektion nicht wie Otto Normalverbraucher im Büro oder Homeoffice, sondern belasten ihren - angeschlagenen - Körper in den 90 Minuten bis an die Grenze.

Das Beispiel Mainz 05 sollte die Sinne aller Beteiligten schärfen, nicht vorschnell und leichtfertig zu handeln. Ohne das Virus dämonisieren zu wollen - noch ist es nicht endgültig besiegt.

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