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Früher, wie hier 2004, rührte Magath gelassen in einer Tasse Tee, wartete gefühlt eine Ewigkeit, bis er eine Antwort gab.

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Magaths schwieriger Auftrag

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Dem neuen Macher des Fußball-Drittligisten Würzburger Kickers werden natürliche Grenzen gesetzt. Ein Kommentar.

Als Felix Magath in jüngerer Vergangenheit mal eine wieder eine jener Fernseh-Talkrunden besuchte, in denen leider häufig zu hektisch und oberflächlich das Fußballgeschehen besprochen wurde, wirkte er wie einer, der aus der Zeit gefallen ist. Mit langatmigen Ausführungen, die sich oft in der Vergangenheit verloren. Weshalb die Frage berechtigt ist, ob der 66-Jährige wirklich noch auf Höhe der Zeit ist. Früher rührte Magath gelassen in einer Tasse Tee, wartete gefühlt eine Ewigkeit, bis er eine Antwort gab. Inzwischen scheint das Metier nicht nur schnelllebiger, sondern auch noch globaler und digitaler geworden zu sein. Kann der Trainer mit dem Schleifer-Image da noch mithalten? Im Gegensatz zum gleichaltrigen Friedhelm Funkel will er sich gar nicht mehr an die neuen Kicker-Generationen anpassen.

Bei seiner Vorstellung als oberster Fußball-Lenker für einen mittelklassigen Drittligisten in Deutschland und einen abstiegsgefährdeten Erstligisten in Österreich hat er eine Rückkehr auf den Trainerposten zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Magath wie Ralf Rangnick bei RB Leipzig mal schnell wieder den Cheftrainer mimt, wenn das Projekt nicht vorankommt, ist gering.

Was es viel schwieriger macht, analog zu der Red-Bull-Konzeption voranzukommen, sind die Rahmenbedingungen. Eine Anschubfinanzierung in dreistelliger Millionenhöhe, wie sie der Brausekonzern und selbst Dietmar Hopp mit seinen Investitionen bis hin zum Stadionbau für die TSG Hoffenheim tätigen musste, ist für Investor Flyeralarm gar nicht leistbar. Deshalb ist die Gefahr gering, dass das nächste fremdfinanzierte Gebilde gleich in die Bundesliga drängt.

Gewiss, die sieben, acht Millionen Euro, die als Gesamtbudget für die Würzburger Kickers veranschlagt werden, ließen sich sicher um die eine oder andere Million aufstocken, nur gibt es dafür immer noch keine Gewähr, gleich aufzusteigen. Die Dritte Liga ist eine der undankbarsten Spielklassen überhaupt. Man soll junge Spieler ausbilden und gestandene Profis beschäftigen, man will Tradition wahren und Sehnsüchte bedienen. Und alle wollen nach oben an die Fleischtöpfe des Profibetriebs mit den sprudelnden Fernsehgeldern.

Am Wochenende rollt der Ball in der Dritten Liga wieder. Die Würzburger Kickers, Magaths neuer Klub, fangen mit einem Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching an. Dort ist der ehemalige Bayern-Spieler Manfred Schwabl der Präsident, der sagt, jeden Tag würden die Klubs ums Überleben kämpfen. Dabei zwingt ja keiner die Vereine dazu, den Etat jedes Jahr derart knapp auf Kante zu nähen, aber offenbar ist der Drang zum ungesunden Wirtschaften in dieser Spielklasse tief verankert. Genauso übrigens wie das an Magath erinnernde Arbeitsethos. An Einsatzbereitschaft, Leidenschaft und Kampfeslust mangelt es hier selten. Insofern scheinen die Einflussmöglichkeiten des neuen Fußball-Chefs erst einmal begrenzt.

Interessant, dass dem ehemaligen Meistertrainer der deutsche Nachwuchs ebenso wenig gefällt wie die Konzepttrainer. Für ihn ein Riesenexperiment, das in die falsche Richtung läuft. Ihm war Training immer wichtiger als Taktik. Ausgiebige Einheiten hat er stets als Willensschulung verstanden. Wenn aktuell so viele Talente beim ersten Widerstand einbrechen, darf ruhig daran erinnert werden, dass der deutsche Fußball eine kleine Prise Magath immer noch gut vertragen kann.

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