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Im Glückstaumel: Robin Gosens (li.) und Torwart Pierluigi Gollini nach dem Sieg in Sassuolo.

Robin Gosens

Das Märchen von Atalanta

Im Probetraining beim BVB einst krachend gescheitert, jetzt mit Bergamo in der Königsklasse – der Emmericher Robin Gosens lebt in Italien einen Traum.

Auf den Straßen von Bergamo war die Hölle los. Als der Mannschaftsbus die Helden von Atalanta in der Nacht zum Montag um 2.30 Uhr in der Heimat absetzte, war noch kein Fan der Nerazurri schlafen gegangen. Bengalische Feuer, stolze Gesänge, ungläubiger Jubel – die Schwarz-Blauen feierten ihr historisches Champions-League-Märchen in vollen Zügen – und auch einen früheren selbsterklärten Dorfkicker vom Niederrhein.

Der Emmericher Robin Gosens erlebte mit der erstmaligen Qualifikation von Atalanta für die Königsklasse den vorläufigen Höhepunkt seiner ungewöhnlichen Karriere. „Champions League, Champions League!“, brüllte der 24-Jährige nach dem entscheidenden 3:1-Sieg gegen Sassuolo Calcio immer wieder in die Kamera. Dabei spielte er mit 18 noch „besseren Bauernfußball“, wie Gosens in einem Interview mit dem Magazin „11 Freunde“ erzählte.

Der deutsche Außenbahnspieler steht ein Stück weit sinnbildlich für die „Bande“ von Gian Piero Gasperini, dem Erfolgstrainer des italienischen Pokalsiegers von 1963. Ohne die ganz großen Namen, ohne das ganz große Geld marschierte Bergamo bis auf Rang drei in der Abschlusstabelle. Vor Branchenriesen wie Inter Mailand, AC Mailand oder AS Rom. „Es ist ein großer Sieg für diese Menschen, für die Gesellschaft und für diese wundervollen Jungs“, sagte Gasperini, der seiner Mannschaft auch in der Champions League gute Auftritte zutraut. Das gilt auch für Gosens, dessen Laufbahn eine erstaunliche Entwicklung genommen hat. Er ist kein Produkt einer Jugendakademie.

Folgen einer Partynacht

Gosens spielte in der Jugend lange beim VfL Rhede, einem unterklassigen Verein aus Nordrhein-Westfalen. Sein Talent fiel zwar auch Borussia Dortmund auf, doch ein Probetraining wurde zum Reinfall. „Ich wurde überrannt. Ich habe mich die ganze Zeit hilflos umgeguckt und hatte keinen Schimmer, wo ich hinlaufen soll“, berichtete er: „Unter dem Strich ein Fiasko.“

An eine mögliche Zukunft als Fußballprofi dachte Gosens schon gar nicht mehr, da legte er nach einer durchfeierten Nacht ein eindrucksvolles Spiel vor den Augen eines Scouts von Vitesse Arnheim hin. Nach fünf Jahren in den Niederlanden folgte 2017 der Wechsel nach Italien. In der abgelaufenen Saison war Gosens Stammspieler und stand auch beim Heimspiel in Sassuolo 90 Minute auf dem Rasen. Das Austragungsrecht hatte Atalanta dem Ligakonkurrenten überlassen, das heimische Stadion wird aktuell renoviert.

Gosens, der an einer Fernuni Psychologie studiert, fühlt sich in Bergamo pudelwohl. Noch bis 2020 ist er an den Klub gebunden, die Perspektiven sind nach der Wahnsinnssaison bestens. Doch im Hinterkopf hat er auch die deutsche Eliteklasse. „Die Bundesliga wird immer mein absolutes Traumziel bleiben“, sagte er zuletzt dem WDR: „Wenn ich einmal in einem solchen Stadion auflaufen darf, wäre das alles für mich.“ (sid)

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