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Will bald wieder jubeln: Giulia Gwinn..

Bundesliga vor Re-Start

Zeichen für Gleichberechtigung trotz Corona

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50 Jahre nach der Aufhebung des Verbots für den Frauenfußball will der DFB Signale setzen.

All die schönen Planspiele lagen lange in der Schublade. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte in diesem Jahr ein unrühmliches Kapitel seiner Geschichte feiern – das erst 1970 aufgehobene Verbot des Frauenfußballs. Dafür sollten zahlreiche Aktionen anlaufen: Höhepunkte wäre im Herbst ein freigeräumtes Wochenende während einer Länderspielpause gewesen, an dem alle Fans aufgefordert worden wären, bitte mal ein Spiel von Frauen- und Mädchenteams zu besuchen. Dass solche Projekte in Pandemie-Zeiten noch umzusetzen sind, scheint äußerst fraglich. Wahrscheinlicher ist mittlerweile, dass der DFB ein anderes Zeichen der Gleichberechtigung aussendet: Sollte es wirklich gelingen, die Frauen-Bundesliga am 29. Mai fortzusetzen, wäre das ein weltweites Signal. Weil Pernille Harder, Alexandra Popp und Melanie Leupolz dann in Deutschland noch vor Mo Salah, Kevin De Bruyne und Harry Kane in England antreten dürfen.

Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter vom VfL Wolfsburg, wertete es als „gute Nachricht“, dass der Rahmen am Montagabend vom DFB-Präsidium festgezurrt wurde. Der Verband hatte erst vergangene Woche wieder betont, dass er für eine Differenzierung zwischen den beiden Lizenzligen und seinen höchsten Spielklassen, der Dritten Liga und Frauen-Bundesliga, keinerlei Verständnis habe. Das Hygiene- und Sicherheitskonzept war von Beginn an für alle konzipiert. Während sich aber die Dritte Liga gegenseitig zerfleischt, zeigt die Frauen-Bundesliga Einigkeit. „Ich halte es nach dem Startschuss für die DFL-Ligen auch unter dem Aspekt der Gleichberechtigung für angemessen, dass der Ball unter Auflagen wieder rollen darf“, sagt Siegfried Dietrich. Der Vorsitzende des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen erwartet in den nächsten Tagen grünes Licht aus der Politik.

Beide Finals am 4. Juli

DFB-Präsident Fritz Keller würde sich in seinem stets postulierten Gleichklang zwischen Männer- und Frauenfußball bestätigt fühlen. Bewusst finden ja nun auch die beiden DFB-Pokalfinals am selben Tag (4. Juli) in Berlin bzw. Köln statt. Dann braucht es bald noch erste Testreihen, um das gemeinsame Training aufzunehmen – und dann geht’s mit einem Freitag-Livespiel Ende Mai bei Eurosport wieder los. Allzu groß ist der Umgewöhnungsprozess gegenüber dem Alltag nicht, behaupten nicht nur Spötter. Viele Übertragungen hatten schon von der Pandemie ein eher gespenstisches Ambiente vermittelt. Noch immer liegt der Zuschauerschnitt knapp unter 1000. Maximal 130 Personen sind künftig bei der dynamischen Bedarfspersonalplanung im Geisterspielbetrieb der Frauen vorgesehen.

Wer übrigens behauptet, dass die wichtigsten Entscheidungen – Meister VfL Wolfsburg liegt mit acht Punkten Vorsprung wieder an der Spitze, der Tabellenletzte USV Jena hat erst zwei Zähler – sechs Spieltage vor Schluss gefallen sei und ein erheblicher Test- und Organisationsaufwand für zu viele bedeutungslose Spiele betrieben werden, dem entgegnet Dietrich, „dass wir sportliche Entscheidungen nicht einfach durch zwei, drei Relegationsspiele ersetzen können“. Und ein Saisonabbruch kann nur vom DFB-Bundestag am 25. Mai beschlossen werden.

Viele Funktionäre wie Ralf Zwanziger von der TSG Hoffenheim sind zwar „hin- und hergerissen“, aber allein der Vorletzte 1. FC Köln hat sich bei der Abstimmung enthalten. Und das nicht wegen der Ansteckungs-, sondern der Verletzungsgefahr durch zu viele Spiele in kurzer Zeit. Dietrich beschäftigt sich lieber mit den Argumenten, dass der deutsche Frauenfußball im Fahrwasser des männlichen Betriebs Gesicht zeigt. Zumal die notwendigen Testungen in nächster Zeit allesamt von den 7,5 Millionen Euro bezahlt werden, die über die DFL an die Dritte Liga und Frauen-Bundesliga weitergereicht wurde.

Eine gesellschaftliche Problematik kann der Manager vom 1. FFC Frankfurt auch nicht erkennen. Doch sein Ansinnen ist auch von persönlichem Interesse geprägt, weil für seinen mittlerweile von Titelvergaben abgehängten Rekordmeister im Sommer die Fusion mit Eintracht Frankfurt ansteht. Der 62-Jährige hatte stets eine Traumhochzeit angekündigt. Jetzt können kaum Gäste kommen. Die Ringe sollen jedoch wenigstens in einer Zeit getauscht werden, in der beide Aushängeschilder – Eintracht-Männer und FFC-Frauen – trotz Corona-Krise kicken.

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