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Nationalmannschaft

Joachim Löw: Machtkampf beim DFB um den Bundestrainer

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die offene Zukunft des Bundestrainers wirft ein Schlaglicht auf nicht klar geregelte Zuständigkeiten beim DFB – doch Präsident Fritz Keller will sich vorab mit Joachim Löw treffen.

Vermutlich wird sich Joachim Löw bei seiner inneren Einkehr im Breisgau am wenigsten mit den Paragrafen der DFB-Satzung beschäftigen. Krisen mögen zum Standardprogramm seines Arbeitgebers zählen, nicht aber eine mögliche Vertragsauflösung mit dem Bundestrainer, die seit der am Montag verschickten Mitteilung als Löws persönliche Ausstiegsoption im Raum steht. So unklar bislang ist, was der 60-Jährige wirklich will, so schwammig wirkt die Zuständigkeit für diesen Sonderfall: Laut Paragraf 34 der Satzung untersteht dem Präsidium als Ganzes „die Personalauswahl des Bundestrainers“, während in Paragraf 35 dem Präsidialausschuss „Personalangelegenheiten des Bundestrainers“ zugerechnet werden. Wäre eine vorzeitige Trennung von Löw vor Vertragsablauf 2022 nun „Personalauswahl“ oder „Personalangelegenheit“?

Jogi Löw.

Die Personalie Joachim Löw: Der DFB hüllt sich in Schweigen

Der DFB wollte dazu keine Stellung beziehen, doch zu hören war am Dienstag, dass in der Praxis alle großen Fragen – und dazu gehört die bundesweit diskutierte Causa Löw fraglos – immer noch im Präsidium erörtert würden. Die Mitglieder des Präsidialausschusses, besetzt mit Präsident Fritz Keller, Vizepräsident Rainer Koch, Vizepräsident Peter Peters, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, können nicht eben mal den 60-Jährigen absetzen. Das ist eine Gretchenfrage für die große Runde, heißt es, auch wenn das Machtgefüge durch den kürzlich eskalierten Streit zwischen Keller und Curtius kräftig ins Wanken geraten ist.

Dem im September 2019 auf dem DFB-Bundestag in Frankfurt installierten Präsidenten Keller ist die Richtlinienkompetenz für den Bundestrainer samt Verantwortung „für die Belange der Nationalmannschaft“ entzogen worden: Nachdem sein in zu viele Fettnäpfchen getretener Vorgänger Reinhard Grindel schnell mal vor der WM 2018 im Dortmunder Fußballmuseum die Vertragsverlängerung mit Löw verkündet und dann ebenso eilig nach dem vergeigten Turnier in Russland Rückendeckung angekündigt hatte, wurden Vorkehrungen eingebaut.

Die Causa Löw: Entscheidung in kleiner Runde

Keller kann als oberster Dienstherr jetzt nicht Löw unter vier Augen am Kaiserstuhl den Job versichern – ihn allein im Schwarzwälder Regen stehenlassen mag er aber auch nicht. Das ginge gegen das Naturell des 63-Jährigen. Laut „Bild“-Zeitung soll es vor der entscheidenden Präsidiumssitzung am 4. Dezember ein Zusammentreffen unter anderem mit Keller, Peters und Löw geben. In solch einer kleinen Runde wäre auch jene Distanz überbrückt, die aus dem erstaunlich kühl abgefassten Kommuniqué vom Wochenanfang herauszulesen war, in dem Löw „die zeitliche und emotionale Distanz“ eingeräumt wurde, um auch „persönlich die eigene große Enttäuschung zu verarbeiten“.

Dieser Satz muss gar nicht so negativ interpretiert werden: Selbst engste Wegbegleiter beschreiben den Weltmeistercoach auch nach Jahren der Zusammenarbeit als schwer zu greifenden Charakter, der in seiner eigenen Jogi-Welt das Richtige für sich herausfinden soll.

Um die Zukunft von Joachim Löw wird es keine Kampfabstimmung geben

Es gebietet der Anstand, mit Löw sich dieser Tage mal persönlich auszutauschen, wenn er schon nicht bei der Zusammenkunft zwei Tage vor Nikolaus zugegen ist. Dass dann 18 Männer und eine Frau, die ewige DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg, über Löws Verbleib wie in einem Tribunal abstimmen, ist nicht zu erwarten. Eine Kampfabstimmung würde die Gräben zwischen den unterschiedlichen Lagern vertiefen. Nicht nur der Bundestrainer, sondern auch der Verband sollte daher dringend klären, was er eigentlich mit Blick aufs EM-Jahr 2021 will.

Schwer auszuloten ist in diesen turbulenten Wochen, wo sich der seit anderthalb Jahrzehnten mit Löw eng zusammenarbeitende Oliver Bierhoff eigentlich positioniert. Löw betonte gerade erst in Leipzig wieder, wie vertrauensvoll das Verhältnis sei. Ihn interessiere es nicht, sagte der Bundestrainer vor der Horrornacht von Sevilla, dass Bierhoff gesagt habe, er gehe den Weg vorerst nur bis zur EM mit. Viele werteten das als erste Absetzbewegung des mächtigen Direktors.

Der DFB steht in der Trainerfrage für Beständigkeit

Der DFB blickt in seiner langen Historie auf nur wenige Bundestrainer zurück. Otto Nerz (1926–1936), Sepp Herberger (1936–1964), Helmut Schön (1964–1978), Jupp Derwall (1978–1984), Franz Beckenbauer (1984–1990), Berti Vogts (1990–1998) prägten jeder auf seine Art eine Ära. Als um die Jahrtausendwende nach dem unglücklichen, nicht mal zweijährigen Intermezzo von Erich Ribbeck die Erfolge ausblieben, kam die Trainersuche öfter auf die Tagesordnung, als der Verbandsspitze lieb war, doch war die Personalauswahl – vom Publikumsliebling Rudi Völler (2000–2004) über den Reformer Jürgen Klinsmann (2004–2006) bis hin zum Stilisten Löw (ab 2006) – rückblickend von Pragmatismus zum Wohle des deutschen Fußballs geprägt.

Sollte es tatsächlich bald einen elften Bundestrainer in der Historie brauchen, dann soll es einige Befürworter einer Übergangslösung mit Stefan Kuntz geben. Der U21-Nationaltrainer gilt als kommunikativer Typ und deutlich nahbarer als Löw. Der 58-Jährige hat jetzt im Podcast „Kicker meets DAZN“ verraten, dass es derzeit keinen Austausch mit dem Bundestrainer gebe. Man verstehe sich kollegial, „aber ich denke, dass Jogi schon ein paar Leute um sich herum hat, die ihm näher stehen als ich“. Noch hellhöriger sollte allerdings machen, was Kuntz zur Nachwuchsausbildung im deutschen Fußball sagte. Dort sei man „komplett ins Hintertreffen geraten: Wir sind so was von abgeschlagen!“ Was generell nichts Gutes für denjenigen bedeutet, der – wann auch immer – Löw langfristig beerben wird.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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