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Bereut den Gang vom Kaiserstuhl auf den Schleudersitz angeblich nicht: DFB-Präsident Fritz Keller.
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Bereut den Gang vom Kaiserstuhl auf den Schleudersitz angeblich nicht: DFB-Präsident Fritz Keller.

DFB

Keller oder Curtius?

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Showdown zwischen DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius wird im Januar erwartet.

In den Tagen vor der Besinnlichkeit hat DFB-Präsident Fritz Keller noch fix dem Hessischen Rundfunk ein Interview gegeben. Die Redakteurin Martina Knief fragte den 63-Jährigen irgendwann, ob er angesichts der Querelen an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes an Rücktritt denke. „Niemals“, hat der seit 15 Monaten amtierende Verbandschef da sehr entschieden entgegnet, „dafür ermuntern mich viel zu viele Leute: ,Keller, gib nicht auf!’“

Aus dem eigenen Präsidium sind zur Jahreswende Tonalitäten zu vernehmen gewesen, die sich weniger nach uneingeschränkter Unterstützung anhören. Zuvor hatte sich der Bundesligadelegierte Peter Peters - kürzlich als verantwortlicher Finanzchef bei Schuldenklub Schalke 04 ruhmlos ausgeschieden - in einem Gastbeitrag via „Kicker“ als reitender Bote der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in den Sattel gesetzt. In einem zweiseitigen Pamphlet forderte der designierte deutsche Fifa-Abgeordnete Peters ziemlich unverhohlen, der DFB möge den Generalsekretär Friedrich Curtius, 44 Jahre alt, zeitnah aus dem Amt bugsieren.

„Die Liga will den Friedrich abschießen“, sagt ein Verbandsmann, Peters habe dabei nur die Schmutzarbeit erledigt. Dass das Verhältnis von Curtius zu seinem einstigen Vorbild, DFL-Boss Christian Seifert, mit unterkühlt noch freundlich beschrieben wäre, passt ins Bild. „Die beiden haben sich nichts mehr zu sagen“, weiß ein Insider. Jedenfalls nichts freundliches. Und das schreiben sie sich lieber per SMS. Seifert findet, Curtius manage den DFB an die Wand. Curtius findet, Seifert säe gezielt Zweifel an ihm.

Fünf DFB-Vizepräsidenten, eine Vizepräsidentin sowie der einflussreiche Schatzmeister Stephan Osnabrügge meldeten sich nach Peters‘ Anwürfen gegen Curtius öffentlich auf der Verbandshomepage zu Wort und rüffelten Peters für dessen Vorstoß. Bezeichnend: Präsident Keller gehörte nicht zu den Unterzeichnern des Widerspruchs. Es dürfte ein beispielloser Vorgang sein, dass sich der Verband ohne Unterstützung seines Chefs derart positioniert.

Klar ist: Nicht nur die Bundesliga, sondern auch Keller selbst wollen den langjährigen DFB-Mann Curtius - zuletzt wegen eines üblen Leitersturzes beim Gardinenaufhängen und doppeltem Ellbogenbruch monatelang krankgeschrieben - loswerden. Dem HR sagte Keller: „Alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden.“ Oder: „Wir hatten ein Jahrzehnt der Unruhe. Das muss zu Ende gehen.“ Kontrollmechanismen hätten nicht funktioniert. „Fehler, die vor Jahren gemacht worden sind“, seien nie „richtig beseitigt worden“. Alles verbale Kinnhaken des ehrenamtlichen Chefs Keller gegen den operativen Boss Curtius.

Keller räumt aber auch selbstkritisch ein, dass sein Auftreten mitunter gewisse Mängel im Zwischenmenschlichen innehabe. „Ich bin manchmal zu aufbrausend. Das ist eine schlechte Eigenschaft von mir.“ Andererseits: „Wenn Sie dafür geholt werden, Dinge zu verändern, müssen Sie auch in Konflikte rein.“ Diesen Konflikt will er augenscheinlich ausfechten. Der vielfach prämierte Winzer sagt, er habe es nicht bereut, vom gemütlichen Kaiserstuhl auf den Schleudersitz in Frankfurt gewechselt zu sein.

Im DFB wissen sie jetzt immerhin, dass sie Keller unterschätzt haben, als sie glaubten, da käme ein jovialer Grüßaugust aus dem Breisgau und füge sich brav ins Glied. Bei der DFL sind sie ihrerseits ernüchtert gewahr geworden, dass sie Keller überschätzt hatten, als sie davon ausgingen, das liebe Patenkind von Fritz Walter werde die Probleme zurückhaltend präsidial klären.

Im Januar, wenn Curtius zurück zur Arbeit kommt und die bereits an „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ durchgesteckten Ermittlungen der vom DFB zur „Generalinventur“ (Keller) beauftragten Rechercheure von Esecon veröffentlicht werden sollen, dürfte es zum Showdown kommen. Führende Vertreter der 21 Landesverbände schütteln nur noch den Kopf über die auch aus ihrer Sicht unübersichtliche Gemengelage. Sie möchten sich ungern öffentlich namentlich zitieren lassen. Aber sie fordern auch, die beiden Führungsleute mögen ihre Egos hintenanstellen und sich, bitte schön, zusammenreißen. Beim letzten gemeinsamen Termin vor Ort in Frankfurt, ehe wegen Corona wieder auf virtuelle Konferenzen umgeschaltet wurde, gab es für Curtius im Oktober unter anderem vonseiten der allseits hochgeachteten DFB-Direktorin Heike Ullrich starke Unterstützung.

Die Landesverbände haben spätestens seit Peters‘ Attacke realisiert, dass die ohnehin seit Jahren zunehmend an Einfluss gewinnende DFL noch mächtiger würde, wenn Curtius den Machtkampf gegen Keller verlöre. Denn Letzterer gilt als ehemaliger Präsident des SC Freiburg als Mann der Bundesliga, nicht als Vertreter der Amateure.

Natürlich ist Keller längst aufgefallen, dass zuletzt regelmäßig Informationen an die Medien durchgestochen werden, die ihm zum Nachteil gereichen. Seine Zweifel an Bundestrainer Joachim Löw bekam die „Bild“ brühwarm aufgetischt. Sein inakzeptables Einwählen in eine Telefonkonferenz der Geschäftsführung um Curtius mit der inzwischen durch einen echten Betriebsrat ersetzten Mitarbeitervertretung aus dem vergangenen Frühjahr wurde gerade erst via „Süddeutscher Zeitung“ in allen Einzelheiten öffentlich gemacht.

Das alles sind sehr unschöne Begleiterscheinungen, die Kellers Vertrauen in den Verband (und anders herum) noch mehr untergraben und das ohnehin reichlich ramponierte Image des Verbandes noch nachhaltiger belasten. Und auch die beiden Protagonisten Keller und Curtius leiden persönlich unter der Situation ganz beträchtlich. Bei Curtius kam die schwere Verletzung hinzu, zudem die Razzia der Staatsanwaltschaft in seinem Frankfurter Domizil Anfang Oktober. Anders als Keller lehnt der Generalsekretär Interviews derzeit ab. Es heißt, er sei optimistisch, dass die Vorwürfe der Steuerhinterziehung zum Wohle des Verbands sich weitgehend in Luft auflösen werden. Aber hält der promovierte Jurist, der als Referendar schon 2004 zum DFB stieß, dem Druck stand? Oder ist der im eigenen Verband nicht so stabil vernetzte, aber auch von weniger Altlasten verfolgte Keller der robustere Mann? Gerade läuft eine Imagekampagne für ihn an. Mitte Dezember gab er bekannt, er habe sich der Initiative „Common Goal“ angeschlossen, die Prominente dazu aufruft, mindestens ein Prozent ihrer Einnahmen für soziale Zwecke zu spenden.

Während der ab April auf einem mit rund 250 000 Euro dotierten Versorgungsposten im Concil des Weltverbandes Fifa bestens ausgestattete Peter Peters sich immerhin klar positioniert hat, hält sich der etwas bescheidener entlohnte DFB-Mann im europäischen Verband Uefa auffällig zurück. Rainer Koch gilt als listigster und fleißigster Strippenzieher und Kulissenschieber. Als Chef des bayerischen Verbands und als für die Belange der Amateure zuständiger DFB-Vizepräsident hat er wenig Interesse, dass Fritz Keller zum Laufburschen der Bundesliga wird. Es bleibt spannend in der kleinen Welt der Intrigen im größten Einzelsportverband der Welt.

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