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Nadine Kessler Foto: Fabrice Coffrini / Afp
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Nadine Kessler

Fußball

DFB benötigt Frauenpower: Ende der Hahnenkämpfe

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Neben neuen Strukturen benötigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auch dringend mehr Frauen in Führungspositionen. Sonst haben die Macht- und Muskelspiele in der Männerwelt nie ein Ende.

Eigentlich ist das Problem bekannt. Und von präsidialer Seite vor knapp zwei Monaten deutlich benannt worden. Da stellte Fritz Keller in einem Interview auf der Verbandshomepage fest: „Wir brauchen mehr Frauen im Fußball, weil wir die Gesellschaft so vielfältig abbilden wollen, wie sie tatsächlich ist. Weil grauhaarige Funktionäre vielleicht immer dasselbe denken und manchmal viel zu schnell die Ellbogen ausfahren. Viele Beispiele zeigen, dass Unternehmen und Verbände dann, wenn Frauen mit in Führungspositionen sind, viel, viel bessere Ergebnisse erzielen. Nachhaltigere.“

Es ist also nicht so, dass der schon in seinen Zeiten beim SC Freiburg für seine cholerischen Ausbrüche gefürchtete und wegen eines unsäglichen Nazi-Vergleichs zum Rücktritt aufgeforderte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht wüsste, wie sich tiefgreifende Zerwürfnisse in einer Männerwelt vermeiden ließen. Doch die zum Weltfrauentag formulierte Erkenntnis war bloß eines der vielen Lippenbekenntnisse, denen zu wenige Taten gefolgt sind. Der größte nationale Einzelsportverband der Welt ist wohl auch deshalb zum unsäglichen Hort der Muskel- und Machtspiele verkommen, weil nicht annähernd Parität der Geschlechter besteht. Frauen sind auf oberster Entscheidungsebene immer noch akut unterrepräsentiert.

Hannelore Ratzeburg wurde 2007 zur Vizepräsidentin ernannt

Hannelore Ratzeburg, 69, ist auf Präsidiumsebene bis heute Einzelkämpferin. Die Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Die in schlimmsten Macho-Zeiten in die Fußball-Männerwelt eindringende Hamburgerin wurde 2007 als erste Frau ins Präsidium gewählt und soll am vergangenen Wochenende nach der Konferenz der Landes- und Regionalpräsidenten vor einem Austausch der gesamten Führungsspitze gewarnt haben, weil der Verband sonst handlungsunfähig wäre.

Aber ist der Imageschaden, den die Hahnenkämpfe anrichten, nicht viel größer? Keller, 64, will nicht zurücktreten, sein Gegenspieler, der mächtige Multifunktionär Rainer Koch, 62, hat sich auf Facebook erklärt und wird im ZDF-Sportstudio am Samstag seine Sicht der Dinge erklären. Die Positionskämpfe gehen also weiter. Bei Männern ist die Machtattitüde eben besonders ausgeprägt. Doch sie haben derartige Abgründe zu verantworten, dass es zwangsläufig nach Frauen ruft, die für eine andere Herangehensweise stehen. Und die ersten trauen sich durchaus zu, im Saustall DFB ordentlich auszumisten.

Sylvia Schenk stände für den Übergang bereit

Da ist zum einen Sylvia Schenk, 68, die für eine zeitweilige Führungsrolle zur Verfügung stehen würde. Ihre Zukunft sehe sie zwar nicht als DFB-Präsidentin, aber wenn jemand mal vorübergehend Ruhe reinbringen und aufklären soll, kann sich die angesehene Anti-Korruptions-Expertin und Sportfunktionärin das durchaus vorstellen. Da ist zum anderen Ute Groth, 62, die zwei Jahre nach ihrer vergeblichen Bewerbung eine erneute Bewerbung erwägt. Die Düsseldorferin hält eine große Erneuerung – personell und strukturell – für alternativlos. Zudem muss über Nadine Keßler, 33, nachgedacht werden.

Die ehemalige Nationalspielerin hörte wegen einer schweren Knieverletzung 2016 auf, schob danach in Windeseile bei der Uefa ihre Karriere an. Mittlerweile leitet die Pfälzerin den Bereich Frauenfußball, war maßgeblich bei der Einführung einer Champions-League-Gruppenphase für die Frauen auf Vereinsebene beteiligt, hat ein internationales Netzwerk aufgebaut. Es wäre töricht, würde der DFB die Weltfußballerin von 2013 nicht in mittel- oder langfristige Überlegungen einbeziehen.

Heike Ullrich hat eine besondere Karriere hingelegt

Bislang hat nur eine Frau einen ähnlichen Werdergang in der Otto-Fleck-Schneise hingelegt: Heike Ullrich, 51, die als Direktorin Vereine, Verbände und Ligen seit 2018 weitreichenden Einfluss hat. Ihre Kompetenz ist verbürgt, ihre Meinung wird geschätzt, ihre Gelassenheit wirkt wohltuend, aber als Präsidentin sieht sich die gebürtige Hildesheimerin vermutlich selbst nicht. Bereits bei ihrer Beförderung zur stellvertretenden Generalsekretärin erbat sich die Fleißarbeiterin eine Nacht Bedenkzeit.

Klar ist, dass es mit dem Austausch von Personen an den bisherigen Stellen nicht getan ist. Wenn die neue Akademie wirklich die Türen öffnet, sollte nicht allein die DFB GmbH mit ihrem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgegliedert, sondern auch ein Aufsichtsrat installiert werden, der die Geschäfte des Vorstandes kontrolliert. Hier könnten sich für Frauen aus vielfältigen Bereichen die Tür öffnen. Mit symbolischen Alibiaktionen ist es nicht getan. Gerade der DFB benötigt statt Einfalt mehr Vielfalt bei seinen Topleuten.

Helen Breit macht Druck über die Fanseite

Grundsätzlich krankt der Fußball ja daran, dass die männliche Dominanz in der Funktionärswelt das Profitstreben befördern – und Aspekte wie Nachhaltigkeit nur in Ausnahmefällen behandelt werden. Fanorganisationen erhöhen deshalb seit längerem den Druck. Helen Breit, 33, Vorsitzende „Unsere Kurve“, eine von drei Frauen in der Taskforce „Zukunft Profifußball“, forderte immer wieder eine Diversitätsstrategie bei den Verbänden ein. Man müsse sich doch nur einen DFB-Bundestag anschauen: „Die Mehrzahl der Delegierten sind Männer im fortgeschrittenen Alter. Ich will niemand diffamieren, aber der Querschnitt der Bevölkerung bildet sich da nicht ab.“

Ihr reicht es auch nicht, dass bei der  Deutschen Fußball-Liga (DFL) inzwischen 41 Prozent der Belegschaft weiblich ist, so lange Frauen zwar im Marketing, in der Kommunikation oder als Assistentin der Geschäftsführung arbeiten, es aber ganz oben bei den tradierten Rollen bleibt. Besagte Taskforce hat in einem Maßnahmenpunkt konkret die „Förderung von Frauen im Fußball“ festgeschrieben. Derzeit sind nämlich 97 Prozent der Positionen von Männern besetzt. „Da ist jeder DAX-Konzern besser – und die sind auch schon ziemlich schlecht“, monierte damals die Diplompsychologin und Moderatorin Heidi Möller.

Katja Kraus appelliert seit längerem

Dass gemischtgeschlechtliche Gremien und Funktionsteams eine höhere Erfolgsquote bringen würden, sprach Katja Kraus, 50, im vergangenen Jahr auf der Bundespressekonferenz an. Die ehemalige Torhüterin war zwischen 2003 und 2011 beim Hamburger SV erste Frau in einem Vorstand, viele ihrer Appelle wirken aktueller denn je. „Es geht darum, tatsächlich auch mal das Bewusstsein dafür zu erlangen, dass Diversität ein Erfolgsfaktor ist“, sagt sie seit längerem. Für Vereine und Verbände. Und erst recht für einen DFB, dessen Erscheinungsbild unerträglich geworden ist.

Ute Groth,
Hannelore Ratzeburg

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