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Macht Müller 2024 den Poldi?

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Von: Thomas Kilchenstein

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Prägendes Profil des deutschen Fußballs: Thomas Müller.
Prägendes Profil des deutschen Fußballs: Thomas Müller. © dpa

Der Münchner erklärt den Rücktritt von seinem Quasi-Rücktritt bei der Nationalmannschaft. Ja, hat er denn die Zeichen der Zeit nicht erkannt? Ein Kommentar.

Es ist für einen aktiven Sportler eines der schwierigsten Unterfangen, zu erkennen, wann der richtige, der beste Zeitpunkt gekommen ist, die Karriere zu beenden, und zwar in Würde. Cristiano Ronaldo, der große CR7, zum Beispiel, hat den Zeitpunkt verpasst. Sein aktuelles Engagement in Saudi-Arabien bei einem bestenfalls drittklassigen Klub in einem Land, in dem Menschen- und andere Rechte mehr getreten werden als die Bälle beim FC Al-Nassr, seinem neuen Verein, ist mindestens schäbig, allemal einem Weltstar seines Kalibers unwürdig.

Philipp Lahm hingegen ist einst mit Erhabenheit ausgestiegen. Nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 hat das schlaue Kerlchen der Nationalmannschaft Lebewohl gesagt, es nie bereut und noch ein paar gute Jahre beim FC Bayern verbracht. Und im Grunde trauert die DFB-Auswahl bis heute einem Rechtsverteidiger seiner Güte hinterher. Eine Faustformel fürs letzte Spiel kann folglich lauten: Abtreten, so lange die Leute noch „schade“ rufen.

Thomas Müller wiederum ist nun erst einmal vom (halben) Rücktritt zurückgetreten, er will weitermachen bei Hansi Flicks Truppe, sofern der ihn noch will. Dabei hatte der Ur-Bayer nach dem WM-Aus Anfang Dezember mit seiner Rede an die „lieben Leute“ seinen Abgang erhobenen Hauptes doch so wunderbar eingeleitet, die Spiele im Nationalteam, 121 an der Zahl, seien für ihn stets „ein Genuss“ gewesen. Meistens für alle anderen auch, es sei denn, Diego Maradona will mit am Tisch sitzen.

Die Frage jetzt ist: Tut sich Thomas Müller, dessen Verdienste um den deutschen Fußball als Typ, als Spieler, als Mensch, kaum hoch genug einzuschätzen sind, damit einen Gefallen? Ist es nicht eher so, dass sich die Karriere des 33 Jahren alten Energiebündels dem Ende zuneigt? Verletzungen, Wehwehchen häufen sich beim früher unverletzlichen Musterprofi, mal die Hüfte, mal der Rücken. In der Bundesliga hatte er zuletzt Ende September gespielt, bei den Bayern muss ein Platz für ihn gefunden werden, Jamal Musiala, dieses unverschämt brillante Talent, hat ihm den Rang abgelaufen. „Müller spielt immer“ - dieses geflügelte Wort van Gaal’scher Prägung gilt nicht mehr uneingeschränkt. Und in der Nationalelf? Da ist die Leistung von „Radio Müller“ auf dem Platz zuletzt arg überschaubar geblieben. Sein letztes Tor bei einem großen Turnier – WM oder EM – hat er im Juli erzielt, 2014, im Halbfinale beim sagenhaften 7:1 gegen Brasilien. Sind das nicht alles Zeichen der Zeit? Will sie Thomas Müller nicht sehen?

Nachvollziehbar ist, dass die EM im nächsten Jahr, in 2024, noch ein Ziel ist für den Unkonventionellen, der dann 35 Jahre alt sein wird. Eine tragende Rolle wird er, sofern er überhaupt nominiert wird, sicherlich nicht mehr spielen. Klar, er hat Erfahrung, stellt etwas dar, viele junge Spieler schauen auf. Aber reicht das? Reicht ihm das? Reicht ihm die Aussicht, bei der Nationalelf den Poldi zu geben? Der, wie einst Lukas Podolski, nur noch für gute Laune sorgt, vornehmlich außerhalb der Kreidelinien?

Thomas Müller wird sich das gut überlegt haben. Hoffentlich

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