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„Being Mario Götze“

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Die Macht der Kontrolle

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Dokumentationen, die Fußballclubs über sich selbst erstellen, suggerieren Nähe zum Fan - obwohl die Distanz nicht größer sein könnte.

Wenn Lucien Favre ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt, ist der Schweizer nicht besonders auskunftsfreudig. Der Trainer von Borussia Dortmund hat es fast schon zur Kunst erhoben, auf Fragen ausweichend oder gar nicht zu antworten. Dabei wäre es wirklich mal spannend zu erfahren, welche taktische Anweisung er Mario Götze vor einer Partie gibt oder was er sich bei einer Umstellung während des Spiels denkt. Vielleicht könnte ja die Dokumentarserie über den Fußball-Bundesligisten darüber Auskunft geben. Wann und wo sie ausgestrahlt wird ist zwar noch offen, aber gedreht wird schon seit Monaten. Und ein Abnehmer wird sich schon finden, Sky, Netflix aber auch andere Streamingdienste könnten infrage kommen. Produziert wird das Projekt von dem deutschen Filmemacher Aljoscha Pause, der den Sechsteiler „Being Mario Götze“ für Dazn gemacht hat.

Borussia Dortmund folgt einem Trend, der die Fußballklubs Europas ergriffen hat. Manchester City (Amazon), Juventus Turin, Sunderland (beide Netflix) und Eintracht Frankfurt (RTL Nitro) haben bereits Dokumentarserien über sich erstellt. Sergio Ramos, Kapitän von Real Madrid, dreht gerade mit Amazon, und Teamkollege Toni Kroos wird im Sommer über die Leinwände der deutschen Kinos flimmern.

Für den Anhänger sind das nette und interessante Einblicke hinter die Kulissen. Die Filme suggerieren Nähe, obwohl die Distanz zwischen dem Kosmos der Protagonisten und den der Konsumenten nicht größer sein könnte. Die größte Herausforderung ist dabei die Glaubwürdigkeit - und die leidet bisweilen bei einigen dieser Produktionen.

Die Macht über die Bilder bedeutet gleichzeitig Kontrolle über das was gezeigt wird. Drei Beispiele: Beim 0:3-Pausenrückstand von ManCity im Champions-League-Viertelfinale 2018 gegen den FC Liverpool durften die Kameras nicht mit in die Kabine oder zumindest die Aufnahmen nicht gezeigt werden. Sergio Ramos ließ kürzlich beim im Champions-League-Achtelfinale gegen Ajax Amsterdam (1:4) die Kameras ausschalten, während er die Partie von seiner Loge aus verfolgte. Der Kapitän von Real Madrid hatte sich im Hinspiel im Glauben, zu Hause werde man das schon schaukeln, absichtlich die Gelbe Karte abgeholt. Seinen Gesichtsausdruck wird der Zuschauer also nicht zu sehen bekommen. Und der Dreiteiler über Juventus Turin ist ein einziger Werbefilm über die schwarz-weiß heile Welt beim italienischen Rekordmeister.

Schade, denn ein authentisches Gesamtbild macht eine gute Dokumentarserie aus. Alles andere ist nur geschönte Selbstdarstellung mit brillanten Bildern und pompöser Musik. Der BVB eifert hoffentlich nicht den schlechten Vorbildern nach.

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