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Fanproteste bei Hannover.

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Die Macht der Fans

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Es gibt auf die schwierigen Fragen, die sich bei Hannover 96 stellen, keine einfachen Antworten. Martin Kind hat es schon vor Jahren verpasst, rechtzeitig eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln.

Die Macht der Fans in der Fußball-Bundesliga ist so groß, wie sie noch nie war. Klubs und Verbände bekommen das derzeit an diversen Standorten zu spüren. In Frankfurt sind die Verantwortlichen von Verein, DFL und DFB gottfroh, unter größten diplomatischen Mühen die Proteste gegen die Austragung von Montagsansetzungen in einem gerade noch für den Spielbetrieb erträglichen Rahmen gestaltet zu haben.

In Mainz müssen Vereinsverantwortliche sich demütig die Gunst verärgerter Anhänger zurückerobern, wollen sie im Angesicht des Abstiegskampfs einen schwerwiegenden Bruch vermeiden. In Hamburg drohen Fans den Profis unverhohlen und ungestört per Banner. In Stuttgart empfangen Fans den ungeliebten neuen Trainer in stummem Protest. Und in Hannover, wo die aktuell schärfste Demarkationslinie zwischen Klub und Ultras verläuft, sind sich die Parteien gedanklich so fern wie dereinst die selbsternannten Volksvertreter des verblichenen Arbeiter- und Bauernstaates hinterm Eisernen Vorhang von den ersten Protagonisten der neuen Bundesrepublik.

In die Schleifsteine der sportpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Präsident Martin Kind und seinen Fundamentalkritikern im Block geraten zusehends die daran unschuldigen Fußballspieler und deren für den Sport verantwortliche Vorgesetzte. Trainer André Breitenreiter und Sportchef Horst Heldt, geben sich schon gar nicht mehr die Mühe, ihren Frust hinter branchenüblichen Floskeln zu verstecken. Es gehört zu ihren großen Errungenschaften, den Aufsteiger in unruhigen Zeiten frühzeitig in einen sicheren Hafen gebracht zu haben. Man mag es sich gar nicht vorstellen wollen, was los wäre, würde die tiefgreifende Unzufriedenheit meinungsstarker und meinungsstarrer Fangruppierungen mit dem Klubchef einhergehen mit einer sportlichen Krise.

Es gibt auf die schwierigen Fragen, die sich bei 96 stellen, keine einfachen Antworten. Martin Kind hat es in der Entwicklung schon vor Jahren verpasst, rechtzeitig eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln, von der sich ein gewiss nicht unbedeutender Teil der regelmäßigen Besucher zumindest so angesprochen fühlt, dass es zu einem Diskurs hätte führen können. Mittlerweile gibt es diese Strategie zwar. Aber die Gesprächshürden, die die andere Seite aufgebaut hat, sind aus Kinds Sicht unüberwindbar. Die Risse sind nun offenbar tiefer denn je.

Und man fragt sich bang: Geht es plump nur noch darum, wer stärker ist? Der Machtmensch Kind oder die Macht der Fans?

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