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Alle bald weg? Jovic, Haller und Rebic.

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Die Macht der Engländer

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Teams wie Eintracht Frankfurt oder die TSG Hoffenheim bluten gerade sportlich aus. Ein Kommentar.

Waren das noch Zeiten, als Fußballtrainer sich pünktlich vor dem Saisonstart mit den zwei, drei, vier Neuverpflichtungen vor der Handvoll Fotografen in Stellung brachten, ehe das Mannschaftsfoto – in zwei Reihen mit einem 16er-Kader – geschossen wurde. Mittlerweile gibt es mindestens Dreierreihen für die 32er-Kader beim Fototermin, eine eigene Reihe für die Co-Trainer, Assistenten der Co-Trainer, Physiotherapeuten, Mannschaftsärzte, Dolmetscher, Psychologen, Ernährungsberater, Teambetreuer, Zeugwarte und Busfahrer.

Aber das nur nebenbei.

Die tatsächliche Revolution in den Kadern und Kadergrößen der Profimannschaften findet gerade mal wieder auf dem Transfermarkt statt. Um den Irrsinn zumindest ein wenig einzudämmen, der in den Sommermonaten zuverlässig den Treibstoff für die Berichterstattung liefert, hat die Premier League im vergangenen Jahr den Transferschluss von Ende August auf den Tag vor dem ersten Ligaspiel nach vorne verlegt. Weitere Einkäufe sind in Englands Topklasse dann nicht mehr erlaubt. Es ist ein Akt der Souveränität einer Liga, die weiß, dass ihr wirtschaftlich niemand das Wasser reichen kann. 2019 beginnt die Premier League am 9. August.

Das bedeutet, dass sich den Kaderplanern der Bundesliga vom 8. August an ein anderer, entspannterer Markt bietet. Sie können, wegen des Wochenendes sogar bis zum 2. September, ohne den Konkurrenzdruck englischer Spitzenklubs einkaufen gehen – und vor allem: Sie müssen nicht mehr fürchten, dass nach dem 8. August noch ein Premier-League-Klub daherkommt und ihnen dank seiner Finanzkraft en passant einen wichtigen Spieler wegnimmt. Zudem ist es Bundesligisten weiterhin gestattet, sich auf dem englischen Markt umzuschauen und von dort einen unzufriedenen Ersatzmann zu entleihen oder gar zu erwerben.

Transfergeduld zahlt sich aus

Diese Situation führt dazu, dass Teams wie Eintracht Frankfurt oder die TSG Hoffenheim gerade sportlich auszubluten scheinen, derweil sich ihr Festgeldkonto auf dreistellige Millionenbeträge zubewegt. Wären ihre Manager Alex Rosen und Fredi Bobic in ihrem Tun nicht kalt wie eine Hundeschnauze – man könnte glatt denken, beide Klubs würden alsbald hinuntergereicht auf zweistellige Tabellenränge. Dass die Manager geduldig bleiben, weil sie es müssen, sorgt bei so manchem Trainer für Verdruss, der gute Miene zum unübersichtlichen Spiel machen und mit einem unvollständigen Kader in die Saison gehen muss. Aber besser mit einem unvollständigen als einem zu schwachen Kader anfangen.

In der jüngsten Bundesliga-Managertagung haben sie sich deshalb darauf geeinigt, es der Premier League nicht nachzutun und das Transferfenster also nicht zum ersten Spieltag (in diesem Jahr der 16. August) zu schließen. Der dadurch entstehende Zeitdruck würde die potenziellen Neuzugänge nur teurer machen. Die Bundesliga ist im europäischen Vergleich nicht in der Lage, diesen Schritt zu vollziehen. Sie würde sich damit nur ins eigene Fleisch schneiden.

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