Traut er sich bald aus der Deckung und zurück an die alte Wirkungsstätte? Jupp Heynckes.
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Traut er sich bald aus der Deckung und zurück an die alte Wirkungsstätte? Jupp Heynckes.

Bayern München

Die Macht der Droge

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Jupp Heynckes sollte besser darauf verzichten, an seinem eigenen Denkmal zu rütteln. Ein Kommentar.

Der FC Bayern hatte Glück, aber er hat es verpasst, das Glück mit beiden Händen zu packen. Der beste deutschsprachige Fußballlehrer hätte umgehend und ablösefrei zur Verfügung gestanden, wenn auch nicht bedingungslos: Thomas Tuchel. Diese Lösung hat sich geradezu aufgedrängt. Sie wäre zukunftsorientiert und strategisch sinnvoll gewesen, aber dazu hätte der Verein Kompromisse eingehen müssen. Vor allem wohl Uli Hoeneß.

Stattdessen plant der Patron eine rückwärtsgewandte Welt, wie sie ihm gefällt: Altmeister Gerland als Nachwuchsboss, Rentner Heynckes als Chefcoach, der ewige „Brazzo“ Salihamidzic als Sportdirektor, Sagnol als Co-Trainer. Die barocke Versuchsanordnung versprüht, ähnlich wie der Ancelotti-Clan, mehr Retrochic als innovative Kraft. Wir sehen ähnliche folkloristische Entwicklungen an anderer Stelle im deutschen Fußball ja auch: Bruchhagen in Hamburg, Wontorra bei Sky. Vollprofis, ohne die die Unterhaltungsbranche Profifußball nicht auskommen mag und die ohne den Profifußball nicht auskommen mögen.

Aufrecht verabschiedet

Jupp Heynckes war tief gekränkt, als Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß ihm im Frühjahr 2013 offenbarten, dass seine Tage gezählt sind und Fußballheiland Guardiola übernimmt. Mit dem Triple verabschiedete der Jupp sich aufrecht und als Respektsperson. Er ist jetzt 72, hat den Großteil der vergangenen vier Jahre mit Frau und Haustieren auf einem entlegenen Bauernhof verbracht und sollte eigentlich klug genug sein, dem Werben zur Rückkehr nach München zu widerstehen. Aber vermutlich ist die Macht der Droge größer als der Verstand. Nun droht auch ihm, ähnlich wie Otto Rehhagel 2012 als 73-Jähriger im verlorenen Abstiegskampf mit der Hertha, ein vorübergehendes Schicksal als Witzfigur. Das hätte Heynckes nicht verdient. Er sollte darauf verzichten, an seinem eigenen Denkmal zu rütteln.

Auch Uli Hoeneß hätte es besser gelassen, sich nach seiner Haft krachend als Präsident und Aufsichtsratschef in Personalunion wieder mitten ins Machtzentrum des FC Bayern hineinzumanövrieren. Es wäre ein Akt der Größe gewesen, sich demutsvoll damit abzufinden, als Ehrenpräsident das soziale Gewissen des Klubs zu geben, seine Tatkraft voll und ganz der gesellschaftlichen Verantwortung zu schenken und hin und wieder den alten Kumpel Jupp auf dessen Bauernhof zu einem gemeinsamen Glas Rotwein zu besuchen. 

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