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Austragungsort des Europacup-Endspiels: Das Baku Olympia Stadion in Azerbaijan.

Machenschaften der Funktionäre

Tritte vors Schienbein

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Das Europapokalendspiel in Baku, Ausschluss aus der Champions League, Transfersperre - die Entscheidungen der Fußball-Funktionäre sind bisweilen kaum nachzuvollziehen. Ein Kommentar. 

Es ist wahrlich nicht zu behaupten, dass sich bei Anhängern des FC Chelsea (und des FC Arsenal) ausgelassener Jubel eingestellt hat, am 29. Mai das Europa-League-Finale in Baku zu bestreiten. Das Olympiastadion in Aserbaidschans Hauptstadt ist zwar groß, schön und teuer (und deshalb auch Schauplatz für die EM 2020), aber die Stadt weit entfernt, der Flughafen klein und das Hotelangebot gering. Was das Uefa-Exekutivkomitee nicht daran gehindert hat, einem Land für ein Europapokalendspiel den Zuschlag zu erteilen, das nebenbei wegen seiner Menschenrechtslage in der Kritik steht.

Jürgen Klopp, der mit dem FC Liverpool drei Tage später das Champions-League-Finale in Madrid austragen darf, hat daher zu Recht gefragt, wie erst Kiew und nun Baku zu Austragungsstädten solcher Ereignisse hatten werden können? Weil Staatslenker und Oligarchen mehr Einfluss auf Funktionäre haben als erlaubt ist? Das würde im Nachhinein vielleicht teure Uhren erklären, die sich plötzlich am Arm eines DFB-Präsidenten befanden.

Kulttrainer Klopp hat noch geunkt, er wüsste gerne, was diese Leute zum Frühstück essen. In einer anderen Angelegenheit ist mit der Uefa allerdings offensichtlich nicht mehr gut Kirschen essen. Nachdem Frankfurts Finalgegner Chelsea von der Fifa eine Transfersperre aufgebrummt bekam, die jedwede Aktivitäten auf dem überhitzten Mark die nächste Zeit ausschließt, legt sich die europäische Dachorganisation mit dem Schwergewicht der Premier League an.

Bei Manchester City war der Jubel über den Meisterschaftsgewinn noch nicht abgeebbt, da steht der Ausschluss aus der Champions League im Raum. Wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay. Bislang hatten die Citizens genau wie Paris St. Germain es immer noch irgendwie geschafft, die eigentlich eindeutigen Bestimmungen mit zweideutigen Erklärungen zu umgehen.

Nun, da allerdings die Enthüllungsplattform Football Leaks anhand von internen Klub-Dokumenten sehr genau belegt, dass Sponsoren weniger gezahlt haben als im Vertrag festgeschrieben war und die Differenz aus dem Privatvermögen von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, seit 2008 Besitzer der Skyblues, beglichen wurde, scheint es kaum noch ein Entrinnen zu geben.

Es mag zwar bitter für Pep Guardiola und auch nicht förderlich für die Entwicklung der Nationalspieler Ilkay Gündogan und Leroy Sané sein, Manchester City mal für eine Saison auszuschließen, aber ohne einen Tritt vors Schienbein lernen es diese Klubs vermutlich nie. Die Finanzaufsicht kann nur gelingen, wenn es wirklich zu Konsequenzen kommt, die über die obligatorische Geldstrafe hinausgehen – denn die bezahlen die Eigentümer aus der berühmten Portokasse. Nur wer glaubt, dem englischen Fußball seien nach dem diesjährigen Höhenrausch schon entscheidend die Flügel gestutzt, der irrt gewaltig.

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