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Luka Modric: Der zeitlose Stratege

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Von: Frank Hellmann

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Überragender Fußballer: Luka Modric.
Überragender Fußballer: Luka Modric. © afp

Auch mit 37 Jahren ist Luka Modric die zentrale Figur, um die sich bei Kroatien vor dem Viertelfinale gegen Brasilien (fast) alles dreht.

Dass es bei der WM auf die Zielgeraden geht, ist nicht überall in Doha zu spüren. Etwa im Qatar National Convention Center (QNCC), wo Fotografen hektisch ein freies Plätzchen suchten, Kamerateams um die besten Positionen drängelten und Medienleute in einer langen Schlange anstanden. Das hochkarätig besetzte Viertelfinale warf am Donnerstag im Mediencenter seine Schatten voraus, und wenn Teams wie Kroatien auch gleich ihren bekanntesten Spieler zu diesem Pflichttermin entsenden, vergrößert das noch mal die allgemeine Aufregung.

Luka Modric gibt vielleicht nicht den dankbarsten Gesprächspartner, aber der kroatische Kapitän ist vor dem K.o.-Duell gegen Brasilien an diesem Freitag (16 Uhr/Magenta-TV) noch immer die zentrale Figur, um den sich beim Vizeweltmeister (fast) alles dreht. Der Stratege gehört zum zeitlosen Inventar der großen Turniere, gefühlt immer derselbe Haarschnitt, dieselbe hagere Gestalt, die im zentralen Mittelfeld ihren Instinkten folgt. Der heute 37-Jährige stand im kroatischen WM-Kader, als Deutschland 2006 einen perfekten Gastgeber gab.

Seine Mitspieler hießen damals Robert und Niko Kovac, Ivica Olic oder Ivan Klasnic, die längst in anderen Funktionen tätig sind oder wie bei Klasnic einen hohen Preis fürs Profitum gezahlt haben. Modric spielt einfach immer weiter, seit 2012 überdies bei Real Madrid auf allerhöchstem Niveau. Natürlich hat auch er inzwischen an Dynamik eingebüßt, und seine Auswechslung gegen Japan kam nicht zufällig zustande. Aber gegen den Rekordweltmeister wird er natürlich beginnen. „Teams wie Brasilien und Argentinien sind immer Favorit, aber die Praxis hat gezeigt, dass das nichts heißen muss“, erklärte Kroatiens Anführer.

Vergleichbar mit WM-Finale

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass der ehemals treue Klubkollege Casemiro und sein aktueller Vereinsgefährte Vinicius Junior tragende Rolle beim Gegner besetzen. Er lerne „Tag für Tag viel von ihm“, richtete Letzterer gerade aus, dank des Veteranen im königlichen Gewand bekomme er „mit jedem neuen Tag ein größeres Repertoire“. Modric entgegnete nun: „Es ist nett zu hören, wenn er das sagt. Er hat auch große Fortschritte gemacht. Ihn müssen wir stoppen, wenn wir weiterkommen wollen.“

Wobei sich Nationaltrainer Zlatko Dalic keinen Illusionen hingibt: „Das wird das herausforderndste Spiel für uns. Es ist vergleichbar mit dem WM-Finale 2018. Ich wünsche mir, dass dieser Gegner etwas später gekommen wäre, aber so ist das Leben.“ Dalic leitete schon vor vier Jahren den Siegeszug der Vatreni. Jeder Coup in Russland wurde daheim von mehr als vier Millionen Landsleuten mit einem vorgezogenen Silvesterfeuerwerk gefeiert. Doch Wiederholungsansprüche folgen daraus nicht. „Wir haben 18 neue Spieler im Kader“, so Dalic.

Vom alten Gerüst sind noch Verteidiger Dejan Lovren (33 Jahre), Mittelfeldmann Mateo Kovacic (28) und Offensivallrounder Ivan Perisic (33) geblieben. Aber am meisten Orientierung vermittelt eben der nur 1,74 Meter große Alleskönner mit dem Rundumblick. Für Andrej Kramaric ist Modric gar „einer der besten Mittelfeldspieler aller Zeiten, vielleicht der beste überhaupt“, sagte der Stürmer der TSG Hoffenheim im Magazin „11Freunde“. Er habe „für jede Situation fünf Lösungen parat, bevor andere überhaupt über eine nachgedacht haben“.

Der dermaßen Gelobte hat eine solche globale Strahlkraft, dass ein Reporter des arabischen Senders Al Jazeera das Modric-Konterfei an die Fassade seines Haus angebracht hat. Solche im überbrachten Anekdoten haben Modric ebenso zum Schmunzeln animiert wie die immer denselben Fragen nach seinem altersbedingten Karriereende.

Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko – warum soll er das ausschließen? „Wenn Sie ein Rezept für mich haben, wie ich jung bleibe: Geben Sie es mir gerne“, scherzte Kroatiens Nummer zehn, wohl wissend, dass diese Vorstellung nicht realistisch ist. Noch will er sich nicht festlegen, dass im karierten Nationaltrikot Schluss ist. „Ich werde sehen, wie lange ich spielen werden.“ Das 160. Länderspiel könnte aber das letzte sein. Wenn nach einer packenden Partie im Education City Stadium gegen einen späteren Champion der Vorhang fallen würde, wäre das ein würdiger Abschluss.

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