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Bullig und beweglich: Eintracht-Stürmer Luka Jovic.

Luka Jovic

Das doppelte Glück

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Erst Familienvater, jetzt Länderspieltorschütze: Luka Jovic segelt auf einer Erfolgswelle.

Veljko Ivanovic ist einer der serbischen Journalisten, die mit den besten Draht zu Luka Jovic besitzen. Ständig senden sich die beiden WhatsApp-Nachrichten hin oder her, oft geht es um Belanglosigkeiten, aber auch Berufliches. Oder um Privates. Dass der Torjäger von Eintracht Frankfurt mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Angela kürzlich Vater wurde, wusste die aus Belgrad vom Axel-Springer-Verlag herausgegebene Zeitung „Blic“ früher als die meisten. Das Babyfoto hat der öffentlichkeitsscheue Fußballprofi Anfang des Monats dann selbst auf seinem Instagram-Portal gezeigt. Bei seinen 243 000 Abonnenten steht aus aktuellem Anlass gerade ein anderes Motiv höher im Kurs: Der junge Mann im Nationaltrikot und der Nummer neun auf der muskelbepackten Brust. Wegen seines ersten Länderspieltors kann sich der 21-Jährige vor Smileys und Herzchen kaum retten. Die Premiere glückte ausgerechnet gegen seine Wahlheimat Deutschland. Da erlebt wohl einer eine Glückssträhne.

Als sich die Berichterstatter vom Balkan und der in Bosnien geborene Überflieger begegneten, schien im Erdgeschoss der Wolfsburger Arena gar nicht mal klar, wer denn jetzt mehr vor Stolz platzte. Der Shootingstar besitzt in dieser Saison die Gabe, nicht nur den hessischen Bundesligisten von der Champions League und dem Europa-League-Sieg träumen zu lassen, sondern auch das Sieben-Millionen-Volk.

Veljko Ivanovic findet, dass sich Jovic die Lobeshymnen mehr als verdient habe. „Er kommt aus einem armen Elternhaus, hatte eine schwierige Kindheit, aber er hat gekämpft wie ein Löwe. Alles was er jetzt schon erreicht hat, hat er sich erarbeitet.“

Der enge Weggefährte hat auch eine klare Meinung, dass es dem jungen Familienvater gar nicht zwingend gut tun würde, Frankfurt wieder zu verlassen, wo ihm die Balkan-Connection das Einleben so erleichterte: „Hinter ihm sind die größten Klubs in Europa her, aber ich glaube, dass es für ihn besser wäre, noch eine Saison zu bleiben.“ Auch 2020 stände Serbiens Toptalent, das den deutschen Stürmern eine Lehrstunde in Sachen Effizienz erteilt, die Tür zu Spitzenvereinen noch offen. Einerseits. Andererseits ist offenbar bei Jovic‘ Beratern hinterlegt, dass ein Angebot des FC Barcelona – der „Guardian“ berichtete am Dienstag von einer 50-Millionen-Offerte – nur einmal komme.

„Einer der besten jungen Stürmer in Europa“

Zweifel an der Eignung für den großen Karriereschritt hegt nicht einmal mehr Mladen Krstajic, der Jovic oft im Nationalteam links liegen ließ. Vor dem Deutschland-Spiel verglich der Nationaltrainer ihn bereits mit Barcelonas Luis Suarez, nun ging der ehemalige Bundesligaspieler noch ein Stück weiter, nachdem er den Eintracht-Edelstein für ein „wirklich tolles Spiel“ gelobt hatte: „Ich bin nicht sein Manager, aber hat auf jeden Fall das Potenzial, bei so einem Verein zu spielen“. Denn: „Er ist mutig und zu jedem Zeitpunkt gefährlich, weil er immer auf seine Chance lauert – und schon die kleinste Unachtsamkeit ausnutzt. Und: Manchmal wirkt er lustlos und teilnahmslos, aber das täuscht die Verteidiger und macht ihn noch gefährlicher.“ Was sich wiederum mit der Einschätzung des „Blic“-Berichterstatters deckt: „Luka ist einer der besten jungen Stürmer in Europa. Er ist definitiv der Anführer unserer jungen Generation von Fußballern. Er hat ein unglaubliches Gespür für Tore.“

Was in Wolfsburg nach zwölf Minuten zu besichtigen war, als der Goalgetter einen gar nicht so leichten Ball instinktsicher vom Fünfmeterraum mit dem Kopf versenkte. Typisch für Jovic, dass er aus der Aktion keine Heldentat machen wollte. „Es war ein schwieriges und taktisch anspruchsvolles Spiel. Ich bin zufrieden mit dem Resultat. Jedes Team, das 1:1 gegen Deutschland spielt, kann zufrieden“, sagt er. „Ich bin glücklich, dass ich ein Tor geschossen habe. Nun haben wir ein gutes Gefühl für Lissabon und werden versuchen, gegen Portugal zu gewinnen.“

Spannend bleibt, wie sich sein Nationaltrainer für das EM-Qualifikationsspiel in Portugal entscheidet. Übernimmt am Montag wieder Aleksandar Mitrovic, bulliger Brecher vom FC Fulham (46 Länderspiele/ 23 Tore), die Rolle als einziger Angreifer? Krstajic wich – taktisch nicht ungeschickt – noch aus. „Vielleicht spielen wir gegen Portugal auch mit zwei Stürmern“, sagte der 45-Jährige, der im Estadio da Luz – wo die Eintracht am 11. April in der Europa League gegen Benfica Lissabon antritt – noch auf die Rückkehr von Jovic-Klubkollege Filip Kostic und anderen Leistungsträger hofft, die sich den Deutschland-Test allesamt entspannt in Belgrad angeschaut hatten.

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