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Wenn Coman ausfällt gegen Liverpool, haben die Bayern ein Problem.

Bundesliga

Die Lücken-Bayern

Die Münchner können dem 3:2-Sieg in Augsburg vor dem Trip nach Liverpool nicht viel Gutes abgewinnen und zittern nun auch noch um Coman.

Am späten Freitagabend versuchten es die Bayern noch mit einem Trick. Sie schickten ihren Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu den Reportern in die Mixed Zone – und als dieser dann angefangen hatte zu reden, schickten sie dahinter noch einen zweiten Angestellten los: Kingsley Coman, den Außenstürmer. Nur ging ihr Ablenkungstrick nicht auf. Und so tauchten bereits wenige Minuten später die ersten Bilder im Internet auf, die Coman zeigten, mit einem dicken Verband um den linken Knöchel. Die Fotos des verletzten Franzosen waren die traurige Pointe an einem Abend, der die vielen Probleme des FC Bayern mal wieder offenbarte.

Jetzt, da das erste Champions-League-Spiel gegen den FC Liverpool (Dienstag, 21 Uhr) weniger als 48 Stunden entfernt ist, hat sich der Fall Coman noch nicht aufgelöst. Am Freitag führte er die Bayern mit zwei Toren und einer Vorlage zum 3:2-Sieg in Augsburg, verletzte sich kurz vor Schluss aber. Am Samstag gaben die Bayern „nach einer eingehenden Untersuchung“ Entwarnung. Am Sonntag veröffentlichten sie ein Bild, das ihm beim Joggen zeigt. Zugleich berichtete die „Bild“ jedoch, dass Coman einen Belastungstest abbrechen musste. Ausgang offen.

Natürlich würde Coman, 22, den Bayern sehr fehlen. Nur sollten sich sowieso nicht darauf verlassen, dass er ihnen auch in Liverpool aus der Patsche helfen kann. Er hat mit seiner Geschwindigkeit und seinen Toren in Augsburg mal wieder Probleme kaschiert, die den Verein schon lange beschäftigen. Zweimal ist ihre Abwehr von einer Mannschaft überrumpelt worden, deren Stürmer nicht Salah, Mané und Firmino heißen, sondern Cordova, Gregoritsch und Ji. Das veranlasste Hasan Salihamidzic zu einer radikalen Forderung: Man müsse sich in Liverpool „um ein paar hundert Prozent steigern“.

Es war nicht die einzige Forderungen, die Salihamidzic am Freitag aufgestellt hat. Er sagte auch: „Wir dürfen nicht so viele Gegentore kassieren.“ In 22 Spielen Ligaspielen haben die Bayern schon 26 Treffer einstecken müssen. Warum sich überhaupt so viele angesammelt haben, konnte Salihamidzic aber nicht erklären. „Da bin ich auch ratlos“, sagte er. Auch Mats Hummels sagte, dass es „nicht immer Erklärungen“ gibt. Nur Niklas Süle, der andere Innenverteidiger, merkte an, dass die „Konterabsicherung nicht gestimmt hat“ und dass man „kompakter stehen“ müsse. Und Trainer Niko Kovac befand gar: „Alles muss besser werden. Wir müssen in Liverpool ganz anders auftreten.“ Nur: Wie soll das gehen?

Am Freitagabend trug Mats Hummels schon mal ein paar Leitideen vor. Man dürfte vor dem aggressiven Liverpooler Pressing – das Trainer Jürgen Klopp in England auf die Spitze getrieben hat – nicht kapitulieren. Man dürfte in diesen Situationen nicht quer und auch nicht nach hinten spielen, sondern stetig mutig nach vorne, um die ersten Pressinglinien zu überspielen. „So kann man ihnen wehtun“, sagte Hummels.

Vermutlich wird Hummels das persönlich umsetzen dürfen. An seiner ersten Elf wird Kovac wohl nichts ändern – außer Kingsley Coman fällt aus. Dann müssten sich die Bayern aber sowieso noch einen neuen Trick überlegen. Christopher Meltzer

Iran schaltet wegen Steinhaus ab

Die kurzfristige Nicht-Übertragung des Freitagabendspiels von Bayern München beim FC Augsburg (3:2) im Iran schlägt hohe Wellen. Das iranische Staatsfernsehen soll die Partie wegen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (Langenhagen) aus dem Programm gestrichen haben. „Bibiana Steinhaus ist eine Frau und trägt kurze Hosen“, twitterte ARD-Korrespondentin Natalie Amiri zu den Gründen. Zahlreiche Medien berichten ebenfalls über den Sachverhalt.

Im Iran gelten für Frauen im Fußball sehr strikte, religiöse Regeln, die immer wieder auch den Weltverband Fifa beschäftigen. Die Geistlichen argumentieren, dass Frauen von der maskulinen Atmosphäre und dem Anblick halbnackter Männer „beschützt“ werden müssten. sid

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