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Objekt der Begierde: Philippe Coutinho.

Liverpool gegen Hoffenheim

Die Lücke in Liverpool

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Es gibt gute Gründe, dass Philippe Coutinho den Klub von Jürgen Klopp nicht verlassen darf.

Es ist noch gar nicht lange her, dass Philippe Coutinho ein paar ziemlich große Vergleiche wählte. Er wisse, dass der FC Liverpool verbunden sei mit Namen wie Kenny Dalglish, Ian Rush oder Steven Gerrard, sagte der Offensivmann aus Brasilien im Januar. Er hatte gerade einen neuen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben und war entschlossen, in den Rang der Vereinslegenden aufzusteigen: „Mein Ziel ist es, dass man sich irgendwann genau so an mich erinnert wie an diese Spieler“, sagte er. Und, mit einem Schuss Pathos: „Man definiert den Erfolg eines Spielers durch seine Treue, durch seine Titel – oder beides.“

Titel hat Coutinho mit Liverpool noch nicht gewonnen, und auch auf seine Treue ist kein Verlass in diesen Tagen. Er drängt auf einen Wechsel zum FC Barcelona. Der Klub aus Katalonien soll mehrere Angebote eingereicht haben, das höchste belief sich angeblich auf 125 Millionen Euro. Coutinhos Arbeitgeber bleibt hart und weigert sich, einen Verkauf auch nur zu erwägen. Die Anzeichen verdichten sich, dass Liverpool als Sieger aus dem Gerangel hervorgeht und der Spieler bleiben muss. Doch die Angelegenheit überlagert auch das Rückspiel im Champions-League-Playoff an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) gegen Hoffenheim, in dem das Team von Trainer Jürgen Klopp den 2:1-Vorsprung aus dem ersten Treffen verteidigen muss.

Mario Balotelli war nicht zu kompensieren

Coutinho ist im Moment nicht einsatzfähig, er fehlt wegen einer Rückenverletzung, und vor allem bei der jüngsten Ligapartie gegen Crystal Palace war zu besichtigen, wie schwer er zu ersetzen ist. Die Mannschaft tat sich trotz drückender Überlegenheit in Sachen Ballbesitz schwer, Chancen zu erwirtschaften. Erst in der Schlussphase und nach ein paar Umstellungen gelang Sadio Mané der Treffer zum 1:0-Endstand. Einige Beobachter kürten den Angreifer aus dem Senegal schon zum Coutinho-Nachfolger. Doch es ist fraglich, ob er tatsächlich ein adäquater Vertreter für den 25 Jahre alten Brasilianer wäre, der in der vergangenen Saison 13 Tore und sieben Vorlagen zu Liverpools viertem Tabellenplatz beitrug.

Sein Verbleib wäre nicht nur für die Aussichten des Klubs wichtig, sondern könnte auch Klopps Schicksal entscheiden. So jedenfalls sieht das der „Independent“, der mahnte: „Klopp sollte wissen, dass die letzten vier Trainer, die einen Spieler mit großem Einfluss verkauft und keine Ersatz besorgt haben, am Ende entlassen wurden.“

Im Sommer 2009 leitete der Verkauf Xabi Alonsos das spätere Ende von Rafael Benítez ein. Roy Hodgson ersetzte im Sommer 2010 Javier Mascherano mit Christian Poulsen. Der Trainer hielt sich nur ein halbes Jahr. Auch den Weggang von Angreifer Fernando Torres Anfang 2011 konnte Liverpool nicht auffangen. Der Verein verpflichtete Andy Carroll für die damalige Rekordsumme von rund 41 Millionen Euro. Der Angreifer enttäuschte, irgendwann erwische es Legende Dalglish. Den Verlust von Suárez im Sommer 2014 gedachte der Klub mit Mario Balotelli zu kompensieren. Auch das misslang, zum Nachteil von Brendan Rodgers.

Ob es jetzt noch gelingen würde, Ersatz für Coutinho zu beschaffen, ist fraglich. Von den drei Wunschtransfers konnte der Klub nur einen umsetzen. Vom AS Rom kam der Ägypter Mohamed Salah für angeblich rund 42 Millionen Euro. Die Verpflichtung von Verteidiger Virgil van Dijk (Southampton) und Mittelfeldspieler Naby Keïta (Leipzig) scheiterte. Es wäre deshalb gut für Klopp, wenn sich Coutinho möglichst schnell an die im Januar formulierten Ambitionen erinnern würde.

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