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Bleibt gewohnt ruhig trotz unruhiger Tage: Lucien Favre. 

Borussia Dortmund

Lucien Favre: Wieder mal auf dem Prüfstand

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Dortmund-Trainer Lucien Favre braucht gegen Eintracht Frankfurt dringend einen Erfolg.

Der Schweizer Fußballlehrer Lucien Favre wird sich noch gut an den vergangenen November erinnern können. Damals, nach einem 3:3 im Heimspiel gegen Aufsteiger Paderborn, hatte die öffentliche Diskussion den vorläufigen Höhepunkt erreicht – mit ihm selbst im Mittelpunkt. Sein Chef, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach dem Coach von Borussia Dortmund auf der Jahreshauptversammlung das Vertrauen aus und sagte zugleich: „Aber es ist auch eines klar: Am Ende ist Fußball auch immer über Ergebnisse definiert. Wir wünschen, dass es dir gelingt, eine Wende zum Positiven herbeizuführen.“

Es gelang dem 62-jährigen Favre mit drei Ligasiegen nacheinander und dem Weiterkommen in der Champions League. Doch nur zehn Wochen später sieht sich die Borussia vor dem Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen die wiedererstarkte Frankfurter Eintracht einer erneuten Trainerdiskussion ausgesetzt.

Boss Watzke hatte es schon im November verdeutlicht: Im knallharten Bundesligageschäft zählt nun mal der Tabellenstand. Die Spitze hat der selbst ernannte Meisterschaftskandidat bei vier Punkten Rückstand auf die Bayern zwar durchaus noch im Blick. Die Frage nach dem Titel aber stellt sich aktuell in Dortmund eher nicht. „Es ist mir jetzt zu früh, über den Rest der Saison zu sprechen. Wir müssen erst einmal sehen, dass wir weniger Gegentore bekommen“, sagte etwa Sportdirektor Michael Zorc am Samstag nach der 3:4-Auswärtsniederlage in Leverkusen.

Fehlende Balance

32 Bälle landeten in dieser Bundesligasaison schon im Dortmunder Netz. Eine Zahl, die für sich spricht. Nur sieben Mannschaften kassierten bundesweit mehr Gegentreffer. In Sachen Defensivarbeit verkörpert der BVB bestenfalls Mittelmaß. „Wir haben vier Tore kassiert, so gewinnt man keine Spiele. Erst einmal musst du gut verteidigen“, sagte daher auch Winterneuzugang Emre Can. Der Mannschaft geht jede Balance zwischen Offensive und Defensive ab. Abwehrspieler leisten sich krasse individuelle Fehler. Mittelfeldakteure lassen die Räume offen. Die Offensivkräfte leisten zu wenig Unterstützung. In allen Bereichen fehlt es an Handlungsschnelligkeit.

„Ich probiere mein Bestes“

Abwehrchef Mats Hummels stimmte zu: „Bei Führung dürfen wir nicht passiv werden. Es ist ein wichtiger Punkt, dass wir aktiv bleiben und nicht den Gegner stark machen.“ Favre hingegen forderte, „am Ende mit mehr Geduld“ zu spielen, „den Ball besser kontrollieren“ zu wollen. Herangehensweisen, die im Widerspruch stehen. In letzter Konsequenz trägt aber natürlich Trainer Favre die Verantwortung. Und der wirkt zunehmend ratlos. „Ich probiere mein Bestes, um die richtigen Dinge zu korrigieren. Aber ich hatte, seitdem ich Trainer bin, selten eine Mannschaft, die solche Schwierigkeiten hat“, sagte der Schweizer sogar gegenüber Sport 1. Kann Favre nach diesen Äußerungen überhaupt den nötigen Willen vorleben, den seine Spieler anschließend auf dem Rasen zeigen sollen?

Wie schon im November gilt: Bei einer Trennung von Favre steht jedcoh nahezu kein Kandidat bereit, von dem Watzke und Zorc restlos überzeugt sein dürften. Eine klassische Übergangs-lösung möchte der Klub nach den Erfahrungen der Saison 2017/18 und Peter Stögers Königsklassen-Zieleinlauf auf der letzten Rille unbedingt vermeiden. Der Mangel an Alternativen verschafft Lucien Favre, der noch einen Vertrag bis in Dortmund besitzt wohl noch etwas Zeit, seiner Mannschaft doch noch das immer wieder kehrende Phlegma auszutreiben.

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