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2021 statt 2020: Die Fußball-Europameisterschaft wird erst im kommenden Jahr ausgespielt. reuters

EM

Die logische Konsequenz

Die Uefa verschiebt wegen der Coronakrise die Fußball-Europameisterschaft um ein Jahr auf den Sommer 2021.

Um kurz nach drei am Dienstagnachmittag bestätigte die Uefa das Unvermeidliche und Unausweichliche: Die Fußball-Europameisterschaft 2020 findet in diesem Sommer nicht statt. Sie soll um genau ein Jahr auf die Zeit vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 verschoben werden und dann ebenfalls in zwölf Ländern mit 24 teilnehmenden Teams stattfinden. Karteninhaber, die ihre Tickets zurückgeben möchten, werden von der Uefa entschädigt.

Zudem entschied die Uefa im Zuge der EM-Verschiebung auch die Aussetzung aller anderen Uefa-Wettbewerbe. Bis es eine andere Verlautbarung gibt, werden demnach in der Champions und Europa League keine Spiele stattfinden. Auch die Frauen-Wettbewerbe werden ruhen. Die für Ende März angesetzten Länderspiele sollen ebenso wie die Playoffs zur EM Anfang Juni ausgetragen werden, sofern es die Corona-Pandemie zulässt. Auch die Copa America, die parallel zur EM in Argentinien und Kolumbien stattfinden sollte, wird in das kommende Jahr verlegt. Das gab der Südamerikanische Fußballverband Conmebol am Dienstag bekannt.

„Es war wichtig, dass die Uefa als Dachverband des europäischen Fußballs den Prozess anführte und das größte Opfer brachte“, wurde Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in einer Verbandsmitteilung zitiert: „Die Verschiebung ist für die Uefa mit enormen Kosten verbunden, aber wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die lebenswichtige Finanzierung des Breiten- und Frauenfußballs und die Entwicklung des Spiels in unseren 55 Ländern nicht beeinträchtigt wird.“

Die Entscheidungen waren nach mehreren Videokonferenzen festgezurrt worden. Das grassierende Coronavirus ließ keine andere Möglichkeit zu. Klubs und Ligen hatten in der weltweiten Krise sehr entschieden auf die EM-Verlegung gedrängt, um selbst mehr Zeit zu gewinnen. Den endgültigen Beschluss fasste das Uefa-Exekutivkomitee am Dienstag.

Den Ligen haben dadurch über einen Monat mehr Zeit, um die derzeit ausgesetzte Saison doch noch unter einigermaßen regulären Umständen beenden zu können. Stichtag ist dann erst der 30. Juni, an dem normalerweise auslaufende Verträge enden. Die Deutsche Fußball-Liga hatte am Montag verkündet, für die verbleibenden Partien auf Geisterspiele setzen zu wollen. Ob, und wenn ja, wann der Spielbetrieb in Deutschland fortgesetzt wird, soll in der Woche ab dem 30. März entschieden werden.

Das EM-Eröffnungsspiel war für den 12. Juni in Rom terminiert. Italien gilt als Epizentrum der Coronaviruskrise in Europa. Aufgrund der rasanten Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 hatte die italienische Regierung am 9. März landesweite Sperrmaßnahmen verhängt, die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifizierte die Verbreitung von Sars-CoV-2 am 11. März als Pandemie. Sechs Tage später reagierte die Uefa.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte sich als Gruppenerster für die EM qualifiziert. Als Gegner waren der DFB-Elf Frankreich, Portugal sowie der Gewinner einer Playoff-Partie zugelost worden. Eine „Hammergruppe“ wie Bundestrainer Joachim Löw befand. Die Nationalmannschaft wollte im Sommer endgültig Wiedergutmachung leisten für die desolate Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Russland mit dem Vorrunden-Aus.

Der EM-Modus mit über den gesamten Kontinent verteilten Gastgeberorten war zur Feier des EM-Jubiläums gewählt worden, vorgeschlagen vom früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini. Neben München und Rom wurden Amsterdam, Kopenhagen, Bilbao, St. Petersburg, Bukarest, Budapest, Baku, Glasgow, Dublin und London als Gastgeber ausgewählt. Die britische Hauptstadt bekam unter anderem beide Halbfinals und das Endspiel zugesprochen.

Die Nationalmannschaft wollte Mitte Juni ihr Basisquartier in Herzogenaurach beziehen, etwa zwei Stunden von der Münchner Arena entfernt. Auf dem Terminplan stand zudem ein Trainingslager ab Ende Mai in Österreich. Der Deutsche Fußball-Bund will sich am Mittwoch in einer Videokonferenz mit Journalisten umfassend zu den weiteren Planungen äußern. „Wir alle müssen die Gesundheit und das Leben von Menschen schützen, das gilt selbstverständlich auch für den Fußball“, ließ sich Bundestrainer Löw in einer Verbandsmitteilung erklären. DFB-Präsident Fritz Keller und DFB-Direktor Nationalmannschaft Oliver Bierhoff sprachen wie Löw von einer „alternativlosen“ Entscheidung.

Durch eine Verlegung in den Sommer 2021 muss sich die Uefa nun mit dem wenig geliebten Weltverband Fifa arrangieren, der zu dem Zeitpunkt eigentlich die Premiere der millionenschweren Klub-WM feiern will. Dieses Turnier war zuletzt auf 24 Mannschaften aufgestockt worden, ursprünglich sollten acht davon aus Europa kommen. Möglicherweise entsendet die Uefa im Gegenzug für eine Verlegung der Klub-WM aber nun mehr als die ursprünglich angekündigten zwölf Vereine aus Europa. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin dankte am Dienstag Fifa-Präsident Gianni Infantino, der zugesagt habe, alles erdenklich mögliche dafür zu tun, dass der Matchkalender trotz der Verschiebung funktioniert.

Allerdings muss die Uefa wohl das eigene Final Four der Nations League verschieben, das im Juni 2021 stattfinden soll. Im Sommer 2021 soll zudem die Frauen-EM in England stattfinden. (dpa/jcm)

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