Virtuelle Pressekonferenz mit Bundestrainer Joachim Löw (l.) und DFB-Präsident Fritz Keller.
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Virtuelle Pressekonferenz mit Bundestrainer Joachim Löw (l.) und DFB-Präsident Fritz Keller.

DFB

Löws neue Erfahrung

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der Bundestrainer kennt keine Geisterspiele.

Joachim Löw hat viel erlebt in seiner Trainerkarriere, die ja aus weit mehr Erfahrungen besteht als nur einer Anstellung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Doch ob in Innsbruck oder Istanbul, Stuttgart oder Wien: „Ich hatte noch nie ein Spiel ohne Zuschauer.“ Insofern ist es ein Novum, was der Bundestrainer am Donnerstag kommender Woche in der Arena im Stuttgarter Stadtteil Bad-Cannstatt erleben wird: das erste Geisterspiel unter seiner Regie. Dass die Atmosphäre eigentümlich ist, hat Löw selbst nur einmal miterlebt: beim DFB-Pokalfinale in Berlin, als er auf der Tribüne weilte.

Der DFB hatte ursprünglich vor, zum Nations-League-Auftakt gegen Spanien 500 systemrelevante Personen, „Pflegepersonal aus dem Gesundheitswesen“, wie Präsident Fritz Keller sagte, Einlass zu gewähren. Als Dankeschön für ihren Einsatz.

Aber auch das geht nicht: Die Uefa erteilt keine Erlaubnis für ihre Wettbewerbsspiele im September. Zu unterschiedlich die Pandemielage in den einzelnen Ländern. Verwunderlich nur, dass Uefa-Präsident Aleksander Ceferin am 24. September zum Supercup-Finale zwischen dem FC Bayern und FC Sevilla nun einen „Testballon“ steigen lassen will: Bis zu 30 Prozent der Stadionkapazität in der Puskas-Arena von Budapest, die immerhin 67 000 Plätze bietet, sollen dann befüllt werden. Das wären mehr als 20 000 Besucher.

Und dann sind drei Wochen vorher in Stuttgart keine 500 Pfleger und Ärzte erlaubt, die vorher negativ getestet sind? Zu diesem sehr offensichtlichen Widerspruch wollte sich DFB-Chefmediziner Tim Meyer am Mittwoch auf FR-Anfrage nicht äußern. Der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des DFB hatte zuletzt bei einem Online-Vortrag der TU München sich für eine „kontrollierte Zuschauerrückkehr“ ausgesprochen. Dieses Vorgehen sei „auch für die Gesellschaft von Vorteil, das müsse aber definitiv wissenschaftlich begleitet werden“.

Den Hoffnungen, dass Fans in Bundesliga-Stadien mit Saisonstart zurückkehren können, haben die Gesundheitsminister bis 31. Oktober einen Riegel vorgeschoben. Immerhin hat Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, Vorsitzende der DFB-Ethikkommission, kleine Schritte in Aussicht gestellt: „Vielleicht gibt es im November, oder Dezember eine Möglichkeit, kleinere Kontingente in die Stadien zu lassen.“

Vielleicht wäre es überlegenswert, einen Feldversuch mit einer ausgesuchten Begegnung zu unternehmen. Insofern bietet sich die DFB-Auswahl an, für die Heimspiele gegen die Tschechische Republik (11. November) und gegen die Ukraine (14. November) in Leipzig vorgesehen sind. Sachsen zeigt sich bislang am lockersten bei der Zulassung zu Zuschauern: bis zu 1000 sind erlaubt. DFB-Präsident Fritz Keller nimmt den Flickenteppich unterschiedlicher regionaler Regelungen zwar hin, sorgt sich aber um die Amateure: „Zuschauer sind oft die einzige Einnahmequelle.“

Bei der A-Nationalmannschaft ist das anders: Im DFB-Finanzbericht 2019 sind zwar 7,35 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf und Hospitality ausgewiesen, aber zum Gesamtertrag von knapp 70 Millionen Euro durch die Mannschaft im vergangenen Geschäftsjahr machten die TV-Vermarktung und die pauschalen Zahlungen der Uefa für die Überlassung der Vermarktungsrechte mit 60 Millionen Euro den dicksten Batzen aus. Löw sagt übrigens, er wisse nicht genau, wie sich das mit dem Coaching vor leeren Rängen anfühlen werde. Aber eines kann der 60-Jährige versprechen: „Ich bin hochmotiviert.“

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