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Läuft die Uhr schon bald ab? Bundestrainer Joachim Löw steht in der Kritik.

Kommentar

Löw in der Falle

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Man kann ja über Bundestrainer Joachim Löw diskutieren, doch eines ist auch klar: Der DFB-Auswahl fehlt für ganz oben schlichtweg an Qualität. Von Thomas Kilchenstein.

Natürlich kann die Frage gestellt werden und landauf, landab diskutiert werden, ob Joachim Löw nach 14 Dienstjahren noch der richtige Mann ist für die deutsche Fußballnationalmannschaft. Es gibt für beide Seiten gute Argumente, tatsächlich wirkt Löw aktuell alles andere als kraftstrotzend, eher als entrückt, entgeistert, er vermittelt den Eindruck, selbst komplett überfahren worden zu sein von dieser krachenden Niederlage gegen entfesselte Spanier. Und er wird einiges an Energie aufbringen müssen, nicht als verbraucht, erschöpft, vielleicht mutlos zu erscheinen. 14 Jahre in vorderster Reihe fordern Tribute, Trainer nutzen sich ab, nicht nur jene in der Bundesliga, auch Bundestrainer.

Doch im Kern liegt das Problem tiefer. Das Problem ist nicht vorrangig der Trainer, sondern der deutsche Fußball an sich, der kriselt und sich in der Nationalmannschaft spiegelt. Diese Nationalmannschaft wirkt im öffentlichen Erscheinungsbild auch deswegen so blass und blutleer, weil im Grunde kaum einer mehr weiß, für was, oder besser: für welche Art von Fußball sie eigentlich steht. Für Überfallfußball wie 2010 oder Ballbesitzfußball wie 2014, als man Weltmeister wurde, für Dominanz auf dem Spielfeld, oder für Konterfußball, den man zuletzt probierte und mit dem Frankreich 2018 Weltmeister wurde?

Agiert die DFB-Elf nun mit Dreier- oder Viererkette, mit drei Spitzen, zwei oder nur einer, mit fünf Mann im Mittelfeld oder dreien? All diese Varianten sind in diesem Jahr praktiziert worden, eine klare Struktur war selten zu erkennen gewesen. Irgendwie, um ein Lieblingswort von Löw zu verwenden, ist verschütt gegangen, welche Stärken diese DFB-Auswahl eigentlich besitzt, es ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Das Team steckt, seit der Zäsur des WM-Aus‘ in Russland, auch in der Identitätsfalle.

Was in diesem speziellen Jahr auch daran liegt, dass Löw mit Rücksicht auf die Interessen der Klubs und zu vielen Spielen ziemlich viel Personal aufbieten musste. Das Team, das etwa gegen Spanien unterging, hat nichts gemein mit der Elf, die 3:3 gegen die Türkei spielte, eine Türkei übrigens, die in der Nations League in die C-Klasse abgestiegen ist.

Kann es da nicht viel mehr sein, dass es dieser DFB-Auswahl schlicht für ganz oben an Qualität fehlt? Die Elf, die gegen Spanien einbrach, war - bis auf Kimmich und mit Abstrichen Havertz - das Beste, was Fußball-Deutschland derzeit zu bieten hat. Die Defensive jedenfalls besitzt aktuell nicht das Prädikat internationale Klasse: Rüdiger, Koch, Ginter, Tah, selbst Süle nach seinem Kreuzbandriss, sind keine verlässlichen Größen vor Neuer, 16 Gegentore in acht Spielen in 2020 sind viel zu viele. Dazu kommt: Dem Mittelfeld fehlt es an Esprit, die Stürmer, immerhin allesamt schnell, sind talentiert, bislang noch zu wankelmütig. Deutschland zählt europaweit längst nicht mehr zur allerbesten Adresse, Frankreich, Spanien, Belgien sind weiter, vermutlich Italien, Holland und England auch.

Insofern sollten die Erwartungen an die EM 2021 nicht sonderlich hoch geschraubt werden, das Halbfinale als Ziel auszugeben, ist marketingtechnisch verständlich, aber unrealistisch. Überhaupt die Gruppenphase zu überstehen mit Portugal und Frankreich als Gegner, wäre schon ein erster Schritt. Mit oder ohne Jogi Löw.

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