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„Natürlich war das ein lucky punch“, sagt Jürgen Klopp.

Premier League

Klopp und die „Meisterschaft des Willens“

Ein kurioses Eigentor verhilft dem FC Liverpool zum Sieg über Tottenham – für Jürgen Klopp drei wichtige Punkte im Titelrennen.

Es war eine Szene mit Stammplatzgarantie in jedem Jahresrückblick. An der Anfield Road lief die 90. Spielminute, als Weltmeister-Torwart Hugo Lloris einen Kopfball von Mohamed Salah abklatschte – genau auf den linken Fuß seines Mitspielers Toby Alderweireld. Von da kullerte der Ball in Zeitlupe zum 2:1 (1:0)-Sieg für den FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur über die Linie, der Rest war ekstatischer Jubel. Mittendrin Jürgen Klopp, der mit seinen Fäusten enthemmt imaginäre Boxsäcke malträtierte und die Zähne bleckte.

„Natürlich war das ein lucky punch“, sagte Klopp später über den glücklichen und so wichtigen Sieg im Fernduell um den Titel mit Manchester City: „Ich habe den Jungs gesagt, dass es 500 000 verschiedene Wege gibt, ein Fußballspiel zu gewinnen. Heute war es ziemlich hässlich. Aber das ist kein Problem.“ Nicht für Klopp, nicht für seine Reds. Diese wahrten dank Alderweireld ihr Zwei-Punkte-Polster auf City, das die Spitze jedoch im Nachholspiel am Mittwoch gegen Cardiff City übernehmen kann.

Sollte am Saisonende aber erstmals seit 1990 wieder Liverpool oben stehen, wäre dies laut Klopp „eine Meisterschaft des Willens, der Hingabe, der Haltung, des Charakters“ – und gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Wir konkurrieren mit ManCity! Sagen Sie mir zwei Teams auf der Welt, die im Moment besser sind“, meinte der Liverpool-Teammanager nach seinem 80. Erfolg in der Premier League im 138. Spiel.

Roberto Firmino hatte die Reds per Kopf in Führung gebracht (16.), doch Liverpool entglitt das Spiel in der zweiten Halbzeit nach einer Umstellung der Spurs völlig. Klopp änderte sein System, doch nach einem schnell ausgeführten Freistoß (Klopp: „Da war Tottenham schneller im Kopf“) traf Lucas Moura (70.) zum 1:1. Virgil van Dijk verhinderte sogar das 1:2 (85.), und so lieferte Klopps Elf ein Paradebeispiel für „Winning ugly“ (Metro). „Lloris beschenkt Liverpool“, schrieb die Times, die Sun nannte das Siegtor „bizarr“. Der Mirror titelte: „It‘s meant TOBY“, es sollte so sein.

„Große Mannschaften finden immer einen Weg. Und wir sind eine große Mannschaft“, sagte Salah. „Was kann ich sagen? Entschuldigung!“, ergänzte Klopp, „aber wir nehmen es trotzdem gerne mit.“ Dieser Duselsieg werde das Titelrennen „hundertprozentig“ zugunsten seiner Mannschaft beeinflussen, „sonnenklar“.

Am Freitag treten die Reds bei Ralph Hasenhüttls FC Southampton an, schwerster Gegner im Restprogramm ist der FC Chelsea (14. April). City bekommt es noch mit den Spurs (20. April) zu tun und muss noch zu Stadtrivale United (24.). „Die Fans gieren nach dem Titel“, meinte Salah, „und wir geben alles, um das zu schaffen.“ (sid)

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