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Ihn wirds freuen: Ein kleiner Barcelona-Fan vor einem Plakat mit Lionel Messi.

Lionel Messi und der FC Barcelona

Der vergiftete Verbleib

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Lionel Messi spielt weiter für den FC Barcelona und schimpft laut über Präsident Bartomeu und nicht gehaltene Versprechen. Kann das gutgehen?

Am Samstag hat ER sich immer noch nicht blicken lassen in Ciutat Esportiva Joan Gamper, dem Trainingszentrum des FC Barcelona, am Sonntag auch nicht. Doch nur alles heiße Luft, alle Bekundungen, wonach ER doch bleibe, gezwungenermaßen und nur getätigt, um nicht vor Gericht zu ziehen gegen den Herzensverein, hinfällig, falsch, eine riesengroße Ente?

Mitnichten. Am Samstag musste Lionel Messi einen wegen seines unerlaubten Ausstandes geschwänzten Corona-Test nachholen, und für den bestellt ein Lionel Messi das komplette ärztliche Personal einfach in sein Domizil in Castelldefels, einem prestigeträchtigen Vorort an der Costa del Garraf, etwa 25 Kilometer von Barcelonas Zentrum entfernt. Und am Sonntag hatte der neue Trainer Ronald Koeman den Kickern frei gegeben. Messi wird also erst heute zum Dienst am Ball erscheinen, selten dürfte ein Barça-Training eine höhere Aufmerksamkeit genießen wie jenes mit dem fast verlorenen Sohn.

„Er bleibt“, verkündeten am Freitagnachmittag schreiend die spanischen Blätter via Internet eine mittelgroße Überraschung, bis dahin deutete nicht viel daraufhin, dass die bald 20 Jahre alte Beziehung zwischen dem FC Barcelona und dem allerbesten Spieler des Planeten noch einmal zu kitten gewesen wäre. Messi, der im Alter von 13 Jahren aus Rosario in Argentinien nach Barcelona kam, weil dort „La Pulga“, der Floh, das Wachstumshormon bekam, dass der Kleine brauchte, wollte nur noch weg – die 2:8-Klatsche gegen den FC Bayern war da nur der letzte Tropfen auf ein randvolles Fass.

Keine Privilegien für Lionel Messi

Eine Klausel in seinem Vertrag, so hieß es, sichere ihm zu, den Klub ablösefrei verlassen zu dürfen, falls er diese Klausel zum 10. Juni ziehe, andernfalls wäre eine Ablösesumme von 700 Millionen Euro fällig. Messi und Entourage waren der Auffassung, dass dieses Datum nicht wirksam werde, weil die Saison wegen der Corona-Pause länger ginge. Und er nach Beendigung der Runde gehen dürfe. Barça sah das anders. Es drohte eine Schlacht der Anwaltskanzleien.

Genau dies wollte Messi nicht. „Ich werde niemals gegen Barça vor Gericht ziehen“, sagte Messi jetzt in einem Interview mit der Internetplattform Goal.com, weil „es der Klub ist, den ich liebe. Barça hat mir alles gegeben. Es ist der Klub meines Lebens.“ Dann ließ der sechsmalige Weltfußballer noch wissen, dass er weiterhin sein „Bestes für Barcelona geben“ werde. „Meine Einstellung wird sich nicht ändern, ganz egal, wie sehr ich gehen wollte.“

Bleibt natürlich die Frage, wie das gehen soll. Ist nicht längst zu viel Porzellan zerschlagen? Wird Lionel Messi einfach so weitermachen können wie zuvor? Oder ist etwas hängen geblieben? Liegt ein Schatten auf der Beziehung? Und wie wird sich der Superstar mit dem neuen Trainer Koeman verstehen, der, glaubt man dpa, in einem der ersten Gespräche gesagt haben soll, dass es künftig „keine Privilegien“ geben werde. Zudem sollen angeblich Freunde von Messi wie Luis Suárez oder Arturo Vidal verkauft werden.

Lionel Messi: Abrechnung mit dem Chef

Dazu nutzte Messi seine Rückkehr zu einer Art Generalabrechnung mit dem ungeliebten Präsidenten Josep Maria Bartomeu, der „sein Wort nicht gehalten“ habe. Seit einem Jahr habe er der Chefetage mitgeteilt, den Klub verlassen zu wollen. Doch der Präsident habe ihn stets vertröstet: „Er sagte immer: „Wir reden später, nicht jetzt“. Er habe seinen Superstar „ständig im Dunkeln“ gelassen.

Schon seit langem gebe es kein Projekt oder sonst irgendetwas, monierte der 33-Jährige. Drei Trainer binnen eines Jahres - Koeman, Ernesto Valverde und Quique Setien - zeigten die Unzufriedenheit. „Sie betreiben Flickschusterei“, warf Messi Bartomeu und Kollegen vor. Er habe stets betont, seine Karriere in Barcelona beenden zu wollen, „dass ich weiter ein wettbewerbsfähiges Projekt haben will, das Titel gewinnt und den Mythos Barcelona weiter verfestigt“, sagte Messi. In Wahrheit aber gebe es keine Projekte, „es werden nur Löcher gestopft“. Er, Messi, sei immer noch hungrig. „Ich will immer gewinnen und hasse es zu verlieren.“

Ob ihm das jetzt so leicht wie gewohnt vom Fuß geht? Zweifel sind angebracht. Am kommenden Samstag steht das erste Testspiel gegen Drittligist Nastic Tarragona auf dem Programm, am 29. September beginnt die Saison gegen den FC Villarreal. Und im nächsten Sommer läuft Messis Vertrag endgültig aus. Ohne Klauseln.

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