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Messi bei der WM 2022: Noch irdisch?

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Von: Thomas Kilchenstein

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Lionel Messi spielt bei der WM 2022 auf einem Level, das kein anderer Fußballer dieses Planeten auch nur annähernd erreicht – der Titel, sein Lebenswerk, treibt ihn an.

Er muss in einen Jungbrunnen gefallen sein, irgendwo zwischen La Boca, Paris oder Lusail muss er stehen. Wahrscheinlich neben der Zeitmaschine, aus der er geklettert ist. Normal kann das nicht sein, was dieser Lionel Messi derzeit spielt, 35 Jahre alt. Viele sagen, er haben in der Albiceleste nie besser gespielt als jetzt. Was Messi im Halbfinale just in jenem Stadion auf den Rasen zauberte, in dem Argentinien zum Auftakt 1:2 gegen Saudi-Arabien verloren hatte (womöglich die Initialzündung), scheint nicht von dieser Welt. Wie flink auf den Beinen, wie raffiniert am Ball, wie unberechenbar in seinen filigranen Aktionen selbst in den allerverzwicktesten Situationen ist dieser Mann aus Rosario eigentlich noch? Er ist 35 und tanzt einen fast 15 Jahre jüngeren maskierten Wadenbeißer auf dem Bierdeckel aus, lässt ihn stehen wie einen übergewichtigen Alt-Herren-Kicker und legt so auf, dass jeder und jede im Stadion das 3:0 erzielt hätte. Dieser Lionel Messi spielt aktuell auf einem Level, das kein anderer Fußballer dieses Planeten auch annähernd erreicht, kein Neymar, kein Lewandowski, kein Mbappé, kein Cristiano Ronaldo, der schon gar nicht. Die Frage nach dem besten Kicker der Welt muss nicht mal mehr gestellt werden.

Der beste Spieler der Welt, keine Frage: Lionel Messi.
Der beste Spieler der Welt, keine Frage: Lionel Messi. © afp

WM 2022: Messis Lebenswerk?

Wie Messi spielt, ist unfassbar. Er verliert kaum einen Ball, selbst zwei, drei attackierende Gegner schüttelt er ab wie Fliegen, er gewinnt fast jedes Dribbling, sein niedriger Schwerpunkt hilft ihm dabei wie sein absurd hohes Tempo, seine Pässe in Räume, die kein anderer sieht, sind phänomenal. Was immer er tut, ist intelligent, unvorhersehbar, berauschend. Es ist ein Genuss, Messi bei seinem letzten Halali zuzusehen. Womöglich verleiht ihm dieses Wissen die Kraft dazu: sein Lebenswerk am Ende mit dem Titel zu krönen.

Und Messi, das ist anders als früher, lässt seine Mitspieler glänzen, macht die Mannschaft in toto besser. Früher gab es den Solisten Messi, der alles allein wuppte. Inzwischen gibt es den Teamplayer Messi, der alles tut für das Kollektiv. Und: Er fühlt sich wohl als unangefochtener Anführer einer Truppe, die zusammensteht und mit einem Trainer Scaloni einen nahezu perfekten Modus vivendi gefunden hat: Alle laufen, rackern, kämpfen für Messi, und Messi, der sich lächerliche Laufwerte leisten kann, veredelt die Kärrnerarbeit aller mit seinem Genie zum Wohle Argentiniens.

Im Finale kann Messi außerdem einen weiteren seiner unzähligen Rekorde aufstellen.

Messi und Maradona: Die zwei Heiligen Argentiniens

Messi ist Argentinien und Argentinien ist Messi. Viele sagen, der Gewinn der Copa America in Rio im letzten Jahr hat etwas von ihm abfallen lassen. Der Druck eines ganzen Landes, wirtschaftlich gebeutelt, war unermesslich groß, seit Maradonas Zeiten hat die Nationalelf nichts mehr gewonnen, das ewige Scheitern lastete auf Messi, der berufen war, die Albiceleste in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Doch der übermächtige Schatten des heiligen Diego drückte auf den „Floh“, womöglich drückte er ihn nieder, machte ihn im hellblauen Shirt noch ein wenig kleiner. Maradona war lange, lange Zeit überlebensgroß, eine nationale Ikone, unerreichbar.

Lionel Messi hat sich in Katar auf Augenhöhe gebracht. (Thomas Kilchenstein)

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