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Linksfuß mit Glatze: Angelino. 

Champions League

Linke Lösung

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Der ausgeliehene Linksverteidiger Angelino könnte sich bei RB Leipzig für eine dauerhafte Verpflichtung empfehlen.

Wer José Ángel Esmorís Tasende, besser bekannt als Angelino, begegnet, dem fallen bei dem spanischen Fußballprofi gleich zwei Äußerlichkeiten ins Auge. Die markante Glatze und die mächtigen Oberarme, die von großflächigen Tätowierungen gezeichnet sind. Bei seiner Vorstellung bei RB Leipzig erzählte der 23-jährige, er habe damit bereits mit 15 angefangen und fühle sich dadurch stärker. Einen unerschrockenen Kraftprotz wird es brauchen, wenn der mit einem Champions-League-Achtelfinale noch nicht vertraute Bundesligist bei Tottenham Hotspur (Mittwoch 21 Uhr) bestehen will. Mit den Sachsen steht ihr neuer Linksverteidiger gegen den von José Mourinho trainierten Vorjahresfinalisten auf dem Prüfstand.

Auch wenn Angelino am letzten Tag der Transferperiode aus der Premier League von Manchester City ausgeliehen wurde, so waren seine nur sechs Einsätze zu wenig, um ihn als gestählten Defensivmann der englischen Eliteklasse zu bezeichnen. Am Franzosen Benjamin Mendy oder Ukrainer Oleksandr Sintschenko gab es für ihn kaum ein Vorbeikommen. Gleichwohl sind gute Anlagen nicht zu übersehen, dass der bei Deportivo La Coruna ausgebildete und bereits 2013 von den Citizens unter Vertrag genommene Linksfuß direkt weiterhilft. Zuletzt hat er in der Bundesliga beim FC Bayern (0:0) und gegen Werder Bremen (3:0) sehr ordentliche Leistungen abgeliefert.

Seitdem kann der deutsche Nationalspieler Marcel Halstenberg in der personell völlig ausgedünnten Dreierkette aushelfen – bei den Spurs fehlt auch noch der gesperrte Abwehrchef Dayot Upamecano – während der Neuzugang die linke Flanke beackert. Sicheres Passspiel, gutes Zweikampfverhalten und taktisches Verständnis sind auffällig. Dazu kommt eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. „Ich möchte mit dem Verein alles gewinnen, was möglich ist“, verriet Angelino einen Tag danach, als der Brauseklub im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt (1:3) die erste Titelchance verpasst hatte. Die Nummer drei hatte beim Debüt selbst einigen Steigerungsbedarf für sich ausgemacht, auch wenn er das Anschlusstor seines Landsmannes Dani Olmo einleitete: „Ich kann das besser machen.“

Interessant, dass der bestens geschulte Spieler generell wenig Unterschiede zwischen Premier League und Bundesliga ausmacht. „Das Konterverhalten, die Herangehensweise unterscheidet sich nicht so stark. Es geht in beiden Ligen rauf und runter.“ Zudem sieht der Spanier in neuem und altem Coach durchaus Parallelen: „Pep Guardiola und Julian Nagelsmann sind sehr ähnlich in dem, was sie versuchen zu spielen.“ Der einst beim FC Bayern angestellte Katalane habe ihm explizit zu dem Wechsel geraten.

Sieben Klubs in sechs Jahren

Es gibt durchaus Parallelen, wie Manchester City und wir Fußball spielen“, bestätigt Sportchef Markus Krösche, der wegen der Personalnot in der Defensive – in Willi Orban und Ibrahima Konaté fehlen zwei Stammverteidiger bereits wochenlang – in der Winterpause nach Verstärkungen Ausschau hielt. „Wir hatten mehrere Optionen und Angelino schon länger auf dem Radar.“ Hätte beispielsweise der Deal mit Robin Koch (SC Freiburg) geklappt, wäre der in den vergangenen Jahren mehrfach verliehene Wandervogel kaum gekommen. Trotzdem wird es dem ehemaligen spanischen U21-Nationalspieler nicht gerecht, ihn als 1b-Lösung zu bezeichnen.

Leipzigs Linksverteidiger hat in sechseinhalb Jahren für sieben Vereine gespielt, war deswegen für New York City und FC Girona, RCD Mallorca oder NAC Breda am Ball. Wobei sich der junge Familienvater jetzt durchaus einen längeren Aufenthalt in der Messestadt vorstellen kann. „Ich musste mir eine neue Chance suchen. Die jetzige hat eine unglaubliche Qualität“, sagt Angelino. Wird sein mit zu viel Scheich-Geld alimentierter Besitzer tatsächlich die nächsten zwei Jahre aus der Königsklasse ausgesperrt, erscheint ein längeres Engagement in Deutschland durchaus denkbar. Gekommen, um zu bleiben? Krösche hat eine Kaufoption vereinbart. Ganz billig dürfte es nicht werden, aus Angelino dauerhaft einen Roten Bullen zu machen – auch wenn er vielleicht schon so aussieht.

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